Lokale Wirtschaft

Vereint gegen die Lehrstellenmisere

Die Kirchheimer Initiative zur Ausbildungsförderung (KIA) will mit dem Modell der Ausbildungsverbünde zusätzliche Lehrstellen schaffen.

KIRCHHEIM Die brisante Situation, dass für die Schulabgänger der derzeit starken Jahrgänge zu wenig Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen, ist auch für Selbstständige und Unternehmen ein Problem. Schließlich handelt es sich hier um die Chance, rechtzeitig junge Menschen zu Mitarbeitern zu qualifizieren, bevor die geburtenschwachen Jahrgänge für das umgekehrte Bild sorgen. Hilfreich ist es deshalb, wenn sich die Verantwortlichen vor Ort in die Pflicht nehmen lassen und sich am runden Tisch treffen. Hier gilt es, alle Möglichkeiten zu prüfen, wie weitere Ausbildungsplätze geschaffen werden könnten. Doch ein Ausbildungsplatz ist nicht nur eine Frage des guten Willens. Die Kosten dafür zu übernehmen, ist manchem Mittelständler einfach nicht möglich.

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Um einen Weg aus dieser Misere zu finden, hat sich der Kirchheimer BDS der Förderung des Projektes "KIA" verschrieben. "KIA", das ist die "Kirchheimer Initiative zur Ausbildungsförderung". Dieses Projekt soll auf dem Beispiel des Ausbildungsverbundes zwischen der Kirchheimer Stadtverwaltung und dem Planungsbüro Metzger aufbauen und den ersten Erfolg dieser Initiative fortsetzen. Um weitere Ausbildungsverbünde zu initiieren, lud der BDS seine Mitglieder und weitere Gäste zu einer Denk- und Gesprächsrunde ein. Die Firma Mosolf war Gastgeber des Abends. Nach einer kurzen, eindrucksvollen Unternehmensvorstellung begrüßte der Vorsitzende Wolf-Rainer Bosch die Gäste und insbesondere die Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Sie erläuterte die bisher sehr positiven Erfahrungen der Stadtverwaltung in Sachen Verbundausbildung. Sie ermunterte die Anwesenden, diesem Beispiel nach Möglichkeit zu folgen. Jürgen Holder, Geschäftsführer der Firma Metzger, berichtete seinerseits aus der noch jungen Praxis mit dem Hinweis, dass bei dieser Art der Ausbildung ein hohes Motivationspotenzial zu beobachten sei.

Weitere Detailinformationen, vor allem auch die Hinweise auf die Vorteile für Unternehmen, die sich an einem solchen Projekt beteiligen, lieferte Dr. Leuninger, der Beauftragte der Kirchheimer Wirtschaftsförderung. Bettina Schmauder von der BDS-Projektgruppe KIA führte in den Arbeitsteil des Abends ein. In kleinen Gruppen wurde das Thema individuell vertieft. Eine möglichst große Schnittmenge an Informationen sollte helfen, neue Ansätze für eine denkbare Zusammenarbeit in Sachen Ausbildungsverbund zu entwickeln.

Die Idee, mit grenzüberschreitenden Gedanken auf unerkannte Ausbildungspozentiale zu stoßen, basierte auf der guten Erfahrung, die man bei einer kleineren Runde zum selben Thema schon gemacht hatte. Das Brainstorming und die anschließenden Berichte mit gemeinsamer Diskussion führten dann auch zum gewünschten Erfolg. Verschiedene Konstellationen für Verbund-Ausbildungsplätze scheinen erfolgversprechend zu sein und wurden für eine konkrete weitere gemeinsame Abstimmung und Bewertung verabredet. Doch noch müssen viele Details geprüft und mit dem denkbaren Partnerunternehmen geklärt werden. Auch die Stadtverwaltung prüfe derzeit weitere Möglichkeiten der Verbundausbildung, "und an diesem Abend haben sich weitere Ideen entwickelt", betonte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker bei ihrer Bewertung der Aktion. Sie sehe in der Fortsetzung von KIA eine wichtige Aufgabe, bei der sich auch Verwaltung und Wirtschaft ein Stück näher kommen.

Dass formale Probleme auf keinen Fall ein Hindernis darstellen, betonte eindringlich der stellvertretende Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Nürtingen, Helmut Zeeh. Er bewerte den Abend als Beweis dafür, "dass der Berliner Ausbildungspakt vom Kirchheimer BDS eindrucksvoll in die Tat umgesetzt wird". Er sehe hier "ein Engagement aller Beteiligter, von der Stadtverwaltung über die AOK bis hin zu kleinen und großen Mitgliedsbetrieben des BDS, das für die Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene beispielhaft ist".

pm