Lokale Kultur

Vorbilder ehrenamtlichen Engagements für das Gemeinwesen

KIRCHHEIM Neben der Auszeichnung von Marc Heubach, der durch sein entschlossenes vorbildliches Handeln ein Menschenleben gerettet hatte, durfte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in jüngster Sitzung auch zwei Menschen ehren, die Vorbilder sind für ehrenamtliches Engagement für das

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WOLF-DIETER TRUPPAT

Gemeinwesen. Dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Walter Aeugle und CDU-Stadtrat Dietmar Hoyler, konnte sie herzlich danken für 20 Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit im Gemeinderat der Stadt.

Beide wurden bei der Kommunalwahl am 24. Oktober 1984 erstmals als Stadträte gewählt. Ihre Verpflichtung durch den damaligen Oberbürgermeister Werner Hauser erfolgte am 16. Januar 1985, weshalb die Ehrung in öffentlicher Sitzung nun auch "fast punktgenau" vollzogen werden konnte. Um die lange Zeit zu veranschaulichen, in der die beiden Ratsmitglieder sich engagiert haben, erinnerte die Oberbürgermeisterin daran, dass Walter Aeugle und Dietmar Hoyler schon ihre beiden Vorgänger im Amt sowie immerhin fünf Beigeordnete der Stadt "erlebt beziehungsweise erduldet haben".

Angelika Matt-Heidecker erinnerte daran, dass kurz vor Beginn der Amtszeit der beiden Stadträte in einem Bürgerentscheid das Signal für die bis dahin geplante Nord-West-Tangente "auf Rot gestellt wurde". Der Neubau der Technischen Ämter beziehungsweise der Stadtbücherei am neu gestalteten Krautmarkt nannte sie als ein ganz besonders stadtbildprägendes Projekt, mit dem sich beide Stadträte genauso befasst haben, wie mit dem kontrovers diskutierten und jetzt in Angriff genommenen Neubau der Schweinemarkt-Tiefgarage und deren Überbauung.

Beide waren auch an den Weichenstellungen für die Ausweisung des Gewerbegebietes "Kruichling" beteiligt, stellte Angelika Matt-Heidecker fest und rief einmal mehr die damalige "Idealvorstellung eines Gewerbes im Park" in Erinnerung. "Heute kämpfen wir um Ansiedlungen im Kruichling und haben vieles über Bord geworfen."

Als Mitglieder des Technischen Ausschusses hätten beide Stadträte sämtliche Bautätigkeiten der Stadt in den letzten zwei Jahrzehnten in jeder Phase der Meinungsbildung, Abwägung und der politischen Entscheidungsfindung begleitet.

Der vorsichtige Schätzwert, nach dem ein "normaler" Kirchheimer Stadtrat in 20 Jahren auf rund 2 500 bis 2 800 Sitzungsstunden kommt, müsse in beiden Fällen zweifellos nach oben korrigiert werden. Walter Aeugle, seit einem Jahr SPD-Fraktionsführer, engagiert sich schließlich auch im Kreistag und CDU-Stadtrat Dietmar Hoyler war von 1992 bis 2003 parallel auch Ortschaftsrat in Ötlingen.

Dem SPD-Fraktionschef attestierte die Oberbürgermeisterin, von Berufs wegen "eloquent und sprachgewandt, streng analytisch und gegenüber der Verwaltung immer kons-truktiv-kritisch" zu sein. Da er nicht nur gerne bereit sei, Angriffe zu starten, sondern auch schnell wieder ausgleichend wirken könne, habe er sich schnell fraktionsübergreifende Anerkennung verschafft.

Als "besonderes Steckenpferd" bezeichnete sie auch die Vertretung der Stadt im Gruppenklärwerk durch Walter Aeugle, der bis zur Auflösung des Zweckverbandes auch Mitglied in der Blau-Lauter-Gruppe war und neben den Interessen des Vereins für Naherholung auch seinen Berufsstand im Schul-, Kultur- und Sportausschuss vertrat. "Ihre erste Wortmeldung im Gemeinderat erfolgte als Anfrage zur Wohnraumsituation in unserer Stadt", rief Angelika Matt-Heidecker in Erinnerung, dass die Verwaltung darauf in Form einer zwölfseitigen Sitzungsvorlage mit Anlagen Stellung genommen habe.

Anfang der 90er-Jahre seien dann die Energieberichte der Verwaltung sowie die Rechtslage und die Konzeptfortschreibung der Energieversorgung im Fokus des Interesses von Walter Aeugle gestanden. Dass er sich nie gescheut habe, auch unbequeme und unpopuläre Auffassungen zu vertreten, bestätigte sie Walter Aeugle ebenfalls, der beispielsweise im Mai 1999 und damit ein halbes Jahr vor einer Kommunalwahl für Nabern und Jesingen einen gemeinsamen Ortsvorsteher gefordert habe.

"Realitätssinn und Augenmaß" bescheinigte Angelika Matt-Heidecker anschließend dem 1994, 1999 als auch 2004 als "Stimmenkönig" aus der Gemeinderatswahl hervorgegangenen CDU-Stadtrat Dietmar Hoyler, dessen Tankstelle ihm stets ideale Gesprächskontakte mit den Bürger ermöglicht habe. "Aus diesen Ergebnissen haben Sie aber auch das Selbstbewusstsein gewonnen und mitunter anders als Ihre Fraktionskollegen gestimmt, wenn es um stadtteilspezifische Punkte, wie zum Beispiel dem Ötlinger Halden-Kindergarten, ging. Andererseits waren Sie stets auf einen fairen und realistischen Ausgleich zwischen Ihren Ortschaftsinteressen und den Belangen der gesamten Stadt bedacht."

Dietmar Hoylers erste Wortmeldung bezog sich auf die Erstellung eines Bau- und Verbrauchermarktes an der Dettinger Straße und dieProblematik eines sorgfältig abgestimmten Verkehrskonzeptes. Aus dem Wissen heraus, dass die Lebendigkeit einer gewachsenen Einkaufsstadt mit Mittelbereichsfunktion die Konzentration des Handels in der Innenstadt erfordere, habe er immer vor dem Ausbluten der Innenstadt auf Grund von Verbrauchermärkten im Außenbereich gewarnt.

Dietmar Hoyler habe in seiner Doppelfunktion als Stadt- und Ortschaftsrat die Position Ötlingens nachhaltig gestärkt und fühle sich auch nach seinem Umzug nach wie vor mit Ötlingen und seinen Einwohnern verbunden, betonte Angelika Matt-Heidecker und dankte Dietmar Hoyler auch dafür, dass er die Farben der Stadt über Landesgrenzen und Sprachbarrieren hinweg in die Partnerstädte Kalocsa und Rambouillet getragen hat.

Mit Blumen, einer Anstecknadel des Städtetages sowie einer Geldgabe bedankte sich Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker anschließend bei beiden Stadträten für 20 Jahre gelebten Gemeinsinn, der nicht zuletzt auch dadurch zum Ausdruck komme, dass beide diesen Betrag zum einen an die Flutopfer weiterreichen, zum anderen der Kirchheimer Lebenshilfe zukommen lassen wollen.

Dass die Zahl durchlebter Sitzungsstunden als körperliche Leistung durchaus ehrungsverdächtig sei, räumte Walter Aeugle ein und zeigte sich uneingeschränkt zuversichtlich, dass die anstehendenProbleme mit der entsprechenden positiven Grundeinstellung zu bewältigen sind. Den Dank an die Geduld und das Verständnis seiner Frau verband er mit dem Hinweis, dass ein so intensiv wahrgenommenes Ehrenamt tatsächlich nicht allzu beziehungs- oder familienverträglich ist. Auch wenn er sich inzwischen zunehmend auf die Gelassenheit des Alters verlassen könne, sei ihm das Klima im Ratsrund immer sehr wichtig gewesen.

Dass die Demokratie von Meinungsvielfalt und auch strittigen Diskussionen lebt, lautet auch die Überzeugung von Dietmar Hoyler, der abschließend ebenfalls positiv hervorhob, dass der gegenseitige Respekt im Ratsrund glücklicherweise meist gewahrt werde.