Lokale Wirtschaft

Vom kupfernen Hahn zur Brennwert- und Solartechnik

Die Owener Neuffer GmbH, Heizung + Sanitär, kann in diesen Tagen auf eine bewegte 75-jährige Firmengeschichte zurückblicken. 1932 als Kupferschmiede gegründet, beschäftigt sich der Handwerksbetrieb heute mit modernster Warmwasserzubereitungs- sowie Heizungs- und Klimatechnik.

RICHARD UMSTADT

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OWEN Firmengründer Friedrich Göhring war Kupferschmiedemeister in Owen und als Original stadtbekannt. Er hatte sein Handwerk von 1900 bis 1903 in Kirchheim bei Ernst Heinkel erlernt. Danach ergriff er wie jeder anständige Gesell den Wanderstab und machte sich auf durch deutsche Lande. So fand er Arbeit in Untertürkheim bei Daimler, in Worms bei Hoffmann, in Mainz bei Kinkels und Sohn, in Zwickau bei Findeisen und in Berlichingen bei Zweidingen. Anschließend wurde er eingezogen zum Ulanenregiment König Wilhelm in Ludwigsburg.

Nach seiner Militärzeit heiratete er und aus dieser Ehe gingen drei Töchter hervor. Von 1911 bis 1931 war Friedrich Göhring als Monteur in der Maschinenfabrik Esslingen tätig. Doch ab 1928 wurde die Arbeit immer weniger und die Zahl der Arbeitslosen wuchs. Da entschloss sich der Owener Kupferschmied, in der Kirchheimer Straße 17 ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Der Betrieb wurde am 1. Februar 1932 in die Handwerksrolle der Handwerkskammer Stuttgart eingetragen. Dort legte er auch zwei Jahre später den großen Befähigungsnachweis ab. Der erste seiner insgesamt zehn Lehrlinge war Albert Wall, der letzte sein Enkel Hermann Neuffer.

Friedrich Göhring arbeitete bis zu seinem Tode. In seiner Werkstatt entstanden Destillations-Apparate, in denen die Owener und nicht nur sie ihre edlen "Wässerchen" brannten. Die Anlagen waren im wahrsten Sinne des Wortes Handwerk. Ein solcher Apparat, von Friedrich Göhring gebaut, ist übrigens heute noch im Kielmeyer-Haus am Esslinger Marktplatz zu besichtigen.

Ein Werk des Kupferschmiedemeisters ganz anderer Art ziert als krönender Abschluss seit Juli 1952 den Turm der Owener Marienkirche: die vergoldete Turmspitze mit Kugel und Hahn. Im Inneren der Kugel befindet sich ein von Hand geschriebener Lebenslauf und Berufswerdegang des Kupferschmiedemeisters aus der Kirchheimer Straße 17, der mit den Worten endet: "Mögen unsere Arbeiten von Glück beschieden sein und lange Jahre das Wahrzeichen für jeden Einwohner bleiben".

Nicht nur den Arbeiten, sondern auch der Kupferwerkstätte selbst war das Glück hold, denn obwohl Friedrich Göhrings Töchter keine Kupferschmiede ins Haus brachten, blieb der Betrieb dennoch in Familienhand. Sein Enkel Hermann Neuffer, der von seinem Großvater im Kupferschmiede-Handwerk ausgebildet worden war, nahm nach seiner Lehre 1959 mit seinem Gesellenstück, einer in Kupfer getriebenen Weinstütze, am Leistungswettbewerb der Handwerksjugend teil und wurde auf Anhieb Kammerbester, danach erster Landessieger von Baden-Württemberg und schließlich zweiter Bundessieger im Kupferschmiede-Handwerk.

Nach dem Tod seines Großvaters, der 77-jährig 1963 verstarb, übernahm Hermann Neuffer den Handwerksbetrieb und legte im Sommer 1964 erfolgreich die Prüfung zum Zentralheizungs- und Lüftungsbauermeister ab. Ein Jahr danach zog die Firma um in den Neubau in der Kirchheimer Straße 23, in dem sie auch heute noch ihren Sitz hat. In dem neuen Haus fanden alle betrieblichen Einrichtungen, die bislang dezentral untergebracht waren, unter einem Dach Platz: die Werkstatträume, die Lagerräume, das Büro sowie die Wohnung und der Ausstellungs- und Verkaufsraum, in dem der damals junge Betriebsinhaber für seine Kundschaft gleich von Beginn an verschiedene Kohle- und Ölöfen ausstellte. Immer weniger gefragt waren in Handarbeit gefertigte Brennerei-Anlagen, deren Aufträge, Montage und Reparaturen gingen immer mehr zurück, sodass die Zukunft des Handwerkbetriebs im Lüftungs- und Heizungsbau lag.

Ab April 1977 bot Hermann Neuffers Ehefrau im ansprechend umgestalteten Verkaufs- und Ausstellungsraum eine breite Palette an Kupfer- und Zinnartikel an. Das Sortiment umfasste kupferne Reliefs und Stiche mit Motiven aus der heimischen Umgebung, Becher, Teller und Vasen sowie Backformen, Flambier-, Fondue- und Schneckenpfannen, aber auch eine Stehlampe aus Zinn wartete auf Kundschaft, dazu die passenden Becher und Krüge.

Mit Hermann Neuffers Sohn Hartmut trat am 29. April 1997 nach einer umfangreichen Ausbildung die dritte Generation in die Firma ein. Hartmut Neuffer hatte zuvor in Kirchheim eine Heizungsbauerlehre absolviert und 1995 die Meisterprüfung im Zentralheizungs- und Lüftungsbau abgelegt, anschließend ließ er sich zum Gas- und Wasserinstallateurmeister ausbilden und schloss auch die Ausbildung zum Betriebswirt des Handwerks mit Erfolg ab. Seit April 1997 führen Vater und Sohn das Unternehmen, in dem einschließlich der zwei Auszubildenden fünf Mitarbeiter beschäftigt sind.

Bereits Ende der 70er-Jahre bis 1982 war die Firma Neuffer im Lenninger Tal führend im Bau von Wärmepumpen und Luft-Wasser-Heizungen. Aufgrund eines größeren Umweltbewusstseins und damit verbunden politischer Forderungen zum Umwelt- und Klimaschutz veränderte sich auch die Technik im Heizungsbau. Der Owener Betrieb setzte inzwischen viele Solarkollektoren und Fotovoltaikanlagen auf die Dächer und installiert modernste Brennwerttechnik bei Gas- und Ölheizungen. Ein weiterer Bereich umfasst Pelletheizungen sowie Stückholz- und Scheitholzanlagen. Damit reagiert die Firma Neuffer auf die aktuellen Anforderungen im Bereich des Heizungsbaus und ist für die Zukunft gerüstet.