Lokale Kultur

Von hässlichen Enten in England und Inselaffen in Mannheim

LENNINGEN Eine mörderische Schwester war auf der Alb zu Gast: Bettina von Cossel. Zwar wohnt die Krimiautorin seit rund 16 Jahren in

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IRIS HÄFNER

London und somit im klassischen Land der Crime-Ladys , doch ihre Mannheimer Vergangenheit ist auf überaus sympathische Weise immer noch lebendig. Eine Kostprobe davon bekamen die Gäste des Landfrauenvereins beim "Schopflocher Krimiabend".

Wenn das mal keine spannende Kombination ist. Eine Krimiautorin aus der Weltmetropole London zu Gast im winterlich-beschaulichen Schopfloch. Zunächst wollte aber so gar keine schaurige Atmosphäre aufkommen. Dank der liebevollen Kerzen-Dekoration und dem Sekt-Empfang herrschte erst einmal eine heimeligen Atmosphäre. Doch das änderte sich rasch, als Bettina von Cossel allen einen mordsmäßig schönen Abend wünschte und aus ihrem Erstlingswerk "Die hässliche Ente" vorlas und innerhalb kürzester Zeit zwei Leichen präsentierte wobei hier zunächst eine vorsätzliche Zeitungs-Ente am Werk war. Als nämlich die liebe Verwandtschaft zu Sir Rupert Alvens Beerdigung erscheint, stellt sich heraus, dass der Verstorbene noch quicklebendig ist. Das ändert sich allerdings noch am selben Nachmittag. Wenige Stunden später wird eine weitere Leiche gefunden. Superintendent Darling und Sergeant Brennan machen sich daran, die Morde in dem beschaulichen, englischen Dorf aufzuklären. Doch wo ist der Zusammenhang? Der reichste Mann im ganzen Umkreis und eine Putzfrau, die nicht einmal in seinen Diensten steht wie passt das?

Die Auflösung erfuhren auch die Gäste des Krimiabends nicht, dafür einige Details aus dem Leben der Autorin. In Ludwigshafen geboren, studierte sie später BWL und arbeitete als Journalistin. Seit 1991 lebt sie mit ihrer Familie in London, zu der neben ihrem Ehemann zwischenzeitlich vier Kinder und Hund Bond gehören. Die Liebe zum Mörderhandwerk wurde ihr praktisch in die Wiege gelegt, denn ihre Mutter hat immer nur Krimis gelesen und jeden Krimi in erwartungsvoller Vorfreude schon im Fernsehprogramm angekreuzt. "Außerdem passieren mir selber regelmäßig kriminelle Sachen", erzählte sie. Während eines Urlaubs mit ihrer Cousine im jugendlichen Alter lag eines Morgens unter ihrem Hotelfenster eine Leiche. "Das war echt spannend, die Polizisten bei der Arbeit zu beobachten", erinnert sie sich. Als ihre Mutter ihr vom Flohmarkt einen Biedermeier-Stuhl schenkte, fand der Polsterer beim Erneuern des Sitzbezugs ein blutiges Messer. Dem nicht genug. Kaum war Bettina von Cossel in einer Straße eingezogen, wurde eine Nachbarin umgebracht.

Die Liebe zu den Krimis ist nicht zwangsweise vererbbar. Keines ihrer vier Kinder interessiert sich besonders für dieses Genre, nicht einmal ihre "hässliche Ente" haben alle gelesen. An Gleichgesinnten mangelt es der Autorin aber beileibe nicht. Sie ist Mitglied bei den Mörderischen Schwestern, der Vereinigung deutschsprachiger Krimi-Autorinnen. Die Fantasien dieser Frauen haben es in sich. "Warum gibt's eigentlich keinen Kurzkrimiband über die Quadratestadt Mannheim?", fragten sich die Frauen der Regionalgruppe der Mörderischen Schwestern bei einem Stammtisch und brachten pünktlich zur 400-Jahr-Feier der Stadt die Sammlung "Mannheimer Morde" heraus. Viele Autoren und Autorinnen aus der Region haben es mit ihren kriminell guten Geschichten gefüllt. Eine davon stammt von Bettina von Cossel, die weiterhin noch regen Kontakt zur alten Heimat pflegt.

Bezeichnenderweise heißt ihr Kurzkrimi "Der Inselaff". So bezeichnen die Mannheimer gerne mal wenig schmeichelhaft die Engländer. In ihrem Werk geht es um Jack the Ripper, jenen berüchtigten Frauenmörder, der 1888 in London sein Unwesen trieb und seine Opfer verstümmelt am Tatort zurückließ. "Wir wollten aus jedem Jahrhundert wenigstens eine Geschichte in dem Band haben", erzählt die Autorin. Da aus den vergangenen Jahrhunderten keine Krimis mit Lokalkolorit existieren, griff Bettina von Cossel kurzerhand nach intensiven Recherchen selbst zur Feder. Und so weiß jetzt jeder: Jener Jack the Ripper fand sein unrühmliches Ende in einem Mannheimer Gasthaus. Die Zuhörer in Schopfloch kamen auch noch in einen besonderen Genuss. Da Wachmann Müller ein waschechter Mannemer ist, spricht er selbstverständlich Dialekt allaa, und den beherrscht die Londonerin weiterhin noch perfekt.

Zu einem echten Krimiabend gehört auch ein kleines Mörderspiel. So waren die Gäste aufgefordert, ihre kleinen, grauen Zellen zu aktivieren und auf fiktive Mördersuche in einer schmuddeligen Bar im finstersten East End in London zu gehen. Ob richtig, ob falsch, alle möglichen Lösungen landeten in einer Mütze. Das Losglück entschied, wer das Geschenk der Autorin erhielt eine im wahrsten Sinn des Wortes hässliche (Keramik-)Ente.