Lokale Kultur

Unter Verdacht und in den Mühlen der Justiz

WEILHEIM Die Kriminalromane des Journalisten, Polizeireporters und Berichterstatters von Gerichtsverhandlungen Manfred Bomm sind

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BRIGITTE GERSTENBERGER

mit jeder Menge Lokalkolorit rund um die Schwäbische Alb versehen. Auch sein brandneuer Krimi "Beweislast" verspricht wieder Spannung pur und ein hohes Maß an Identifikationspotenzial. Ein klarer Fall also für alle Krimifreunde, die am Donnerstagabend zahlreich in der Stadtbücherei Weilheim zur Lesung erschienen waren.

Die real existierenden Schauplätze, die Bomm in seine Erzählungen einfließen lässt, kennt jeder. So spielt die Handlung seines sechsten Romans "Beweislast" in der beschaulichen Landschaft der Dreikaiserberge Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen, in dem Städtchen Donzdorf. Der aus Geislingen stammende Bomm ermöglichte den Zuhörern in seinem neuesten Buch einen äußerst unterhaltsamen Blick hinter die Kulissen der Justiz. Mit fundierten Geschichten führte Bomm durch seinen Roman. Ironisch und mit sprühendem Witz nimmt er dabei die Politik und ihre Protagonisten in der Provinz und auch in Berlin ins Visier. Dabei wird Peter Hartz "mit seinem wenig rühmlichen Abgang, der hat seine Strafe aus der Portokasse gezahlt", von ihm besonders kritisch unter die Lupe genommen.

In seinen Kriminalromanen lässt der Autor stets aktuelles politisches Geschehen mit einfließen. Auch Bomms Protagonisten haben einen realen Background. Die Hauptfigur ist Gerhard Ketschmar, ein 55-jähriger arbeitsloser Bauingenieur, "diese Figur verkörpert einen der Arbeitslosen, die ab und an bei mir in der Redaktion auftauchen und die mir ihr Leid klagen". Aus seinen gesicherten Quellen und beruflichen Erfahrungen webt der Autor seine Handlungsstränge. Und führt somit die Leser und seine Charaktere scharfsinnig und logisch durch den Plot.

In der Story kämpft der Bauingenieur seit elf Monaten um einen neuen Job. Seine Firma ist in Konkurs gegangen und ihm droht nun Hartz IV. Ein Leben lang hat er gearbeitet und fühlt sich jetzt vom Staat und von den Ämtern betrogen. Dementsprechend ist seine Stimmung, als er bei seinem Berater Friedbert Grauer im Arbeitsamt erscheint. Dieser lässt Ketschmar wissen, dass er die Altersgrenze für einen neuen Job überschritten hat und somit nun auf das Abstellgleis gerutscht ist.

In diesem Moment gehen mit dem Arbeitslosen die Gäule durch. "Ach, gehen Sie mir doch weg! Bundesregierung! Vergessen Sie doch die Politiker. Die haben uns doch alles eingebrockt. Alles, was in Berlin angezettelt wird, dient doch nur den Unternehmen". Die Situation zwischen Berater und Arbeitslosem eskaliert, Gift und Galle spuckend verlässt Ketschmar das Arbeitsamt und den Job-Nicht-Vermittler Grauer. Am nächsten Tag wird dieser tot aufgefunden in der Nähe des Steinberghofes, wo Ketschmar am Abend zuvor noch Eier und Milch für seine Frau eingekauft hatte.

Der Fall scheint klar zu sein, schnell gerät der arbeitslose Bauingenieur unter Verdacht und somit in die Mühlen der Justiz. Doch Kommissar Häberle kommen bei seinem neuen Fall erhebliche Zweifel. Wird möglicherweise ein Unschuldiger zu einer lebenslangen Haft verurteilt?

Ein realitätsnaher, flott geschriebener Themen-Krimi, bei dem Manfred Bomm seiner Linie treu bleibt. "Beweislast", ein spannungsgeladenes Buch und ein Schmankerl für jeden schwäbischen Hobbykriminologen. "Gewidmet allen, die zu ermessen vermögen, dass der Mensch mehr ist, als nur ein Kostenfaktor und dass Großes nur zu schaffen ist, wenn jugendlicher Elan und jahrelange Erfahrung ein gemeinsames Ziel verfolgen".