Lokale Kultur

Von enormem Elan beflügelt

Abschiedskonzert von Christian Vogt mit „anima musica“ in der Martinskirche

Kirchheim. Eine künstlerisch bewegte Dekade, von Anspruch und Elan beflügelt, neigt sich ihrem Ende. Nach rund zehnjähriger Tätigkeit als Chorleiter von „anima musica

Florian Stegmaier

Neidlingen“ gibt Christian Vogt sein Amt an seinen Nachfolger Volker Bals weiter. Eine Zeit, auf die Christian Vogt mit Genugtuung und berechtigtem Stolz zurückblicken kann.

Zu seinem Amtsantritt im März 1999 musste dem „Jungen Frauenchor Neidlingen“ ein griffiger Name verpasst werden. Im Lateinischen wurde man gemeinsam fündig: „anima musica“ – zu deutsch soviel wie „musikalische Seele“. Mit der Namensfindung und der Einführung einer einheitlichen Chorkleidung – letzteres führte zu lebhaften Diskussionen – war vor allem eine stilistische Profilierung verbunden. Das von Christian Vogt energisch angezogene Niveau, das den Chor von der Popularmusik weg, zur Folklore und Romantik hin führte, fand nach anfänglichen Krisen und Umbrucherscheinungen seine Akzeptanz. Der neu geschöpfte Anspruch warf bald spezifische Fragestellungen auf, etwa der nach entsprechend qualifiziertem Nachwuchs. Hier erwies sich die 2002 erfolgte Gründung des Vorbereitungschors als glückliche Lösung, konnte doch fortan der Chor seinen eigenen Nachwuchs gezielt schulen und fördern.

Die damit einhergehende qualitative Verbesserung, die nicht zuletzt der intensiven Stimmbildung durch Astrid Sawilla von der Kirchheimer Musikschule zu verdanken ist, fand auch ihren institutionellen Niederschlag: seit 2003 ist „anima musica“ Mitglied im Verband Deutscher Konzertchöre. So entstanden neue Kontakte zu renommierten Ensembles, etwa dem Cantemus-Chor Ehningen.

Als einen wichtigen Aspekt des Chorlebens nennt Christian Vogt die Konzertreisen, die „anima musica“ zweimal, in den Jahren 2000 und 2005 nach Leipzig, Dresden und Meißen führten. Den errungenen dritten Preis beim Prager Petr-Eben-Wettbewerb wurde schlichtweg als „Sensation“ empfunden. Der anschließende Motivationsschub war Anstoß zur Produktion der ersten CD „Sing Songs of Joy“. Eine „enorme Leistung“ sieht Christian Vogt zudem im 2005 erfolgten Tagessieg des Heilbronner Regionalwettbewerbs, dem sich eine zweite Platzierung beim Landeswettbewerb anschloss.

Steigende Aktivität und zunehmend professionelle Ambitionen führten zwangsläufig zu höheren Kosten. Das Einbinden von Solisten, die Zusammenarbeit mit Begleitern, gar mit Orchestern sowie die Bewerbung der Konzerte stellten neue organisatorische Anforderungen. In diesem Zusammenhang verweist Christian Vogt auf die tatkräftige Unterstützung, die er durch Petra Feller erfahren konnte. Als „guten Erfolg“ wertet er die Spendenaktion „500 mal 5“, die dem Chor inzwischen ein regelmäßiges Jahreseinkommen sichert. Auch der Spendenerlös der Konzertreihe „Kultur in der Kelter“, zu der regionale Chöre ins Foyer des Neidlinger Rathauses eingeladen werden, kommt der Jugendarbeit zugute.

Die Teckboten-Weihnachtsaktion stellt in Christian Vogts Rückblick ein „absolutes Highlight“ dar. Diese „fruchtbare und erfreuliche Zusammenarbeit“ mit der Presse habe es überhaupt möglich gemacht, das Risiko zu wagen, mit einem Orchester zusammenzuarbeiten.

Dem Musikleben in und um Kirchheim wird Christian Vogt auch in Zukunft erhalten bleiben. „Als Chorleiter hat man auch einen Bildungsauftrag“, stellt er fest und verweist darauf, dass die Erarbeitung anspruchsvoller Chorliteratur zur Persönlichkeitsbildung beitrage, und gerade jungen Sängerinnen oftmals bei der schulischen und beruflichen Orientierung hilfreich gewesen sei.

Für Anfang kommenden Jahres plant er die Gründung des Jesinger Mädchenchores „Cantus Juventes“. Mit jungen Sängerinnen im Alter von 14 bis 24 Jahren möchte Christian Vogt „klassisches“ Repertoire erarbeiten – von Alter Musik bis zur Gegenwart. Die „Pop-Schiene“ soll explizit nicht befahren werden.

Repräsentativ für dieses Vorhaben wird das Konzert unter der Gesamtleitung von Christian Vogt mit „anima musica“ sein, das am Sonntag, 30. November, um 17 Uhr in der Martinskirche zugunsten der Teckboten-Weihnachtsaktion stattfinden wird. Auf dem Programm stehen Werke von Schubert, Brahms, Rossini, Nystedt, Strohbach und Porterfield. Den Höhepunkt bildet die deutsche Erstaufführung der „Hymne à la Sainte Vierge“ von Gabriel Pierné.

Ein wichtiger Termin steht auch am morgigen Mittwoch, 26. November, im Kalender von „anima musica“. Um 19 Uhr wird in der Kelter in Neidlingen die neue CD „anima musica in concert“ vorgestellt, die rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest Höhepunkte geistlicher und kirchlicher Chormusik präsentiert und sich damit zugleich als ideales Weihnachtsgeschenk anbietet.

Anzeige