Lokale Kultur

Von hehrer Klassik bis hin zu niederschwelligstem Klamauk

DETTINGEN Dass sie sich nicht in einer Ecke verkriechen müssen, sondern selbstbewusst darauf hinweisen können, dass es sie gibt, machen die rund 120 Mitglieder des Anfang 1998 gegründeten und seit 31. März im Vereinsregister eingetragenen Dettinger Vereins "kultur ecce"

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schon in der Namensgebung deutlich. Auch wenn sie mit ihrem lateinischen "Siehe da" für viele möglicherweise etwas zu elitär firmierend daherkommen, sind die aktiven Vereinsmitglieder weit davon entfernt, akademische Schranken aufbauen zu wollen. Das Gegenteil ist der Fall und das ist gut so.

Eine der wichtigsten Veranstaltungen ist schließlich die in diesem Jahr freilich total ins Wasser gefallene "Klassische Nacht" auf dem Rathausvorplatz. Seit dem Jahr 2001 angeboten, hat sich diese Veranstaltung längst zum höchst populären Sommerauftakt bei freiem Eintritt entwickelt. Kann mit teuren Konzerten und klassischer Musik tatsächlich eher nur eine zahlungskräftige Elite angesprochen werden, dreht "kultur ecce" den Spieß einfach um und tritt immer wieder erfolgreich den Beweis an, dass auch gut sein kann, was nichts kostet.

Hochkarätige Künstler geben sich Jahr für Jahr auf dem Rathausvorplatz ein Stelldichein und bringen damit Kultur zum Nulltarif unter die Menschen. Mit Kultur beschenkt wurden im Dezember vergangenen Jahres auch alle in Dettingen ehrenamtlich Tätigen. Statt sich komplizierte Rabatt-Regelungen mit einzulösenden Gutscheinen einfallen zu lassen, wurde ihnen mit einem gelungenen Ehrenamts-Abend in der Schlossberghalle für ihr vorbildliches Engagement zum Wohl der Gemeinde großzügig gedankt.

Der "Zaubersassa" und atemberaubende "Abreimer" Helge Thun war am Internationalen Tag des Ehrenamtes in der Schlossberghalle zu Gast und konnte ein nicht nur aus begeisterten Kabarettgängern bestehendes disperses Publikum nicht nur im Sturm erobern, sondern allen Besuchern auch einen unvergessenen Abend schenken. Gemeinsam mit Udo Zepezauer kehrte er dann schon im Mai dieses Jahres an den Ort seines großen Erfolges zurück, um mit gnadenlosem Klamauk für Tränen in manchen Augen zu sorgen.

Erstaunt die Augen reiben können sich sicherlich diejenigen, die sich frühzeitig Karten gesichert haben für das am 19. Oktober stattfindende nächste Gastspiel von Helge Thun in

O:7060503.JP_Dettingen. Im intimen Ambiente des Silchersaales der Schlossberghalle wird der gefeierte Kabarettist seine Magie als Magier unter Beweis stellen und mit einem trickreichen "Zaubarett" sicherlich die Zahl seiner Fans in Dettingen noch weiter vergrößern. Die von "kultur ecce" mit sicherem Instinkt immer wieder angebotenen Kabarettabende in der Schlossberghalle haben nicht ohne Grund einen ausgezeichneten Ruf. Nicht nur die Besucher, auch die Künstler kommen offensichtlich gerne nach Dettingen, wo sie ein ungemein dankbares und sehr begeisterungsfähiges Publikum finden.

Für populäre musikalisch-kabarettistische Höhepunkte im keinesfalls elitären ehrenamtlichen Vereinsangebot sorgten schon "Fun-Tastix", "Tango Five" die bekanntlich zu viert spielen "wie Waldi", "Fräulein Wommy Wonder", die Gruppen "Streusalz" und "Tri Elles Vocales", Christoph Sonntag, Uli Keuler oder auch Klaus Birk, der die Verantwortlichen im Februar vergangenen Jahres auf eine harte Probe gestellt hatte.

Da Klaus Birk eine Minute vor Beginn noch immer vermisst wurde, wähnten ihn viele schon als Opfer des sich zunehmend verstärkenden abendlichen Schneefalls oder mutmaßten, dass der Autor der "Komedescheuer Mäulesmühle" und von vielen Fernsehauftritten bekannte "Zwischenrufer" vielleicht versehentlich in ein anderes Dettingen gefahren sein könnte. Nach solcherlei Panikattacken wurden die praktisch schon wenige Sekunden später abgebrannten pointierten Publikumsbeschimpfungen und der selbstironische Spott über die "schönen" Schwaben gerne ertragen.

Kabarett ist aber nur ein Bruchteil des Programms, das der Verein "kultur ecce" sich und seinen Gästen bietet. Ausstellungen im Rathaus präsentierten schon Textilkunst der Kuna-Indianer aus Panama "Molakana" von Gertraude Lindner, Aquarelle von Ulrike C. Franz, "Design und Objekte" von Berkant Türemis, die den gesamten Rathaus- und den Kirchenvorplatz nutzende Ausstellung mit Eisen- und Stahlskulpturen von Werner Stepanek und "Licht und Schatten" zeigte Textil, Keramik, Papier, von Gertraude Lindner, Barbara Lutz und Irene Löffel.

Eine Matinee, der Besuch eines Gospelchors oder auch ein Klavierabend mit dem "Vancouver Piano Ensemble" gehörten genauso zu den musikalischen Leckerbissen wie eine "Orientalische Nacht" mit der Märchenerzählerin Ilka Wimmer, der Tänzerin "Amira" und Georg Lawall mit Sitar und Gitarre. Besuche von in der Umgebung lebenden Künstlern wurden von den "starken Helfern" genauso ehrenamtlich organisiert wie Fahrten zu verschiedenen Ausstellungen. Unterstützt wurde von den Mitgliedern von "kultur ecce" auch die in den Räumen des Evangelischen Gemeindehauses initiierte Chagall-Woche des Dettinger Buchcafés.

Sehr wichtig ist den Kulturanbietern auch die Jugendarbeit und so wurde eine Kinder- und Jugendtheatergruppe gebildet, die mit ihren jährlichen Aufführungen zum konstanten Faktor im Programmangebot geworden ist. Das Kinderferienprogramm wird dabei ebenfalls mit kulturellen Angeboten erweitert, wie beispielsweise Theaterfahrten nach Jagsthausen oder zum Naturtheater Stetten.

Die vielen aktiven ehrenamtlichen Mitglieder von "kultur ecce" sind bestrebt, das vielfältige Programm allen Altersgruppen näherzubringen und damit Interesse an kultureller Arbeit zu wecken. Neben der Ersten Vorsitzenden, Petra Pommer, und der Zweiten Vorsitzenden, Monika Hildebrand, gehören der Vorstandschaft noch Kassiererin Birgit Kammerer, Schriftführerin Dagmar Thaer und Dettingens Bürgermeister Haußmann oder eine von ihm bestimmte Vertretung der Gemeinde an. Zum Ausschuss gehören neben den Vorstandsmitgliedern auch noch Monika Klaß, Ingrid Mekle, Gudrun Offterdinger, Dietmar Vogt und die für die Pressearbeit zuständige Hannelore Sokolowski an.

Durch das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder von "kultur ecce" soll das Gemeinwesen bereichert und dazu beigetragen werden, dass Menschen verschiedener Kulturkreise und mit unterschiedlichen Interessen zusammengeführt werden können. Ganz wichtig ist den starken Helfern von "kultur ecce" daher auch die enge und verbindende Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Institutionen.