Lokale Kultur

Wanderer zwischen musikalischen Welten

KIRCHHEIM Mit seiner musikalischen Hommage an den Albtrauf ist Werner Dannemann endgültig zum Haus- und Hof-Musiker der Stadt Kirchheim avanciert. Am Freitagabend stellten Dannemann und sein Ensemble im evangelischen Alten

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BRIGITTE GERSTENBERGER

Gemeindehaus seine neueste Produktion vor. Dabei wurde er begleitet durch die mittelalterlichen Töne der Gruppe "Schnarrensack" aus Wendlingen.

Geradezu ins Schwärmen über die schwäbische Heimat geriet Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Fand doch die Teckstadt Kirchheim ebenso wie Owen eine besondere Würdigung auf und durch die neue CD.

Übersetzt ins Englische bedeutet Felsen schlicht und ergreifend Rock. Nicht nur das deutsch-englische Wortspiel inspirierte den Rock-Gitarristen Werner Dannemann zu seiner CD "Von Felsen und Sibyllen", sondern auch die von der Schwäbischen Alb und den vielen Felsen ausgehende Faszination auf den Musikus. Beim Anblick Eduard Mörikes "Blauer Mauer" geraten zuweilen nicht nur Künstlernaturen in Verzückung, sondern vor allem an schönen Wochenenden ganze Heerscharen von meist motorisierten Wandersleuten.

Wie bemerkte doch Herold Reinhard Müller, mittelalterlich gewandet, so treffend: "Owen, bewahre deinen Geist und dein Gesicht, schließe deine Tore vor der Pest der Modernen."

Werner Dannemann, der Wanderer zwischen musikalischen Welten und mit Vorliebe auch auf der Alb unterwegs, führte das andächtig lauschende Publikum von Felsen zu Felsen. Vom sagenumwobenen Sibyllenloch über den Wielandstein, Gelben Fels, Rauber, Bruckener Fels, Lämmlesfelsen und dem Breitenstein bis hin zum Mittagsfelsen. Vor dem geistigen Auge der Zuhörer entstanden lautmalerische Bilder, die den Albtrauf in unterschiedlichen Klangfarben zeichneten.

Bei den einzelnen Titeln griff Dannemann zuweilen auf das reichhaltige Repertoire aus seinen früheren Schallplatten zurück. Wie sagte doch John Lennon einst: "Es ist egal von wem du klaust, Hauptsache du klaust von den Besten."

Interessant arrangiert und mit einem speziellen Touch versehen, die musikalische Umschreibung des Bruckener Felsen. Hier brillierte Pia Sommer, Querflöte, nicht nur durch ihren schamanenhaften Scat-Gesang, sondern auch durch virtuoses Flötenspiel, dazu wehte zaghaft eine Prise Blues a la Dannemann, vermischt mit den Spezial-Effekten von Elke Rogge an der Drehleier. Den Mythos Sibylle von der Teck beschwor Katharina Schwarz, Sopran, in herausragender Weise. Die aus Beograd stammende Zorana Memedovic, Violine, bereicherte durch ihr wohl akzentuiertes und meisterhaft gespieltes Geigenspiel.

Auflockerung erfuhr der meditative Sound und die Nebelschwaden der rauen Alb lüfteten sich und öffneten mediterranen spanischen Gitarrenklängen Raum. Lyrisch-dynamisch und ausdrucksstark huschten Dannemanns Finger über die Gitarrensaiten. Zum Finale am Breitenstein fand auch schließlich die musikalische Vereinigung mit der Gruppe "Schnarrensack" statt: Siglinde Müller, Sackpfeife, Claudia Müller, Geige, Marcus Müller, Cello spezificato, und Laura Müller, Perccussion, sowie der als Ausrufer fungierende Reinhard Müller, Drehleier und Laute.

In der Gesamtschau betrachtet kam das Familienunternehmen "Schnarrensack" und das gemeinsame Musizieren unter Einbeziehung der mittelalterlichen Instrumente eher etwas zu kurz. Gleichwohl, das konzertant lauschende Publikum nahm die musikalische Liebeserklärung an den Albtrauf mit Freuden auf und vollzog somit die musikalische Metamorphose vom Rock- zum "Felsen"-Gitarristen Werner Dannemann.