Lokale Wirtschaft

Unternehmen treibt Ausverkauf voran

Das Aus für den Panasonic-Standort in Esslingen hat ein gerichtliches Nachspiel. 135 Mitarbeiter klagen gegen die Kündigung. Während die ersten Verfahren anstehen, läuft die Räumung des Standorts auf Hochtouren. Die technischen Anlagen werden abgebaut und versteigert.

HERMANN DORN

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ESSLINGEN Bildröhren werden in Oberesslingen schon seit Anfang des Jahres nicht mehr produziert. Bevor an dem Standort endgültig die Lichter ausgehen, gilt es die letzten Personalfragen zu klären und alle Maschinen zu entfernen. Ob das Werk unter einem neuen Nutzer eine Zukunft haben kann, steht in dieser Phase in den Sternen. Im Esslinger Rathaus berichtet Wirtschaftsförderer Gottwald Schäfter von einigen Anfragen. Ein durchschlagender Erfolg ist aber noch nicht in Sicht. Zunächst richtet sich das Interesse auf eine Studie, die Panasonic im Frühsommer in Auftrag gegeben hat. Von ihr versprechen sich der Konzern und die Stadt ebenso wie der Wirtschaftsminister näheren Aufschluss, wie eine Zukunft des Standorts aussehen könnte. "Die Studie soll im Oktober vorliegen", teilt Schäfter mit.

Während die Räumung des Standorts planmäßig verläuft, stößt der Konzern mit seiner jüngsten Personalpolitik auf Widerstand. 135 der 263 Mitarbeiter, denen fristgerecht gekündigt worden ist, beschreiten den Klageweg. Angefochten werden die Kündigungen, weil sie nach Ansicht betroffener Mitarbeiter sozial nicht gerechtfertigt sind. Behauptet wird auch, der Konzern habe Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats missachtet.

Die Geschäftsleitung sieht den Gerichtsterminen gelassen entgegen. "Wir halten uns an den Spruch der Einigungsstelle", sagt ein Sprecher. In diesem Gremium haben Vertreter der Firma und des Betriebsrats unter dem Vorsitz eines Arbeitsrichters die Höhe der Abfindungen festgelegt. Die Zahlungen liegen nach Berechnungen der Firma durchschnittlich bei 32 000 Euro. Dass es mit gerichtlicher Hilfe für eine Minderheit einen Zuschlag geben könnte, hält der Sprecher für unwahrscheinlich.

250 weitere Mitarbeiter setzen ihre Hoffnungen auf die Beschäftigungsgesellschaft Refugio, mit der sie einen Vertrag abgeschlossen haben. Diese Lösung hat sie vor der drohenden Kündigung bewahrt. Bis kommenden Sommer besitzt dieser Kreis die Möglichkeit, sich für eine neue Aufgabe zu qualifizieren und sich um eine neue Stelle zu bewerben. In dieser Zeit erhalten sie 80 Prozent ihrer letzten Nettobezüge. Wie es bei Refugio heißt, haben bislang 14 frühere Panasonic-Mitarbeiter eine neue Stelle gefunden. Fünf weitere beginnen ein Praktikum. Außerdem laufen viele Bewerbungsgespräche. Großes Augenmerk legt Refugio auf den Kreis der Ungelernten. Für sie werden neben Deutschkursen auch Schulungen angeboten, die einen neuen Zugang in einen Metallberuf ebnen können.