Lokale Kultur

Völlig unverdientes Schattendasein

WEILHEIM Mit Joseph Haydns Theresienmesse hatten Musikfreunde in der Weilheimer Peterskirche Gelegenheit zu einer lohnenden Entdeckung, fristet dieses Werk doch im

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FLORIAN STEGMAIER

gängigen Konzertbetrieb ganz im Gegensatz zur "Schöpfung" oder den "Jahreszeiten" ein völlig unverdientes Schattendasein. Die volkstümliche Bezeichnung der 1799 entstandenen "Theresien-Messe" geht angeblich auf die Widmung an Marie Therese, die Gattin von Kaiser Franz II. zurück, in Wahrheit entstand das Werk aber anlässlich der Feierlichkeiten zum Namenstag von Maria Josepha Hermenegilda, der Gemahlin von Fürst Esterhazy.

Unter der Leitung von Kantor Wolfgang Beck erklang diese B-Dur-Messe für Soli, Chor und Orchester in denkbar schönstem Gewand. Großes Lob ist dabei insbesondere dem Chor der Peterskirche zu zollen, der eine beachtlich gute Disposition aufweisen konnte und auch in dichten polyphonen Passagen für weniger gut präparierte Klangkörper oftmals heikle Fallen rhythmisch stets präzis und klanglich transparent agierte. Neben ihrer vollendeten Form, ihrem tiefen Ausdrucksgehalt und der geschmackvollen individuellen Ausgestaltung der einzelnen Ordinariumsteile, die stets mit einem durchdachten Wort-Ton-Verhältnis einhergehen, zieht Haydns Theresienmesse ihre Reize auch aus einer reichen Klangfarbigkeit, die nicht zuletzt den kunstvoll austarierten Wechseln zwischen Chor und Vokalsolisten zu verdanken ist. Letztere trugen wesentlich zur Qualität der Aufführung bei.

Wakako Nakaso (Sopran), Ines Malaval (Alt), Salvador Guzman (Tenor) und Teru Yoshihara (Bass) konnten nicht nur mit hervorragenden stimmlichen Einzelleistungen aufwarten, sie waren darüber hinaus auch immer wieder als klangschöner, homogener Verbund zu erleben. Ein verdienstvolles Konzert, wurde doch den Hörern in der voll besetzten Peterskirche klar, dass die Theresienmesse keineswegs eine Marginalie im reichen Schaffen des Wiener Klassischen Meisters ist, sondern sich ohne falsche Bescheidenheit neben manch etablierterem Werk behaupten darf. Hört man etwa, mit welcher Plastizität Haydn im Credo die Historie des Erdenlebens Christi herausarbeitet, sie mit Hilfe der Solisten bildhaft vor die Hörer hinstellt, oder mit welch hohem Affektgehalt die das Messordinarium beschließende Friedensbitte aufgeladen ist die an Aktualität nichts eingebüßt hat dann wird deutlich, dass der 67-jährige Meister hier aus der ganzen Fülle seines Könnens schöpfte.