Lokale Kultur

Von "Hochzeit des Figaro" bis zu "Tribute für Count Basie"

NÜRTINGEN Schon das erste Stück, die Ouvertüre zur Mozart-Oper "Die Hochzeit des Figaro", ließ keine Zweifel daran aufkommen, dass hier absolute Profis musizieren. Im ausverkauften großen Saal der Nürtinger Stadthalle "K3N" gestalte-

Anzeige

GÜNTER SCHMITT

ten die 35 Musikerinnen und Musiker des Polizeimusikkorps Baden-Württemberg ein Benefizkonzert von stolzem Unterhaltungswert. Nach zwei Stunden hatte das Musikkorps auch die letzten Zweifler gewonnen. Standing Ovations sorgten für Zugaben gleich in Serie.

Das Benefizkonzert, zu dem die beiden Rotary-Clubs von Nürtingen und von Kirchheim gemeinsam eingeladen hatten, wurde den Erwartungen voll gerecht. Das Musikkorps Baden-Württemberg spielte ohne Gage, und Rotary gab den Erlös an drei Einrichtungen weiter: an den Arbeitskreis Leben in Nürtingen, an das Kommunikationszentrum für interkulturelle Zusammenarbeit (KIZ) in Kirchheim und an die Konrad-Widerholt-Schule.

Das mit Holzbläsern besonders stark besetzte Ensemble bot unter der Leitung von Toni Scholl nicht nur einen unverwechselbaren runden Klang, das Programm hätte auch abwechslungsreicher und kurzweiliger nicht sein können.

Schon die Mozart-Ouvertüre demonstrierte ein reibungsloses Zusammenspiel. Die ausgewählten Instrumentalisten des Polizeiorchesters musizierten elegant, souverän und mit rhythmischer Verve. Es war nicht zu überhören: das Ensemble kann auf eine reiche Erfahrung in den verschiedensten Genres zurückblicken. Überaus beweglich und prompt reagierte es auf die leisesten Andeutungen des Dirigenten.

Toni Scholl am Pult liebt flotte Tempi. Er weiß die Synkopen des Jazz ebenso auszuformulieren wie die rhythmische Schärfe etwa eines traditionellen Marsches von Julius Fucik. Nicht umsonst wird die Gruppierung zu den renommiertesten Orchestern im Land gezählt, wie Roland Bosch, der Präsident des Rotary-Clubs Nürtingen-Kirchheim, eingangs feststellte.

In der Gestaltung des Konzertprogramms griff das Orchester keineswegs nur auf bewährte Paradestücke zurück. Die Four Sketches zum Beispiel, die der Niederländer Paul Dzon 2004 geschrieben hat, dürften die wengisten Besucher gekannt haben.

Es ist vom Jazz inspirierte, geschliffene, wirkungskräftige, in ihrer Eleganz fast zu glatte Musik. Walzerseligkeiten kommen in den kurz gehaltenen vier Sätzen ebenso zu ihrem Recht wie die schrägen Klänge eines verfremdeten Blues. Vor allem aber gab die Komposition Andreas Ziegenhorns Gelegenheit, am Sopransaxofon eine über Strecken verblüffende Virtuosität auszuspielen. Wie er von den basal tiefen Lagen bis in den Obertonbereich die Grenzen seiner instrumentaltechnischen Fertigkeiten demonstrierte, riss das Publikum auf offener Szene zu Beifall hin.

Die Bemerkungen über Sinn und Zweck der Benefiz-Veranstaltung wurden erfreulich kurz gehalten. Roland Bosch, Präsident des Rotary-Clubs Nürtingen-Kirchheim, hatte eingangs begrüßt, sich über den guten Besuch gefreut und eine Reihe von Gästen ganz besonders herzlich willkommen geheißen, so beispielsweise die Landtagsabgeordneten Jörg Döpper und Dr. Nils Schmid, Polizeidirektor Klaus Schmerling aus Esslingen sowie den Nürtinger Revierleiter Hauptkommissar Hans-Werner Krejci.

Josef Herl und Michael Schwenk erfuhren ein besonderes Lob, denn ohne sie wäre diese Veranstaltung nicht zu Stande gekommen. Unter den Gästen war auch Wolfgang Scheidtweiler, Gouverneur des Distrikts 1830 mit 45 Clubs und 2570 Mitgliedern.

Dr. Dietmar Stückle, Präsident des Rotary-Clubs Kirchheim-Nürtingen umriss anschließend kurz die Ursprünge, Aufgaben und Ziele von Rotary. Es ist der Dienst an anderen Menschen. Zum Beispiel kämpft die Organisation weltweit gegen Kinderlähmung, sorgt in Entwicklungsländern für Impfungen gegen Polio und ermöglicht Stipendien für besonders begabte Studenten.

Andrew Lloyd Webber ist einer der wenigen zeitgenössischen Komponisten, die eine Melodie mit Ohrwurmqualitäten schreiben können. Auszüge aus seinem Musical "Das Phantom der Oper", das in anderem Gewand die Geschichte des buckligen "Glöckners von Notre Dame" erzählt, gab dem Orchester Gelegenheit, ein kolossales Tongemälde in den Raum zu stellen. Andrew Loyd Webber kennt dabei nicht nur die Geheimnisse eines effektvollen Orchestersatzes, er hat in dem Musical auch melodisch einiges zu sagen.

Nach der Musik von Leonard Bernstein, einem Marsch des Norwegers Johannes Hanssen und einem von dem Japaner Toshio Mashima geschrieben Ausflug in die bunte brasilianische Musikwelt, klang das Programm der Benefizkonzerts des baden-württembergischen Musikkorps aus mit einem "Tribute to Count Basie", einer so wirkungsvollen Melodiensammlung, dass die "Bravos" nur so durch den Saal der Nürtinger Stadthalle "K3N" segelten und grelle Beifallspfiffe der Zustimmung des Publikums Ausdruck gaben.

Es gab Blumen, Dankesworte und Küsschen für die Damen unter den Instrumentalisten. Für den demonstrativen, lang anhaltenden Beifall bedankte sich das gut gelaunte Polizeimusikkorps Baden-Württenberg noch mit drei Zugaben, einem Mozart, einem Beethoven und schließlich einem schmissigen Marsch von Julius Fucik.