Kirchheim

Viel mehr als nur himmlische Engelsinstrumente

Konzert Das Mannheimer Harfenquartett hat das Publikum in der Kirchheimer Stadthalle begeistert.

Ohren- und Augenweide: das HarfenquartettFoto: Gabriele Böhm
Ohren- und Augenweide: das HarfenquartettFoto: Gabriele Böhm

Kirchheim. Allein der Anblick der goldverzierten edlen Instrumente war schon ein Genuss: Das Mannheimer Harfenquartett hat in der Kirchheimer Stadthalle gastiert. Geboten wurden Stücke von der Klassik über Folklore bis zum Jazz. Die vier Damen taten alles, um ihrem Anliegen gerecht zu werden: zu zeigen, dass Harfen nicht dem Klischee entsprechen, nur „himmlische Engelsinstrumente“ zu sein.

Professor Dr. Kirsten Ecke, Birke Falkenroth, Johanna Jung und Julia Weissbarth sind vier vielfach ausgezeichnete, sympathische Vollblutmusikerinnen, die in perfekter Harmonie spielten und denen die Begeisterung für ihr Instrument anzumerken war. So betrieben sie zwischendurch humorvolle Aufklärungsarbeit. Harfenspielerinnen seien keine „zarten Prinzessinnen“, denn sie würden schließlich ihre schweren Instrumente selbst transportieren. Sie seien auch gute Autofahrerinnen, denn Harfen hätten nicht weniger als sieben Pedale, mit denen die Tonart verändert werden könne.

Als prachtvoller, barocker Auftakt erklang der „Einzug der Königin von Saba“ von Georg Friedrich Händel. Wunderbar zart und sensibel geriet „Morgenstimmung“ von Edvard Grieg, ein Stück, das das Publikum in die Landschaft Norwegens entführte und Sonnenstrahlen über den Bergen funkeln ließ. Von ähnlichem Charakter war das meditative „Au Matin“ von Marcel Tournier, das Kirsten Ecke wie verwachsen mit ihrem Instrument präsentierte. Der frische neue Tag war in der Musik ebenso präsent wie der eine oder andere sorgenvolle Gedanke.

Johanna Jung rief mit zwei träumerischen Traditionals Bilder von einer weiten irischen Landschaft wach. Beim „Blumenwalzer“ aus Tschaikowskys „Nussknacker“ ließ das Quartett Töne wie Blüten herabregnen. Die ausgefeilte dynamische Ausgestaltung verlockte zum Tanzen. Das Walzerkönig-Medley „Strauss goes West“, gewürzt mit Jazz, war eine Komposition von Willi März, der auch die Stücke für die vier Harfen arrangiert hatte und in der Stadthalle anwesend war.

Tango, Flamenco und beschwingte kubanische Rhythmen zeigten eine weitere Facette des Instruments. Auch „Mäckie Messer“ aus der „Dreigroschenoper“ überzeugte. Das alles in wundervollem Harfenklang und voller Dynamik. Das Versprechen „Musik, die jeder kennt - nur nicht so“ wurde eindrucksvoll erfüllt. Das Publikum, das die Vorstellung mit minutenlangem Beifall und Bravorufen quittierte, ließ das Quartett denn auch nicht ohne Zugabe von der Bühne. Gabriele Böhm

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