Lokale Kultur

Vorweihnachtliche "Stunde der Kirchenmusik"

KIRCHHEIM Unter dem Motto "Machet die Tore weit" hatten Thomas Specker und die katholischen Kirchenchöre in die Kirche Maria Königin zu ihrer adventlichen "Stunde der Kirchenmusik" geladen. Dabei darf sich das Publikum schon seit

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GUNDHILD ARNOLD

Jahren auf ein kirchenmusikalisches Erlebnis auf hohem Niveau freuen. Das wussten zweifellos auch alle Besucher, die in hellen Scharen in die Kirche Maria Königin gekommen waren.

Seit den umfangreichen Renovierungsarbeiten der vergangenen Jahre hat die Kirche Maria Königin nicht nur optisch enorm gewonnen sie bietet nun auch akustisch wie räumlich geradezu ideale Konzertgegebenheiten. "Es kommt ein Schiff geladen" sangen Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchor der katholischen Kirchengemeinde zum Auftakt, und der volle, klare Klang eines riesigen Gesamtchores, der von dem mit leuchtenden Augen singenden Vorschulkind bis zum in Chorehren ergrauten Sänger ein ganzes Lebensspektrum umfasst, nahm vom ersten Akkord an für sich ein.

Seit Jahren leistet Thomas Specker vorbildliche chorerzieherische und stimmbildnerische Arbeit. Seine Aufführungen sind somit auch keine isolierten Höhepunkte, sondern folgerichtige Ergebnisse konsequenter Probenarbeit über die Jahre hinweg. Angesichts der großen Schar kleiner Sängerinnen und Sänger, die mit ebenso hör- und sichtbarer Begeisterung musizieren wie ihre erwachsenen Kollegen, braucht es einem um die Zukunft der Kirchenmusik in Sankt Ulrich und Maria Königin nicht bange zu sein.

Mit Georg Philipp Telemanns Adventskantate "Machet die Tore weit" als zweitem Programmteil hatte Thomas Specker eine reizvolle Rarität ausgegraben. Hier verband sich der mit klanglicher Präsenz und klaren dynamischen Abstufungen singende Chor mit einem auffallend homogenen Solistenquartett. Zu Stefanie Steinhübl mit angenehmem, bis in die Höhenlagen rundem Sopran, dem kernigen Tenor Frank Bosserts und Winfried Müllers kultiviertem Bassbariton gesellte sich in Schuberts C-Dur-Messe Melanie Bürck mit weichem, intonationssicherem Alt.

Ein Kammerorchester (Konzertmeisterin: Regina Otsuka, deren silbrige Solopassagen im Telemann-Eingangschor entzückten) fand unter Thomas Speckers souveränem, detailgenauem Dirigat die rechte Balance zwischen begleitender Diskretion und instrumentalem Selbstbewusstsein.

Schuberts Messe op. 48 bildete das Zentrum das Abends. Sie steht stilistisch noch ganz in der Wiener Tradition Haydns und Mozarts und gewinnt im Orchestersatz durch Pauken und Trompeten strahlenden C-Dur-Glanz. Auch hier sorgfältig erarbeitete Chorpassagen als ein Beispiel von vielen sei der anspruchsvolle, die Soprane bis in höchste Lagen fordernde Schluss des dreiteiligen Credo-Satzes genannt auch hier klangschöne und gut integrierte Soli.

Zwischen Telemann und Schubert erfreute der Kinder- und Jugendchor mit drei blitzsauber intonierten, mit vorbildlicher Textverständlichkeit gesungenen Sätzen. Hier zeigte sich einmal mehr Thomas Speckers Geschick in der Literaturauswahl: aus der Fülle dessen, was an zeitgenössischer "Kirchenmusik"auf dem Markt kursiert und bisweilen leider von eher dubiosem Niveau ist, versteht er mit sicherem Griff gute und für seine Jugendchöre geeignete Werke herauszusuchen.

Verdienter, herzlicher Beifall beendete ein beeindruckendes Konzert und dass die Kinder und Jugendlichen ihr schwungvolles "Von allen Seiten umgibst du mich" als Zugabe mit fast noch mehr Begeisterung als zuvor sangen, spricht für sich.