Lokale Kultur

Vorhang auf für die Theaterspinnerei

FRICKENHAUSEN Noch liegt Staub auf dem erst kürzlich abgeschliffenen und geölten dunklen Holzboden, denn im Haus wird noch immer fleißig gewerkelt. Das Wichtigste aber ist geschafft: Der Theatersaal, das Herzstück des umgebauten Frickenhäuser Bahnhofs, ist nach

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VOLKER HAUSMANN

eineinhalb Jahren Bauzeit endlich fertig. Für das Ensemble der Theaterspinnerei ein Grund zum Feiern: Unter anderem am Sonntag, 24. April, kann sich jedermann bei einem Tag der offenen Tür ein Bild von der neuen Spielstätte machen.

Dunkles Holz, rustikales Fachwerk, der Bühnenvorhang natürlich rot, dazu passend rot gepolsterte Stühle, auf denen die Theaterbesucher in naher Zukunft Platz nehmen werden. Keine Frage, der erst dieser Tage fertig gestellte Theatersaal im alten Frickenhäuser Bahnhof strahlt vornehme Wärme aus.

Ganz anders das Äußere des ehemaligen Güterschuppens. In leuchtendem Orange gestrichen, lenkt er die Blicke der das Neuffener Tal Entlangfahrenden auf sich, macht neugierig und das soll er ja auch.

Bis sich der schwere Vorhang zum ersten Mal hebt, werden noch ein paar Wochen ins Land gehen. Erst für Juni beziehungsweise Juli haben Jens Nüßle, Marilena Pinetti und Stephan Hänlein die ersten Auftritte ins Auge gefasst. Gespielt wird zunächst das Stück "Hochmut und Fallobst eine Geschichte aus der Obstkiste", das schon einmal beim Frickenhäuser Wiesenspektakel im letzten Jahr zu sehen war.

Die überarbeitete Bühnenproduktion soll dann allerdings mit einigen Änderungen aufwarten. Die erste große neue Produktion wird voraussichtlich im Herbst zu sehen sein. Die Theaterspinnerei spielt nur selbst verfasste und produzierte Stücke und das dauert eben seine Zeit. Passend zum Schillerjahr soll es ein Stück sein, das sich um den großen deutschen Dichter dreht.

"Bis Mitte der Woche haben wir noch Hammer und Pinsel in der Hand gehalten", sagte Jens Nüßle bei der offiziellen Vorstellung der neuen Spielstätte. Jetzt soll zur Abwechslung die Kunst zu ihrem Recht kommen, der weitere Ausbau des alten Bahnhofs dort soll noch ein Gastronomiebereich entstehen, der den Theaterbetrieb ergänzt muss warten. Jens Nüßle: "Jetzt müssen wir erst mal Geld verdienen."

Einiges an Geld ist in den qualitativ hochwertigen Ausbau des unerwartet baufälligen Güterschuppens geflossen. Auf 250 000 Euro waren die Baukosten veranschlagt. "Das haben wir auch gebraucht," macht Jens Nüßle deutlich. Immerhin wurde das bejahrte Gebäude nicht nur komplett renoviert, sondern auch noch teilunterkellert und um drei Meter verlängert.

Alle drei Theaterspinnerei-Mitglieder haben den Ausbau bis auf das Dach und die Verlängerung überwiegend selbst bewerkstelligt; 3000 Arbeitsstunden kamen auf diese Weise für jeden zusammen. Unterstützung fanden sie unter anderem bei Sponsoren, die Material und Maschinen preisgünstig zur Verfügung stellten. Zuschüsse jedweder Art gab es für die Theaterspinnerei nicht. Die Schuldenlast schultert das Ensemble selbst.

In der Regel finden etwa 70 bis 80 Besucher im Bühnenraum Platz, je nachdem, ob es sich um eine Vorstellung handelt, die für die Theaterspinnerei typisch Theater und kulinarischen Genuss verknüpft, oder um eine, bei der lediglich gespielt wird. Der Raum kann, zumindest in der nächsten Zeit, für private Feierlichkeiten oder von Firmen gemietet werden. Wenn der Spielbetrieb wieder richtig angelaufen ist, soll der Raum einschließlich Programm vermietet werden.

Künstler von außerhalb sollen in der Regel nicht zum Zug kommen. Nüßle: "Wir haben das nicht gemacht, um eine Institution für Kleinkunst zu schaffen. Die Theterspinnerei will selber künstlerisch etwas darstellen." Ein Jugendtheaterprojekt sei aber angedacht. Außerdem will die Theaterspinnerei Theaternachmittage für Kinder und Jugendliche mit erschwinglichen Eintrittspreisen anbieten. "Damit sich das für uns rechnet, haben wir einen Förderverein gegründet", stellt Jens Nüßle fest. Der "Förderverein des Theaters im alten Bahnhof von Frickenhausen" wurde im Januar gegründet und hat zurzeit sieben Mitglieder. Neuzugänge sind erwünscht.

Am Freitag, 22. April, wird mit geladenen Gästen darunter Landrat Heinz Eininger und Bürgermeister Bernd Kuhn offiziell die Eröffnung gefeiert. Der Eröffnungsabend für jedermann am darauf folgenden Samstag ist bereits ausgebucht. Ein Zusatztermin wurde auf den 30. April gelegt: Beginn 19.30 Uhr, Eintritt nur gegen Vorkasse; Karten gibt es unter Telefon 0 70 22 / 2 43 56 00 oder karten@theaterspinnerei.de. Bei freiem Eintritt kann sich jeder bei der Hocketse am Tag der offenen Tür, am Sonntag, 24. April, von 12 bis 18 Uhr ein Bild vom Theatersaal machen.