Lokale Kultur

Virtuoses Dreigestirn der Kammermusik

Tecchler-Trio konzertierte unter großem Beifall in der Kirchheimer Stadthalle

Kirchheim. Benjamin Engelis Ankündigung, in Abänderung des vorgesehenen Programms das Konzert mit der Kammersonate Hans Werner Henzes von 1948 und Maurice Ravels Klaviertrio a-Moll von 1914 zu eröffnen, erwies sich im Nachhinein als Glücksgriff, denn so bildete das Klaviertrio Nr. 1 H-Dur (opus 8) von

Ernst Kemmner

Johannes Brahms nach der Pause das absolute Glanzlicht klangschöner Melodien und mitreißender Rhythmen, bei denen Esther Hoppe (Violine), Benjamin Engeli (Klavier) und Maximilian Hornung (Violoncello) ihr großartiges musikantisches Potenzial zu voller Entfaltung bringen konnten.

Mit Henzes Kammersonate wurde zunächst eine Studienkomposition des jungen Komponisten nach der kompositorischen Vorgabe der Zwölftonmusik vorgestellt, in der nach den einführenden Worten Engelis „die ganze Spannung zwischen analytischem Anspruch des Komponisten und seinem Hang zum Gefühlvollen“ zum Ausdruck kommt. Die Komposition bezieht einen Teil ihres Reizes aus dem kontrastreichen Tenor der fünf teils kurzen Sätze.

Das einleitende Allegro assai birgt neben schwergängigen, verstörenden Harmonien und temperamentvoll eruptiven Passagen auch leisen Wohlklang, der durch die hohen Flageolets der Violine einen ätherischen Anstrich bekommt. Dem stimmungsvoll verhalten musizierten Dolce, con tenerezza (mit „Zartheit“) mit verträumten, lang gezogenen Melodiebögen in Violine und Klavier, folgte ein zunächst wuchtiges Lento mit forschem Beginn und fast kontemplativem Schluss. Auf das kurze, keck beschwingte, sehr effektiv musizierte Allegretto erklang abschließend, quasi als „musikalisches Nachwort“, der zuerst dissonantisch aufschreckende, dann aber in feinstem Pianissimo ausklingende Epilogo.

Im Klaviertrio von Ravel zogen die Mitglieder des Tecchler Trios die Zuhörerschaft mit ihrer hoch entwickelten Vortragskultur und ihrer Demonstration der Leichtigkeit des (musikalischen) Seins vollends in ihren Bann. Das viersätzige Stück stellte vor allem mit seinen rhythmischen Eskapaden – zum Beispiel 8/8-Takt im einleitenden Modéré, 5/4- und 7/4-Takt im Final, animé – höchste Ansprüche an das Zusammenspiel des Trios, aber auch an den musikalischen Ausdruck.

Ein Beispiel für rhythmische Kniffligkeiten ist der zweite Satz, Pantoum. Diese eigenartige Satzbezeichnung stammt von einer malaiischen Gedichtform von Vierzeilern mit raffiniertem Wechselspiel der Reime, das hier von Ravel in eine ausgeklügelte Kompositionsform transponiert wird. Der spritzige temperamentvolle Satz voller Überraschungen, gespickt mit Arpeggien und Pizzicati, wurde vom Trio hinreißend und mit weit gefächertem dynamischem Spektrum präsentiert.

Nach der in sich ruhenden Passecaille, très large, einer streng durchgeführten Passacaglia mit mehrfach im Ostinato wiederholten und von allen drei Instrumenten ausgestaltetem Thema erklang der rhythmisch diffizile Abschlusssatz Final, animé und geriet zu einem regelrechten Höhepunkt vor der Pause. Loderndes Feuer und überschäumendes Temperament in allen Instrumenten, höchster virtuoser Anspruch, dem fast spielerisch Rechnung getragen wurde und ein mitreißender, hochdramatischer Abschluss: das Publikum war hingerissen.

Unglaublicherweise brachte das Trio H-Dur von Brahms nach der Pause noch eine weitere Steigerung. Im Kopfsatz Allegro con brio, einem gewichtigen, weit ausgreifenden Sonatensatz mit langer klanglich harmonischer Entwicklung waren den tonlichen Gestaltungsmöglichkeiten des Trios Tür und Tor geöffnet. So kam jetzt besonders der überwältigend schöne Celloton von Hornung zum Tragen, der in leidenschaftlicher Emphase erklang.

Der federnde Menuettteil des Scherzo, allegro molto mit effektiven Sforzati gegen den Schlag, ein vom Tempo her schön zurückgenommenes, volkstümlich liedhaftes Trio mit süffig klangschwelgerischen Streicherton, unterbrochen von perlendem Laufwerk des Klaviers: all dies erklang prickelnd wie Champagner. Das spannungsvoll musizierte Adagio, ein getragenes Zwiegespräch aller Instrumente, wobei wiederum die unglaubliche Fülle des Cellotons bestach, ging übergangslos ins Finale, allegro über, das mit hurtig huschendem Hauptthema beginnt. Ein Nebenthema bringt klangmächtigen Bombast und eine Wendung nach Dur, bevor ein vom Klavier dominierter Synkopenteil – mit punktgenauer Leistung von Benjamin Engeli – rhythmische Spannung aufbaut.

Nach rauschendem Beifall des begeisterten Publikums für die fantastische Gesamtleistung des Tecchler Trios wurde den Zuhörern noch das Andante espressivo aus dem Trio in G-Dur von Claude Debussy geboten.

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