Lokale Kultur

Videoprojektion und Installationen

Arbeiten von Barbara Armbruster sind derzeit im Kirchheimer Kornhaus zu sehen

Kirchheim. Mit einer Videoprojektion beginnt für die Betrachter der Ausstellungsrundgang in der Städtischen Galerie im Kircheimer Kornhaus. Das Video zeigt die Künstlerin Barbara Armbruster mit einer Vliesmaske, in die sie Löcher für Augen,

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Kai Bauer

Nase und Mund geschnitten hat. Mit langsamen Bewegungen trägt sie durch diese Löcher Make-up auf. Die Künstlerin performt vor einem Hintergrund, der Aufnahmen aus Naturlandschaften zeigt, erst Berge, später Wasser.

Die Ausstellung setzt sich mit einer Reihe mittelgroßer Fotografien fort, auf denen die Künstlerin in verschiedenen Räumen und in verschiedenen Rollen zu sehen ist: in einem Wohnzimmer, zusammen mit einer orientalisch gekleideten Frau, im Sportdress in einem Ballettsaal, mit Perücke und Brille vor einer Schultafel und in einem kellerartigen Raum mit Regalen.

In der hinteren Ecke des Ausstellungsraums ist eine kleine Installation aufgebaut: acht weiße, gewickelte Wollknäuel liegen am Boden, vom Rest des Raums mit einer lockeren Spirale weißen Fadens abgegrenzt. Direkt dahinter an der Wand ein pflanzenartig ausgeschnittenes Papier mit Tuschezeichnung und Schrift: „Gut gekleidet, die Haare fest zusammengebunden, mit stark geschminktem Gesicht sprach sie.“

Der Rundgang führt weiter über großformatige Zeichnungen in Mischtechnik, die Figürliches zwischen abstrakten und zeichenhaften Bildelementen zeigen, hin zu einem Konvolut an kleinen Bilderrahmen mit klein formatigen Zeichnungen. Diese erinnern an den Stil des amerikanischen Künstlers Jonathan ­Borofsky in den Achtzigerjahren und zitieren beispielsweise Darstellungen Michelangelo Buonarottis aus der Sixtinischen Kapelle. In Armbrusters Aneignung des kunsthistorischen Motivs schenkt ein jugendlicher Herrgott mit kurz geschnittenem schwarzem Bart einer Eva wie beiläufig das Leben.

Den Schlusspunkt der Ausstellung bildet eine Bleistiftzeichnung, die eine androgyne Figur mit stark geschminkten Augen zeigt. Das ganze Blatt ist fleißig schraffiert, dann aber hat jemand einen hässlichen Tuscherest auf die Zeichnung gekleckert.

Die Ausstellung mit Werken von Barbara Armbruster steht in einer anspruchsvollen Reihe, die der Kunstbeirat zu aktualisierten Themen des Jahres 1968 zusammengestellt hat. Sie befasst sich mit Aspekten der verlorenen Identitäten und der Auflösung traditioneller Geschlechterrollen. Leider bietet das Werk von Barbara Armbruster wenig Neues. Zahlreiche formale und technische Aspekte ihrer Arbeit – Fotografie, Performance, über Mischtechniken bis zu Installation und Zeichnung – sind zwar abgearbeitet, dabei aber nie über ein standardisiertes Maß hinaus entwickelt worden.

Wie Adrienne Braun in ihrer Einführung erläuterte, zeigt sich die Künstlerin in einer Welt, „in die man hineingestellt wurde.“ Die Arbeiten sollen ein Panorama von Affekten und Stimmungen öffnen, in dem sich die Hoffnung auf Halt und Identität als vergeblich erweist. „Der Betrachter,“ so Adrienne Braun, „muss sich eine eigene Geschichte dazu erfinden.“

Die Ausstellung ist bis einschließlich Donnerstag, 18. Januar, geöffnet und zwar dienstags von 14 bis 17 Uhr, mittwochs bis freitags von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen jeweils von 11 bis 17 Uhr.