Lokale Kultur

Warum "Sams" pausiert und "Herr Bello" blaue Wunder erlebt

KIRCHHEIM Wenn in einem voll besetzten Kinosaal das Licht nicht ausgeht und auch über eine Stunde später noch immer nichts über die überdimensionale Leinwand geflimmert ist, ohne dass es Protestrufe hagelt und ein Pfeifkonzert einsetzt, dann muss eine höchst

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WOLF-DIETER TRUPPAT

attraktive Alternative und zweifellos ein wahrer Könner seines Handwerks auf der "Bühne" am Werk sein. Das war am Montagnachmittag auch der Fall. Der mit unzähligen Preisen ausgezeichnete Kinder- und Jugendbuchautor Paul Maar war auf Einladung des Buchhauses Zimmermann in Kirchheim zu Gast und sorgte im bis auf den sprichwörtlich letzten Platz gefüllten Stadtkino zweifellos für einen "etwas anderen Kino-Nachmittag".

Bevor er sich auf sein neues, originelles Kinderbuch konzentrierte, dessen Qualitäten nach der erfolgreichen Kirchheimer Generalprobe über jeden Verdacht erhaben sind und sich garantiert in die Reihe seiner bisheriger Erfolge einfügen wird, fühlte der Starallüren offensichtlich nicht kennende Autor sich wohl doch genötigt, seiner versammelten Fangemeinde im Alter von sechs bis zwölf Jahren verständlich zu erklären, weshalb er zunächst nicht weiter auf der Erfolgsschiene "Sams" verkehren will.

Dass er von dem enormen Erfolg von "Sams" richtiggehend überrollt wurde, gestand Paul Maar gerne ein. Dass er einen solchen Bestseller tatsächlich nicht einfach so enden lassen konnte, machten Unmengen von Zuschriften deutlich und so beschloss er rasch, der Sache mit einem zweiten Band nun zu einem guten Schluss zu verhelfen.

Dass auch danach der enorme äußere Druck nach weiteren Folgebänden nicht nachlassen wollte, vermittelte Paul Maar im voll besetzten Kinosaal in angenehmem Plauderton. Nachdem der ungemein jung gebliebene Autor sich als wohl ältestes Kind in der Runde längst die Sympathien seines Publikums gesichert hatte, konnte er den verständnisvollen Zuhörern schließlich auch plausibel vermitteln, warum er lieber etwas völlig Neues probieren wollte, als im Erfolgsdruck der Sams-Schiene etwas produzieren zu müssen, das ihn selbst nicht absolut überzeugt und daher auch seine jungen Leser nicht unbedingt erneut begeistern könnte.

"Sams auf dem Mond" oder "Sams im Dschungel" komme für ihn jedenfalls nicht in Frage, das machte Paul Maar unmissverständlich deutlich. Wenn, dann könne es mit Sams nur im gewohnten Umfeld weitergehen, stellte der am 13. Dezember 1937 in Schweinfurt geborene Erfolgsautor im Kreis sachverständiger Sams-Experten fest. Bevor er seine zu Recht anspruchsvollen Leser langweilen oder gar enttäuschen könnte, möchte er erst einmal eine ganz besonders gute Idee abwarten, bevor er wieder mit der Sams-Reihe weitermacht.

Dass Paul Maars neuestes Buch "Herr Bello und das blaue Wunder" zweifellos ein Siegläufer wird, der originell und witzig erzählt blendend vom verständlichen Erwartungsdruck in Sachen Sams ablenken kann, machte der erfolgreiche Feldversuch im Kreis der im Kinoambiente versammelten Sams-Kenner mehr als deutlich.

Mucksmäuschenstill und höchst konzentriert folgten die Kinder Paul Maars faszinierender Lesung und seinen tatsächlich "blaue Wunder" wahr werden lassenden Einblicken in die Geschichte um den mehr als ungewöhnlichen Herrn Bello, der offensichtlich auch ohne ins Gesicht geschriebene Wunschpunkte ungemein gut beim Publikum punkten kann.