Lokale Kultur

Voll explosiver Energie

Eröffnung der Ausstellung „Divergent“ im Rathaus in Dettingen

Dettingen. Völlig verschieden und entgegengesetzt – das sind Synonyme für das Adjektiv „divergent“, das die Künstlerin Gabriela Holder als Titel für die Ausstellung ihrer Bilder gewählt hat. Zwei grundverschiedene Stile prägen das Schaffen Gabriela Holders. Und da diese Gegensätzlichkeit nicht nur das Ergebnis einer

Gabriele Rolfs

Entwicklung ist, sondern bewusst beibehalten wird, ist der Titel zugleich Programm.

Nadine Heinel-Wölfle, Vorsitzende des Vereins „kultur ecce“ in Dettingen, führte in die Ausstellung ein. Gabriela Holder, von Beruf Pädagogin an der Realschule Oberlenningen und Lehrbeauftragte am pädagogischen Seminar in Kirchheim, begann erst relativ spät mit der Malerei. Doch das Talent war ihr in die Wiege gelegt, wie die Künstlerin selbst berichtete: Der Vater konnte sehr gut zeichnen, der Bruder war freischaffender Künstler, und auch die Mutter hatte eine ausgeprägte künstlerische Ader.

Erste Versuche in der Malerei unternahm Gabriela Holder aber erst mit 35 Jahren während eines Urlaubs in Norddeutschland. Orte und Erinnerungen wurden malerisch mit Pastellfarben eingefangen. Detailgetreu, statisch und mit warmen, weichen Tönen gezeichnet, entstanden in langfristiger Arbeit Bilder, die Ruhe ausstrahlen. Thematisch dominieren hierbei zwei Themenbereiche: Norddeutschland und Bilder aus der Kirchheimer Region.

Fasziniert von den Farben Marcs, Hundertwassers und Mirós begann Gabriela Holder bald, auch mit abstrakter Malerei zu experimentieren. In der Folge entstanden vollkommen andersartige Werke, voller Spannung und Dynamik, teils explosiv, teils schwebend leicht, doch nie statisch ruhend. Während die Pastellbilder versuchen, Erinnerungen und Stimmungen abzubilden, entstehen die Acrylbilder aus dem Moment heraus, mutige Linien auf weißem Raum, deren Interpretation häufig erst im Nachhinein geschieht.

Der „Feuerspucker“ und die „Freie Zeit“ sind voll explosiver Energie, mit geraden Strichen auf weißen Untergrund gebannt. „Ohne Titel 2“ dagegen strahlt durch die runde Komposition Geborgenheit aus, ein ruhendes Zentrum, das nach außen hin offen bleibt. Interessant in der kräftigen, bunten Farbkomposition sind die „Mutationen“, die „Duplizität der Fälle“ und der „Feuertanz in der Walpurgisnacht“. Ein neues Kapitel der Acrylkompositionen eröffnen die vier Werke „Pfauenauge“. Mit leichtem Strich, verspielt und doch sicher, sind die Linien nicht mehr auf den Untergrund gebannt, sondern scheinen darauf zu schweben. Das Schwarz hat sich zurückgezogen zugunsten hellerer, freundlicherer Farben.

Dass Gabriela Holder parallel an den detailgetreuen, statischen Pastellbildern und den fantasievollen, experimentellen Acrylbildern arbeiten kann und wie sie diese divergenten Welten in sich vereinbart, bleibt ihr Geheimnis.

Die Ausstellung „Divergent“ ist im Rathaus in Dettingen noch bis 7. Juli zu sehen.

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