Lokale Kultur

Von "Tochter Zion" bis "In heil'ger Nacht" und "Oh du Fröhliche"

KIRCHHEIM Am vergangenen dritten Adventswochenende veranstaltete die Kirchheimer Stadtkapelle Kirchheim ihr traditionelles Weihnachtskonzert in der Kirchheimer Stadthalle. Als erstes Orchester nahm die Jugendkapelle vor gut gefüllten Rängen auf der Bühne Platz. Den

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CHRISTIAN MELZER

rund 50 Jugendlichen war wieder einmal die Ehre zuteil, das Konzert wie in jedem Jahr zu eröffnen. Unter der Leitung von Stadtmusikdirektor Harry D. Bath zauberten sie bereits mit dem ersten Stück eine weihnachtliche Stimmung in den Saal.

Georg Friedrich Händels "Tochter Zion", dessen Melodie seinem Ursprung nach auf einen Siegeschor aus dem Oratorium Josua zurückgeht und ein Lobgesang auf den gleichnamigen israelitischen Kriegshelden des Alten Testaments darstellt, wurde von den einzelnen Registern gekonnt dargeboten und interpretiert.

Sammy Nestico ist dafür bekannt, Weihnachtslieder in einer beswingten Art und Weise zu arrangieren. So spielte die Jugendkapelle bereits in den vergangenen Jahren sein Werk "Silent Night". In diesem Jahr suchte Harry D. Bath das Stück "Good Swing Wenceslas" aus und zeigte damit, dass Swing und Big-Band-Sound durchaus in Verbindung mit Weihnachten zu bringen ist. Hervorragend gelang es den Jungen und Mädchen, die anspruchsvollen Passagen zu meistern und das Publikum mit in ihren Bann zu ziehen.

"The Rocky Road to Dublin" ist eine alte irische Volksweise und erzählt von der bewegten Reise eines Mannes, der von Irland aus aufbrach, um nach England zu gehen. Dieses Lied wurde von Iddas Torskangerpoll für Blasorchester arrangiert. Immer wieder erschien dabei auch die raue Natur und die bizarre Schönheit der Grünen Insel vor dem inneren Auge der Zuhörer. Sanfte Passagen wurden von den einzelnen Instrumentengruppen wunderbar gespielt, aber auch die flotte Art und Weise des Stückes wurde von den Jugendlichen hervorragend interpretiert.

Wer kennt sie nicht, die Hits der fünf Sunny-Boys aus Californien. Mit einem mehrstimmigen Gesang, der hauptsächlich vom Meer, Surfen, Wellen und schönen Mädchen erzählt, hatten sich die Beach Boys in den Sechzigerjahren ganz nach vorne in die Charts gespielt. Grund genug für Kurt Gäble, die bekanntesten Hits in einem Medley für Blasorchester zusammenzuführen. Ob fröhlich swingend bei "Barbara Ann", melancholisch nachdenklich beim Gedanken an die Heimat in "Sloop John B." oder dann doch ganz im Element auf dem Surfbrett bei "Surfin' USA", der Dirigent führte seine Musiker sicher durch die unterschiedlichsten musikalischen Gegebenheiten und das Publikum wurde von der flotten Art und Weise der Jugendlichen regelrecht mitgezogen. Die Leistung der Jugendlichen war so überzeugend, dass sie nur nach einer Zugabe von der Bühne durften.

Die Umbaupause nutzten die Offiziellen der Stadtkapelle für eine kurze Ansprache und die Präsentation des Kalenders "Musik bewegt Menschen". Die Kirchheimer Stadtkapelle unterhält nun schon seit mehreren Jahren eine Partnerschaft mit der Diakonie Stetten. Bilder aus der Kreativen Werkstatt der Diakonie zieren die CDs und die Konzertplakate und -karten der Stadtkapelle. Vor ein paar Jahren entstand dann die Idee, aus diesen Bildern einen Kalender aufzulegen, der mittlerweile im vierten Jahr produziert wird.

Zahlreiche Firmen nehmen immer wieder größere Stückzahlen der Kalender ab und sorgen so dafür, dass der Erlös des Kalenders möglichst hoch ausfällt. Denn dieser Reinerlös kommt auch zu einem gewissen Anteil der Arbeit der Diakonie Stetten zugute. So war es für den Vorstandsvorsitzenden der Stadtkapelle, Andreas Haussmann, eine besondere Freude, der Diakonie an diesem Abend einen Scheck über 700 Euro aushändigen zu können.

Der Vorsitzende der Diakonie Stetten, Dr. Ulrich Raichle, nahm den Scheck erfreut entgegen und bedankte sich bei den vielen teilnehmenden Firmen, aber auch bei der Stadtkapelle, die erneut dieses Projekt initiiert hatte. Er freute sich, dass auch im kommenden Jahr wieder ein wirklich sehenswerter Kalender sein Büro und das vieler Menschen schmücken wird.

Das Vorstufenorchester, das in dieser Zusammensetzung erst wenige Wochen zusammenspielt, wollte an diesem Abend unbedingt zeigen, was es in dieser kurzen Zeit alles erarbeiten konnte. Entsprechend motiviert präsentierten sich die Mädchen und Jungen dann auch auf der Bühne, aber auch das Lampenfieber war zu spüren. Als die letzten Töne des ersten Stückes "Amerikanischer Marsch" arrangiert von Michael Sweeney im Saal verklangen und anhaltender Applaus der Lohn für die Anstrengungen war, wich die Anspannung zusehends.

Dass Musik auch immer etwas mit Gefühlen und Lautmalerei zu tun hat, zeigten die Mädchen und Jungen dann mit dem Stück "Morgenstimmung" von Edvard Grieg. Einfühlsam und vorsichtig spielten die einzelnen Instrumente die stimmungsvollen Passagen. Der musikalische Leiter Harry D. Bath zeigte damit auch auf, in welch kurzer Zeit sich enorme musikalische Entwicklungen erzielen lassen. Mit "Do Wah Diddy, Diddy" von John Barry und einer vom Publikum geforderten Zugabe verließen die Kinder mit stolz geschwellter Brust die Bühne.

Nachdem die Zuhörer Gelegenheit hatten, den Kalender aus der Nähe zu betrachten, wurden sie von der Stadtkapelle mit "Cortege from "Mlada" nach der Pause wieder empfangen. Dieser Marsch von Nikolai Rimsky-Korsakov forderte gleich zu Beginn des zweiten Konzertteils das Können der Musikerinnen und Musiker. Die teils sehr puristischen Passagen, die offen und frei einhörbar waren, wurden jedoch von den einzelnen Registern gekonnt gemeistert, allem voran die zarten Darbietungen des Trompeten-Satzes.

Auch in diesem Jahr setzte Harry D. Bath die Tradition fort, am Weihnachtskonzert bekannte Ouvertüren auf das Programm zu setzen und hat sich in diesem Jahr für die Ouvertüre aus Gioacchino Rossinis Werk "Wilhelm Tell" entschieden. Die Melodien dieses Werkes waren den meisten geläufig und spätestens beim berühmten Galopp haben alle die Melodie innerlich mitgesummt. Die verschiedenen Melodien vom wilden Auftreten des Vogtes bis hin zum Sonnenaufgang über dem Rütli kurz vor dem Eid oder der rasante Galopp des Wilhelm Tell wurden von den Musikern hervorragend gemeistert. Technisch anspruchsvoll und musikalisch ausdrucksvoll wurde dieses Werk dem Publikum serviert.

Das Hauptwerk des Abends stellte sicherlich die "Dance Suite" von Joseph Horowitz dar. Dieses dreisätzige Werk, das mit vielen solistischen Passagen gespickt ist, stellte sowohl eine musikalische Herausforderung an die Akteure auf der Bühne wie auch einen ganz besonderen Hörgenuss für das Publikum dar. Die "Dance Suite" folgt einer Tradition, die Ende des 17. Jahrhunderts entstanden ist: die Gestaltung eines Musikstückes durch die Verwendung einer Reihe von Tänzen.

Der erste Satz ist eine Mischung aus Marsch- und Gavott-Elementen, die als Variationen des Hauptthemas auftreten. Im Kontrast dazu steht der zweite Satz ein freundlicher Tanz im Zweiertakt, etwas spanisch im Charakter, wie eine Pavane. Das Finale ist ein lebhaftes Rondo, eine Tarantella in regelmäßiger Abwechslung mit einem eher bäuerlichen Thema, aber auch eine kurze Parodie von lateinamerikanischen Tänzen bleibt nicht aus in dieser humorvollen Musik.

Nach diesem Werk ging die Stadtkapelle zum weihnachtlichen Teil des Programms über. Leroy Andersons "A Christmas Festival", das ein Medley verschiedener Weihnachtslieder ist, versetzte die Stadthallenbesucher in weihnachtlich Stimmung. Ein Weihnachtskonzert der Stadtkapelle Kirchheim wäre kein solches, würde am Ende nicht das Stück "In heil'ger Nacht" von Egidius stehen. Auch dieses Werk ist eine Zusammenstellung verschiedener Weihnachtslieder. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger orientiert es sich aber eher am deutschen Liedgut.

Nach der Aufführung des gesamten Werkes forderte das Publikum mit lang anhaltendem Applaus eine Zugabe. Diese war wie in jedem Jahr das "Oh du Fröhliche" aus dem Werk von Egidius. Dirigent Harry D. Bath forderte das Publikum zum Mitsingen auf und gerade auch solche Traditionen markieren den Beginn seiner ganz persönlichen Weihnachtszeit.