Lokale Wirtschaft

Wahlergebnis dämpft Stimmung

Die Entwicklung der Wirtschaft im Landkreis Esslingen ist im abgelaufenen Quartal von den sehr stark gestiegenen Kraftstoff- und Energiepreisen gekennzeichnet. Aber auch die Bundestagswahl am 18. September 2005 hatte einen spürbaren Einfluss auf die Zukunftserwartungen der Unternehmen.

KREIS ESSLINGEN Trotz allem zeigt die Wirtschaft im Landkreis Esslingen weiterhin einen leichten Aufwärtstrend. Beurteilten im Vorquartal noch 18,6 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, so sind es nun bereits 22,9 Prozent. Der IHK-Konjunkturindikator klettert von minus 2,3 Punkten auf 3,0 Punkte. Die Ertragslage wird zwar überwiegend nur als befriedigend bezeichnet, doch steigt die Zahl derjenigen, die sie als gut ansehen, von 7,8 Prozent im Vorquartal auf 10,9 Prozent in diesem Quartal.

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Die stark gestiegenen Kraftstoff- und Energiepreise prägen die Ertragslage der Unternehmen da sie nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden können.

Trotz starker Bedenken der befragten Unternehmen hinsichtlich Steuer- und Abgabenbelastung sowie politischer Rahmenbedingungen sehen die Unternehmen insgesamt den nächsten zwölf Monaten zuversichtlich entgegen. Der IHK-Konjunkturindikator zur erwarteten Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten steigt von 13,5 auf 15,3 Punkte.

Einen entscheidenden Einfluss auf das Antwortverhalten der befragten Betriebe hatte hier die Bundestagswahl am 18. September 2005. Mehr als die Hälfte aller Unternehmensantworten sind vor der Bundestagswahl eingegangen. Die Antworten dieser Unternehmen sind von Aufbruchstimmung gekennzeichnet. Die Antwortbögen, die erst nach der Bundestagswahl ausgefüllt wurden, weisen deutliche Anzeichen einer Verunsicherung auf. Unklare Mehrheitsverhältnisse und die daraus resultierenden Schwierigkeiten bei der Bildung einer reformorientierten Regierungskoalition tragen wesentlich dazu bei. Es bleibt abzuwarten, ob diese Verunsicherung auch im 4. Quartal 2005 bei der Unternehmerschaft im Landkreis anhält oder ob erfolgreiche Koalitionsverhandlungen zwischen den beiden großen Volksparteien die Erwartungen wieder steigen lassen.

Ein kurzer Blick in die einzelnen Branchen: Die Lage der befragten Industriebetriebe erholt sich weiterhin langsam. 21,2 Prozent der Unternehmen beurteilten ihre Geschäftslage mit gut (18,9 Prozent im Vorquartal). Die Ertragslage wird zwar von fast zwei Dritteln nur mit befriedigend angegeben (Vorquartal 54,9 Prozent), doch ist die Zahl derjenigen, die sie im Vorquartal noch als schlecht bezeichnet haben, deutlich zurückgegangen (23,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal mit 37,0 Prozent).

Die Betriebe haben derzeit am schlechten Auftragseingang vor allem aus dem Inland zu knabbern. So liegt der IHK-Konjunkturindikator beim Auftragseingang aus dem Inland bei -1,3 Punkten (Vorquartal: 3,0 Punkte).

Auch der Auftragseingang aus dem Ausland stagnierte im 3.Quartal. Etwa die Hälfte der befragten Industrieunternehmen verzeichnet einen gleich bleibenden Auftragseingang aus dem Ausland. Umso erstaunlicher ist es, dass der Großteil der Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten tendenziell trotzdem eine Belebung im Exportgeschäft erwartet.

Im verarbeitenden Gewerbe und im Maschinenbau zeigt der IHK-Konjunkturindikator zur Geschäftslage deutlich nach oben. Im Maschinenbau stieg er sogar um 12,5 Punkte (von -2,9 im Vorquartal auf 9,6 Punkte in diesem Quartal). Verantwortlich dafür sind gestiegene Umsätze, die Unternehmen berichten jedoch auch von einer verbesserten Ertragslage. Im Baugewerbe hat sich im vergangenen Quartal die Situation wieder verschlechtert. Der IHK-Konjunkturindikator ist um 21 Punkte auf -6,7 Punkte gefallen. Besonders die Rückgänge im Auftragseingang drücken die Stimmung in dieser Branche.

Der Handel scheint sich weiter langsam zu erholen, aber auf sehr niedrigem Niveau. Die Geschäftslage, der Umsatz gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal und die Ertragslage haben sich verbessert. Immerhin berichten 17,9 Prozent der befragten Handelsunternehmen von einer guten Geschäftslage. Das Kaufverhalten der Kunden hat sich im Vergleich zum Vorquartal kaum merklich verändert. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird das nun anstehende Weihnachtsge-schäft sein. Die Erwartungen sind hier allerdings nur verhalten optimistisch. Der IHK-Konjunkturindex zur erwarteten Geschäftentwicklung liegt bei 12,8 Punkten. Dies ist zwar deutlich höher als im Vorquartal dieses Jahres, im Vergleich zum 3. Quartal 2004 allerdings schlechter. Für die befragten Handelsunternehmen wäre ein gutes Weihnachtsgeschäft enorm wichtig.

Das Hotel- und Gaststättengewerbe im Landkreis Esslingen hat einen kleinen Einbruch erlitten. Nur noch 36,4 Prozent der Unternehmen bezeichnen die Geschäftslage als gut, im Vorquartal waren es gut zwei Drittel. Doch dieser Rückgang lässt die Unternehmen nicht weniger positiv in die Zukunft schauen. Einen entscheidenden Einfluss hat hier die im nächsten Jahr anstehende Fußball-WM. So erwarten immer noch 54,5 Prozent eine bessere Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten (Vorquartal: 50,0 Prozent).

pm