Lokale Wirtschaft

Vier Millionen Euro für hochwertigen Schrott investiert

Seit rund drei Monaten ist der neue Shredder der Firma Schrott Bosch in Dettingen in Betrieb. Am Wochenende waren nun Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft zur Besichtigung des "modernsten Shredders Europas" eingeladen.

ANDREAS VOLZDETTINGEN 1989 hatte Schrott Bosch den ersten Shredder in Betrieb genommen, der seither das Kernstück des Unternehmens zur industriellen Schrottaufbereitung darstellte. Bis Ende 2004 tat diese Anlage ihren Dienst. Anfang Januar begann Schrott Bosch damit, den alten Shredder sorgfältig zu zerlegen, sodass er "im Osten" wieder aufgebaut und genutzt werden kann. Auf dem Dettinger Betriebsgelände wuchs im Frühjahr das Nachfolgemodell in die Höhe, das bei gleichbleibender Outputmenge für größere Zuverlässigkeit und Qualität sorgen soll. Seit Inbetriebnahme der ersten Anlage vor mehr als 15 Jahren haben die Umweltschutzauflagen enorm zugenommen: Obwohl es sich beim neuen Shredder "nur" um eine Änderungsgenehmigung handle, umfasse das Schriftstück etwa 140 Seiten, den Anhang nicht eingerechnet, wusste Geschäftsführer Ralf Bosch im Rahmen der Betriebsbesichtigung zu berichten. "1989 hat die Genehmigung noch auf sechs Seiten gepasst."

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Weil sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Betriebsgelände Wohnbebauung befindet, war die Sachlage für die Genehmigungsbehörde beim Landratsamt Esslingen besonders heikel (wir berichteten). Marcel Schuler, Rechtsexperte der Firma Schrott Bosch, zählte die wichtigsten Gutachten, Prognosen und Nachweise auf, die vor der endgültigen Genehmigung zu erstellen oder zu erbringen waren. Lärm und Staub sind die größten Probleme, die die Shredderanlage mit sich bringt. Insofern war eine Diagnose über die Lärmsituation des gesamten Betriebs ebenso von besonderem Belang wie eine Staubausbreitungsberechnung unter Berücksichtigung der Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes. Auch die geplante Schornsteinhöhe war nach einem gesonderten Gutachten nach oben zu korrigieren. Der Kamin misst jetzt stolze 23 Meter Höhe.

Wenn der Shredder auch weiterhin Staub und Lärm verursacht, so sind doch zwei wesentliche Verbesserungen gegenüber der alten Anlage objektiv festzustellen: Der Shredder selbst ist mit Schallschutzelementen umbaut, die das Vorgängermodell noch nicht aufweisen konnte, und für das Abfallprodukt "Shredderleichtfraktion" gibt es eine gesonderte Halle, sodass der flugfähige Feinstaub nicht mehr unter freiem Himmel lagern muss. Den Bau dieser Halle bezeichnet das Unternehmen, das insgesamt rund 85 Mitarbeiter beschäftigt, in seiner jüngsten Presseinformation als einen Schritt, "der zwar auf den ersten Blick unter rein ökonomischen Gesichtspunkten nicht profitabel erscheint". Gleichwohl stelle er für die Firma eine sinnvolle und langfristige Investition unter modernsten Arbeits- und Umweltschutzgesichtspunkten dar und "lohne" sich somit in jedem Fall. Die knapp vier Millionen Euro teure und rund 400 Tonnen schwere Neuanschaffung laufe "reibungslos und genehmigungskonform unter Produktionsbedingungen".

Die Firma Schrott Bosch produziert mit dem Shredder hauptsächlich Eisenschrott. "Das Material ist gesucht bei Stahlwerken in aller Welt", sagte Ralf Bosch während der Betriebsbesichtigung. Eisenschrotte und Nichteisen-Metalle bezeichnete er als "wertvolle Rohstoffe im Wirtschaftskreislauf, die Erzen also unseren Bodenschätzen im Einsatzzweck gleichgestellt sind."

Der Geschäftsführende Gesellschafter Günter Bosch bemerkte seinen Gästen gegenüber launig: "Fragen nach Umsatz und Ertrag kann ich unumwunden mit ,Ja' beantworten." Etwas detaillierter gab dann sein Sohn Ralf Auskunft über den Ausstoß der Shredderanlage: "Unsere jährliche Tonnage liegt bei 30 000 bis 35 000 Tonnen das setzt ein Stahlwerk im Monat ein." Das Rohmaterial bezieht das Unternehmen aus der Industrie, von Recyclinghöfen und aus Haushalten. Das Einzugsgebiet liegt in einem Umkreis von 60 bis 80 Kilometern und reicht von Stuttgart bis Ulm, im Süden etwa bis Böblingen. Im Großraum Stuttgart ist Schrott Bosch das einzige Unternehmen, das einen Shredder betreibt. In ganz Baden-Württemberg gibt es weniger als zehn Shredderanlagen. In Europa sind es etwa 200, weltweit 700.

Die neue Anlage in Dettingen ist wie ihr Vorgängermodell die kleinste Baugröße ihrer Baureihe. Ralf Bosch: "In Europa gibt es noch sehr viel größere Shredder. Das richtet sich nach der Antriebsleistung. Wir haben 1 250 PS, andere haben 5 000 PS." Zur Zukunft des Unternehmens und der Branche befragt, zeigte sich der Geschäftsführer und Enkel des Firmengründers verhalten optimistisch: "Die Firma Schrott Bosch gibt es schon seit über 50 Jahren mit entsprechenden Höhen und Tiefen. Ich hoffe, dass das in den nächsten 50 Jahren auch so bleibt."