Lokale Kultur

"Von Wien bis New York"

KIRCHHEIM Mit einem reizvollen Programm aus der reichen Welt der Oper und der Operette warteten Sopranistin Adréana Kraschewski

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FLORIAN STEGMAIER

und Bariton Christoph Pohl in der Kirchheimer Stadthalle auf zwei junge Künstler, die bereits auf diverse Erfolge zurückblicken können und deren Karrieren mit der Verpflichtung an zwei renommierte Häuser unlängst einen neuen Schub bekommen haben: Kraschewski wurde am Internationalen Opernstudio in Zürich engagiert, und Pohl wird in Zukunft regelmäßig in der Dresdner Semperoper zu hören sein.

Mit Werken von Mozart stand die erste Konzerthälfte ganz im Zeichen der Wiener Klassischen Oper. Repräsentativ gewählte Ausschnitte aus der "Hochzeit des Figaro" und "Don Giovanni" boten beiden Künstlern Gelegenheit, ihr Publikum zu begeistern. Der Bogen an Affekten war dabei weit gespannt, sei es elegisch-lyrisch wie in der Arie der Gräfin Rosina ("Dove sono i bei momenti"), aufbrausend wie in der Arie des geifernden Grafen Almaviva ("Vedro mentr'lo sospiro") oder schmeichelnd, charmant und beschwingt wie im berühmten Duett "La ci darem la mano" zwischen Don Giovanni und Zerlina.

Stets beeindruckte bei beiden Sängern die technische und gestalterische Reife, ein großes stimmliches Modulationsvermögen sowie die durchgängig klare Textverständlichkeit. Nicht zuletzt hatte auch Tobias Krampen, als Pianist der dritte im Bunde, entscheidenden Anteil am Gelingen des Konzertabends. Krampen erwies sich nicht nur an den Tasten als sicherer und präsenter Begleiter, er führte auch das Publikum im Stil eines Conférenciers geschmackvoll und unterhaltend durch das Programm.

Und dieses war mit Mozart noch keineswegs am Ende. Mit der Bariton-Arie "Avant de quitter ces lieux" aus Gounods "Faust" begann die zweite Konzerthälfte gleich mit einem echten Highlight der romantischen französischen Oper, die in Deutschland nach wie vor in Sachen Popularität den Erfolgen im Heimatland nachsteht, vielleicht so vermutete Tobias Krampen mit leichtem Augenzwinkern weil es ein Franzose gewagt habe, sich am Goetheschen "opus summum" zu vergreifen und daraus gar noch eine Oper zu machen.

Ein elitäres Naserümpfen bezüglich der kleinen Schwester der Oper, der Operette also, ist unangebracht, insbesondere, wenn man die Werke von Franz Lehar "Vilja oh Vilja" und "Da geh ich zu Maxim", beides aus der "Lustigen Witwe" oder Karl Millöcker "Dunkelrote Rosen" aus dem "Gasparone" in einer solch überzeugenden künstlerischen Qualität erleben darf, wie sie für die Darbietungen von Adréana Kraschewski und Christoph Pohl bezeichnend war.

Stücke aus Gershwins "Porgy und Bess" sowie das zugegebene "Tonight" aus Leonard Bernsteins "West Side Story" rundeten das Programm ab und führten hier hatte der Konzerttitel nicht zu viel versprochen die begeisterten Hörer musikalisch von Wien nach New York.