Lokale Kultur

Unterwegs mit der Werkstatt No. 17

Sechs Künstlerinnen stellen gemeinsam in der Gemeindebücherei im Oberlenninger Schlössle aus

Bis 13. Juli sind im Oberlenninger Schlössle noch die Werke der Werkstatt No. 17 zu sehen.Foto: Genio Silviani
Bis 13. Juli sind im Oberlenninger Schlössle noch die Werke der Werkstatt No. 17 zu sehen.Foto: Genio Silviani

Lenningen. Wer in der Gemeindebücherei im Oberlenninger Schlössle Anregungen und Anstöße sucht, findet diese derzeit einmal mehr

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Thilo Adam

nicht nur im literarischen Katalog. Inspirieren wollen auch die knapp 50 Werke sechs regionaler Künstlerinnen, die dort noch bis zum 13. Juli zu sehen sind.

„Unterwegs“ nennt die Werkstatt No. 17 die Gemeinschaftsausstellung ihrer Mitglieder. Zahlreiche Interessierte waren der Einladung von Gemeindebücherei und Förderkreis Schlössle gefolgt und sorgten für volles Haus zur Vernissage. Wer bei den sommerlichen Temperaturen im Gedränge ins Schwitzen kam, konnte vielleicht nachfühlen, was Barbara Ramminger meinte, wenn sie in ihrer schwäbisch-gereimten Eröffnungsrede vom Schaffen ihrer Gruppe, vom Gefühl vor der leeren, fordernden Leinwand erzählte. Vom „Kampf mit den Farben“, „Qualen“ bei der Bildkomposition und von allerlei hitzigen Diskussionen über „Abschdraktion“ war da zu hören.

Das Ergebnis freilich ist kein trostloses Schlachtfeld. Zumeist abstrakte, durch alle Farbnuancen mäandernde Impressionen mischen sich mit Figürlichem, organische Formen bannen den Blick, gedeckte Pastelltöne lassen einzelne Werke mit den Ausfachungen der alten Mauern verschmelzen und amorphe Tiefe lädt ein zum betrachtenden Verweilen.

Ein bunter Technik- und Materialmix bestimmt die Arbeiten: Sand, Seil, Stein, Stoff – auf der Leinwand ist dem Sextett auf dem Weg weg vom Alltag jedes Mittel recht. „Ich möchte Zeitspuren legen. Mich fasziniert das Verkommene, Vergammelte, die morbide Schönheit“, erzählt Barbara Ramminger. So arbeitet sie in ihre Bilder alte Holzstücke ein und schreckt auch vor verdorbenen Farben und ihren chemischen Reaktionen auf der Leinwand nicht zurück.

Gefühle, Gedanken, Erinnerungen und Stimmungen abstrakt verarbeiten möchte auch Dunja Heinzmann. „Beim Malen kann ich Alltagsgedanken kompensieren und der Routine entfliehen“, sagt sie. Dieser Ansatz zum gekonnten Balancieren zwischen Alltag und Aleatorik scheint für das ganze Künstlerkollektiv zu gelten. „Wir malen, weil wir dabei abschalten können“, erzählen Tina Maahs und Alexandra Trat. Eine Herangehensweise, die sich angenehm genügsam ausnimmt neben dem oft affektierten Gestus und dem stolzen Sendungsbewusstsein des professionellen Kunstbetriebs.

Die Arbeit der Werkstatt No. 17, benannt nach der Adresse der gemeinsamen Schopflocher Arbeitsstätte, beschreibt Karin Bidmon: „Wenn wir uns treffen arbeitet zwar jeder an seinen eigenen Werken, aber wir sammeln durchaus auch gemeinsam Eindrücke und helfen einander über Blockaden hinweg.“ Ziel bleibe dennoch stets der individuelle Ausdruck.

Umrahmt von Eigenkompositionen des Gitarristen Uwe Backes, betonte dann auch Ev Dörsam, Leiterin der Gemeindebücherei Lenningen, in ihrer Eröffnungsrede das spezielle Zusammenwirken der Bilder, ihrer teils gemeinsamen Geschichten und der daraus resultierenden wechselseitigen Beziehungen. „Bei aller spürbaren Homogenität und menschlichen Harmonie in der Gruppe erlangen die Bilder in meinen Augen gerade in den gezeigten Gegensätzen ihre stimmige Wirkung.“

Eine Wirkung, die sich Waltraut Wiedmann, Sechste der Gruppe, die sich einst im Malkurs bei Christel Fuchs kennenlernte, so erhofft haben dürfte. „Wir wollen Kunst schaffen die gefällt, die der Seele gut tut – und in erster Linie uns selbst.“