Lokale Kultur

Vergänglicher Jahrmarkt der Eitelkeiten

Badische Landesbühne Bruchsal präsentierte in der Stadthalle Neil Simons Klassiker „Sonny Boys“

Kirchheim. 1972 am Broadway uraufgeführt, erreichte Neil Simons Klassiker um zwei alternde Come­dians schnell Kultstatus. 1975 mit Walter Matthau und George Burns ver-filmt, 1982 mit Carl-Heinz Schroth und Johannes Heesters auf die Bühne gestellt, war es 1995 auch als Fernseh-Remake mit Woody Allen und Peter Falk ein Vergnügen.

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Fast 40 Jahre nach der Uraufführung der „Sonny Boys“ hat sich die Badische Landesbühne dieses in die Jahre gekommenen Stücks angenommen. Die Inszenierung von Lothar Maninger blieb dabei dem Zeitkolorit der 70er-Jahre und der Retrospektive verpflichtet und verpasste damit vielleicht die Chance, etwas vom Staub der frühen Jahre abzuwischen.

Das emotionsgeladene Thema selbst könnte dabei aktueller nicht sein. Ein vor Botox-Gaben und schönheitschirurgischen Eingriffen nicht zurückschreckender Jugendwahn beherrscht eine Gesellschaft, in der altersbedingte Krankheiten längst auf dem Vormarsch sind. Die verletzten Eitelkeiten zweier Bühnenstars von einst werden da rasch zum Luxusjammern auf hohem Niveau.

Die alternden Diven tun sich ohnehin am meisten selbst leid, denn ihre Fans haben sie längst vergessen. René Laiers Willi Clark ist dabei auf begeisternde Weise ganz besonders überzeugend grantig, denn er fühlt sich nicht nur als Opfer, er ist es auch – und davon lässt er sich von nichts und niemandem abbringen. Grundlos hat ihm Al Lewis (Hannes Höchsmann) auf dem Höhepunkt des Erfolgs den Rücken gekehrt und ungefragt einen Schlusspunkt unter die gloriose gemeinsame Karriere dieses „seltsamen Komiker-Paars“ gesetzt.

Während die von Willi bewunderte ausgleichende zweite Hälfte des Comedy-Duos „Sonny Boys“ bei seiner Tochter lebt, haust er verbittert in einem Hotel. Statt sich über die jeden Mittwoch verlässlich erfolgenden Besuche seines Neffen Ben (Matthias Hinz) zu freuen, kritisiert er seinen miserablen Agenten dafür, dass er ihm nicht einmal regelmäßig Rollen in Werbespots verschaffen kann.

Dabei setzt er ihm so zu, dass sein Neffe mittwochs bei ihm immer Herzstechen bekommt. Willi rät ihm daher, ihn doch einfach dienstags zu besuchen. Die ganz große Chance, noch einmal im Rampenlicht zu stehen, verspielt Willi selbst. Nicht in der Lage, mit seinem sinnentleerten Alltag klarzukommen, sabotiert er alle Anstrengungen, ein letztes Mal mit seinem einstigen Partner Studio-Atmosphäre atmen zu können. Das selbst inszenierte Scheitern bringt ihm einen Herzinfarkt ein und eine jetzt auch noch von einer gestrengen Krankenschwester (Sandra Pohl) begleitete, verschärfte Opferrolle.

Während sein von ihm unbarmherzig attackierter Partner Al darunter leidet, dass es Willi so schlecht geht, wartet der weiter uneinsichtig auf eine Entschuldigung. Zur Aussöhnung am Krankenbett kommt es dadurch nicht. Dass beide glücklich werden, wenn sie sich – wie im offenen Ende angedeutet – unter dem Dach eines Seniorenzentrums für alternde Schauspieler wiedersehen werden, das es damals tatsächlich gab, kann durchaus infrage gestellt werden. Ein Happy End gab es nicht unbedingt, aber die Chance, dass die beiden Schauspieler noch eine letzte Bühne finden, auf der sie Erfolge feiern werden.

Viel Applaus hatten die Akteure schon unterwegs eingestrichen, als Martin Brunnemann in der Rolle des Regieassistenten mit dem Kirchheimer Publikum unterschiedlichste Applausszenarien durchspielte, die vom freundlichen Beifall bis zur Königdisziplin „frenetischer Beifall mit begleitendem Lachen“ reichte. Dass es trotzdem am Ende noch einmal viel Beifall gab, sprach für eine gelungene Ensembleleistung, mit der die Abonnement-Reihe des Kulturrings ein positives Ende fand.