Lokale Kultur

Virtuose Fingerfertigkeit und schnörkellose Gesangskultur

KIRCHHEIM Unter dem Motto "Jauchzet Gott in allen Landen" der Titel ist der gleichnamigen Bach-Kantate BWV 51 entlehnt gastierte das Barockensemble Concerto Imperiale

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FLORIAN STEGMAIER

in der Kapelle des Kirchheimer Schlosses und in der Martinskirche. Auf dem Programm standen virtuose weltliche und geistliche Werke von Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann, den zwei unumstrittenen deutschen Größen des späten Barocks.

Das Ensemble im Kern besteht es aus den Musikern Bernhard Moosbauer (Barockvioline), Michael Brüssing (Barockvioloncello) und Andreas Scheufler (Cembalo) widmet sich schwerpunktmäßig Werken des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Mitglieder des Ensembles beschäftigen sich intensiv mit den historischen Quellen und deren entstehungsgeschichtlichem Umfeld. Sie musizieren ausschließlich auf Originalins-trumenten oder entsprechenden Nachbauten. Diese als historische Aufführungspraxis bekannt gewordene Spielweise hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer äußerst erfolgreichen Alternative gegenüber bis dahin gepflegten Aufführungsarten entwickelt. Wie auch das jüngste Kirchheimer Gastspiel von Concerto Imperiale deutlich machte, besitzt die historische Aufführungspraxis gerade für die Musik vor 1800 den Vorzug erhöhter klanglicher und interpretatorischer Authentizität.

Je nach Anforderung des individuellen Konzertprogramms kann das Ensemble mit weiteren Mitstreitern verstärkt werden, in diesem Fall mit den Instrumentalisten Peter Hasel (Naturtrompete), Rainer Ullreich (Barockvioline), Elzbieta Sajka (Barockviola) und Heike Hümmer (Violone). Wie schon beim letztjährigen Konzert "Mit Pauken und Trompeten" fand die erste Konzerthälfte mit weltlich-konzertanten Werken im Kirchheimer Schloss statt, die zweite Hälfte durch die Bach-Kantate geistlich geprägt in der Martinskirche.

Eingerahmt von zwei Telemannschen Werken der Sonata in D für Trompete, Streicher und Basso continuo sowie der Sonata a 4 in A für zwei Violinen, Viola und Bass stand das d-Moll-Konzert für Cembalo und Streicher von Bach im Mittelpunkt der ersten Konzerthälfte und kann als deren Höhepunkt gesehen werden. Wenn auch der Mittelsatz, das Adagio, ein klein wenig mehr an Tempo vertragen hätte, beeindruckte doch die Präzision, der Verve und das Esprit mit der die Künstler dieses gewichtige Werk angingen.

Insbesondere Solist Andreas Scheufler konnte mit seiner überragenden virtuosen Fingerfertigkeit für nachhaltigen Eindruck sorgen. Zugleich wurde durch seine Interpretation klar, wie ungemein "modern" dieses Bach-Konzert ist, scheint der Komponist doch schon klangliche Möglichkeiten und technische Schwierigkeiten der späteren Klaviermusik zu erahnen, wenn nicht gar vorwegzunehmen.

Was das Cembalo-Konzert für die erste Hälfte war, war die Bach-Kantate "Jauchzet Gott in allen Landen" für die zweite. Hier gesellte sich Sopranistin Monika Mauch zum Ensemble. Die Künstlerin hat sich in ihren Konzerten sowie in CD- und Radioaufnahmen, besonders auf die Aufführung Alter Musik spezialisiert und arbeitet mit zahlreichen international renommierten Ensembles zusammen, exemplarisch sei nur auf das Hilliard-Ensemble verwiesen. Mit ihrer klaren, klangschönen und angenehm schnörkellosen Gesangskultur wusste sie die zahlreichen Hörer in der Martinskirche zu begeistern. Auch virtuose Koloratur-Schikanen meisterte sie mit einer selbstverständlich anmutenden Leichtigkeit. Monika Mauchs Interpretation kann nur als hohe künstlerische Leistung gewertet werden, deren Niveau als signifikant für das gesamte Konzert mit Concerto Imperial gelten darf.