Lokale Wirtschaft

Vom Umgang mit Geld

Nachdem der „Kirchheim-unter-Teck-Fonds“ in letzter Zeit schwer unter öffentlichen Beschuss geraten war, hatten nun die zuständigen Anlageberater im Gemeinderat die Gelegenheit, über die Verwendung der einstigen Neckarwerksaktien zu berichten. Tenor der Verantwortlichen: Die Überschüsse sind nicht so hoch wie erhofft, aber es wurde keinesfalls „Vermögen vernichtet“.

Andreas Volz

Kirchheim. Carsten Berg, der stellvertretende Abteilungsdirektor „Portfoliomanagement Spezialfonds“ bei Deka Investment in Frankfurt stellte zunächst die Entwicklung des Kirchheim-unter-Teck-Fonds vor: Auf zwei Mal seien seit Dezember 2000 insgesamt 17 Millionen Euro in dem Fonds angelegt worden. Nach geringen Verlusten im ersten Jahr habe sich 2002 ein Minus von 7,01 Prozent ergeben. Carsten Berg führte das auf die Turbulenzen am Aktienmarkt in der Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001 zurück. Zum damaligen Zeitpunkt sei rund 30 Prozent des Fonds-Vermögens in Aktien angelegt gewesen. Seither werde der Kirchheim-unter-Teck-Fonds aber wesentlich defensiver geführt. Die Obergrenze für Aktienanlagen liege bei zehn Prozent des Gesamtvermögens.

Zwischen 2003 und 2007 habe der Fonds nur Gewinne erwirtschaftet, berichtete Carsten Berg. Diese Gewinne lagen zwischen 3,74 und 5,39 Prozent. An diese Erfolge gelte es nun wieder anzuknüpfen, auch wenn das aktuelle Jahr zu einem Verlust führen werde. Für 2008 sei ein Verlust von 1,54 Prozent prognostiziert, aktuell sehe es allerdings ein wenig besser aus. Demnach liege das Minus nur bei einem Prozent.

Im Schnitt allerdings habe der Kirchheim-unter-Teck-Fonds jährliche Überschüsse von 2,2 Prozent erwirtschaftet. Insofern sei durch die Fondsanlage kein Kirchheimer Vermögen vernichtet worden, wie der Vorwurf lautete, den die Gemeinderatsfraktion der Freien Wähler per Pressemitteilung öffentlich gemacht hatte. Gleichwohl gab Carsten Berg zur Höhe der Rendite freimütig zu: „Wir sind damit nicht zufrieden.“

Dass allerdings im Fonds mittlerweile statt der ursprünglichen 17 Millionen Euro nur noch 15,5 Millionen Euro angelegt sind, hat einen anderen Grund: Die bisherigen Ausschüttungen belaufen sich auf insgesamt 4,3 Millionen Euro, wie Carsten Berg erläuterte. Dabei sei jedoch mehr Geld ausgeschüttet worden, als zuvor erwirtschaftet worden war. Die Überschüsse allein hätten nur für Ausschüttungen in Höhe von 2,8 Millionen Euro gereicht. Bei den restlichen 1,5 Millionen Euro handelt es sich also um Entnahmen aus dem Grundstock des Fonds. Insofern sei durch den höheren Ausschüttungsbetrag im Jahr 2003 Vermögen verzehrt worden. Zwischen 2004 und 2007 wiederum seien jeweils rund 500 000 Euro aus dem Fonds in den städtischen Haushalt geflossen, wobei Carsten Berg betonte: „Das wurde in diesen Jahren auch so verdient.“

Nach diesen Ausführungen verwies Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker noch einmal auf die defensive Anlagestrategie, die inzwischen gefahren werde. Deshalb kommentierte sie auch den Antrag der SPD-Fraktion zum Haushalt 2009, den Fonds aufzulösen und das Vermögen als Festgeld anzulegen, folgendermaßen: „Wir haben jetzt schon den allergrößten Teil in Festgeldern angelegt.“

Walter Aeugle, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kirchheimer Gemeinderat, war dennoch nicht zufrieden und sprach von einer höheren Verzinsung als 2,2 Prozent, die möglich gewesen wäre, wenn das Geld von Anfang an nur als Festgeld angelegt gewesen wäre. Dazu erwiderte Carsten Berg, dass die Erfolge zwischen 2003 und 2007 unter anderem auf die Aktien zurückzuführen seien. Im Kirchheim-unter-Teck-Fonds seien zu diesem Zeitpunkt noch bis zu 15 Prozent des Vermögens in Aktien angelegt gewesen.

Der durchschnittlich erzielte Gewinn von 2,2 Prozent pro Jahr gleiche in etwa die Inflation aus, wie Carsten Berg auf Anfrage des Grünen-Fraktionsvorsitzenden Andreas Schwarz mitteilte. Was Carsten Berg dagegen nicht mehr für möglich hält, das ist ein Verlust wie im Jahr 2002. Bernhard Most (FDP/KiBü) hatte befürchtet, dass sich die aktuelle Finanzmarktkrise erst 2009 richtig auswirken würde, so wie eben auch die Terroranschläge von 2001 erst 2002 besonders negativ auf den Kirchheim-unter-Teck-Fonds gewirkt hatten. Carsten Berg sieht aber für 2009 durchaus Chancen, auch wenn sich die Finanzkrise immer mehr in Richtung Wirtschaftskrise bewege.

Gregor Küstermann (CDU) brach schließlich eine Lanze für den Fonds und dessen Verwaltung. Im Anlagebereich habe sich in den vergangenen Jahren eben kaum mehr als zwei bis drei Prozent Rendite erwirtschaften lassen. Durch Aktien wären höhere Gewinne, aber auch höhere Verluste möglich gewesen. Küstermanns Fazit zum Kirchheim-unter-Teck-Fonds: „Wir haben keine hohe Rendite erwirtschaftet, dafür aber auch keine großen Verluste eingefahren.“

Auch Bernhard Most wollte die Situation schließlich nicht so dramatisch sehen, wie sie jetzt dargestellt werde: „Wir haben mehr Geld entnommen als erwirtschaftet. Aber damit haben wir den Haushalt gestützt und keine Kredite mit hohen Zinsen aufgenommen. Hätten wir gar nichts entnommen, dann hätten wir jetzt 21 Millionen statt 17 Millionen und niemand würde jammern.“

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