Lokale Kultur

Von Lummerland nach China bei Regen und Wind

KIRCHHEIM "Darf ich bitte ihre Fahrkarte sehen? Sie befinden sich im Intercity von Kirchheim nach Lummerland!" Während die Schaffnerin empört feststellt, dass ihr statt einer Fahr- eine Eintrittskarte gezeigt

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ANGELA WANKMÜLLER

wird, entdeckt sie auf dem Bahnsteig einen rätselhaften großen Koffer. Er enthält lediglich ein Buch. Wenn man es öffnet, ertönt eine fröhliche, vertraute Melodie: "Eine Insel mit zwei Bergen in dem tiefen weiten Meer . . ." es gibt wohl kaum jemanden, der die Insel Lummerland und ihre beiden berühmten Bewohner Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer, nicht kennt und liebt.

So ist es kaum verwunderlich, dass nicht nur die Augen der Kinder, sondern auch die vieler Erwachsener zu strahlen begannen, als die beiden am vergangenen Sonntag von dem Ensemble "Theaterleut" aus Walddorfhäslach, das mit dem Kindermusical "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" am Herrenhäusle bei den Bürgerseen gastierte, zum Leben erweckt wurden. Sehr einfühlsam war das berühmte Werk Michael Endes von Christian Berg (Text) und Konstantin Wecker (Musik) 1999 zu einem Musical umgearbeitet und nun von den "Theaterleuten" wunderschön in Szene gesetzt worden.

Da die Insel Lummerland zu klein geworden ist, verlassen Lukas und Jim mit ihrer Lokomotive Emma ihre Heimat und landen schließlich in China. Der Kaiser von China ist schrecklich traurig, weil seine Tochter Li Si von der Seeräuberbande "Wilde 13" entführt und zu dem bösen Drachen Frau Mahlzahn in die Drachenstadt verschleppt worden ist. Jim und Lukas beschließen, die Prinzessin zu befreien. Auf dem Weg in die Drachenstadt kommen sie durch das "Tal der Dämmerung" und die "Region der schwarzen Felsen". Sie lernen den Scheinriesen Herrn Tur Tur sowie den Halbdrachen Nepomuk kennen und meistern gemeinsam viele Schwierigkeiten.

Sämtliche Figuren wurden hinreißend und absolut treffend dargestellt. Besondere Begeisterung lösten die Auftritte der Lokomotive Emma aus, die dampfend und hupend über die Bühne zuckelte. Nicht nur die Kostüme, sondern die gesamten Requisiten und das Bühnenbild waren einfallsreich und mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden. Mit blauen Servietten das Meer darstellend oder mit lauten "hui, huiiii"-Rufen den Wind nachahmend machten die Kinder von der Gelegenheit, sich aktiv in das Stück einbringen zu dürfen, regen Gebrauch.

Einzig und allein das Wetter wollte nicht so recht mitspielen. Pünktlich zu Beginn der Aufführung begann es zu tröpfeln. Und obwohl sich die Sonne zunächst noch ab und zu zeigte, wurde gleichzeitig das Donnergrollen in der Ferne immer lauter. Das Publikum war jedoch mit Schirmen und Regenjacken bestens ausgerüstet und trotzte hartnäckig den zahlreichen Schauern. Auch die Schauspieler, deren Worte immer öfter von Donner, Wind und Regen übertönt wurden, spielten tapfer und nahezu unbeirrt gegen das aufziehende Unwetter an. Auf die Frage nach der Pause "Sollen wir weiter spielen?" ernteten sie von ihren Zuschauern ein kräftiges "Jaaa!" Trotzdem schafften es Jim und Lukas nicht mehr, Prinzessin Li Si zu retten kurz bevor sie die Drachenstadt erreichten, mussten sie auf Grund des völligen Durchnässtseins von Akteuren, Requisiten und Publikum schließlich aufgeben.

Aber erst nach der Ankündigung der "Theaterleut", dass alle, die zur nächsten Aufführung am Sonntag, 17. Juli, um 16 Uhr ihre Eintrittskarten nochmals mitbringen, freien Eintritt erhalten werden, erhoben sich auch die letzten Zuschauer von ihren Bänken und machten sich nass und fröstelnd auf den Heimweg. Bleibt sowohl den Akteuren, als auch den kleinen und großen Zuschauern zu wünschen, dass sich Petrus am kommenden Sonntag von seiner besseren Seite zeigt.