Kirchheim

Was aus Kirchheim in die Welt geht

BDS Bereits Bereits zum siebten Mal hat der Kirchheimer Bund der Selbständigen seinen Preis der Wirtschaft verliehen. Vier herausragende Arbeiten wurden prämiert. Von Andreas Volz


Aus Kirchheim in die Welt: Das gilt nicht nur für die Namenspatrone der beiden Berufsschulen in Kirchheim – Max Eyth und Jakob Friedrich Schöllkopf. Es gilt auch für eine kaum zu überschauende Zahl von Produkten, die in Kirchheim hergestellt werden und mitunter sogar den Weltmarkt dominieren. Grund genug für den Kirchheimer Bund der Selbständigen (BDS), seinen Preis der Wirtschaft bei der siebten Auflage unter dieses Motto zu stellen: „Aus Kirchheim in die Welt“. Zum einen steckt darin ein Bekenntnis zu Globalität und Weltoffenheit, zum anderen aber auch zum heimischen Südwesten der Bundesrepublik, wie es ein weiteres Motto zum Ausdruck bringt: „Mit Leidenschaft für den Standort“.

Seit 2006 gibt es den BDS-Preis, um den sich Schüler von Kirchheimer Schulen alle zwei Jahre in verschiedenen Kategorien bewerben können – ein Vorteil für Schüler wie für Unternehmen. „Die Jugend kann sich frühzeitig mit wirtschaftsrelevanten Themen in der Region befassen“, führte Karl-Albrecht Einselen, der Vorsitzende des BDS Kirchheim, in seiner Begrüßung aus. Der Gastgeber, Schulleiter Thorsten Bröckel von der Grund- und Werkrealschule Jesingen, führte dagegen aus, dass es eines künftig nicht mehr geben wird, was über lange Zeit hinweg aus Kirchheim gekommen war: Absolventen der Werkrealschule Jesingen. Die Schule wird vom kommenden Schuljahr an als reine Grundschule weitergeführt – unter dem Namen „Lindachschule“.

In ihrer Eigenschaft als Schirmherrin des Preises fand es Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker „spannend zu sehen, wie junge Menschen sich einem Thema nähern, mit dem sie eigentlich noch relativ wenig Berührungspunkte haben“. Durch ihre Arbeit erhielten sie schon frühzeitig erste Einblicke in die Unternehmensführung. Sie befassten sich mit der Entwicklung von Produkten, mit der Suche nach Absatzmärkten und mit dem Auf- und Ausbau von Handelsbeziehungen.

Auch praktische Beispiele wusste sie aufzuzählen: Dazu gehörte ein Siemens-Trafo, in Kirchheim gebaut, der einmal um den halben Erdball reist. Die Metro in Sidney hat Bedarf an dem Produkt aus Kirchheim. Umgekehrt komme auch die Welt nach Kirchheim, etwa am Standort Nabern, wo Daimler die Entwicklung von Hybrid-Fahrzeugen, Elektroautos und Brennstoffzellenantrieb ausbauen wolle. Am Ende gehe also zumindest Technik, die in Kirchheim entwickelt wurde, wieder hinaus in alle Welt.

Dass das Thema nicht besser hätte gewählt sein können, bestätigte der Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen, Christoph Nold: „Der Export ist von größter Bedeutung für unsere Region. 70 Prozent der Umsätze unserer produzierenden Unternehmen werden im Ausland erwirtschaftet. Unser Wohlstand hängt am Export.“ Angesichts der aktuellen politischen Debatte um Handelskriege hätte sich der BDS Kirchheim kein aktuelleres Thema aussuchen können.

Von elf eingereichten Arbeiten hatte die Jury im Vorfeld der Preisverleihung vier Sieger ausgewählt. Die vier Arbeiten haben die internationalen Handelsbeziehungen von vier Kirchheimer Unternehmen untersucht: Keller Lufttechnik, Mosolf, Rico und Sommer Antriebs- und Funktechnik. An der Arbeit über Keller Lufttechnik, die vier Absolventen der Jesinger Werkrealschule verfasst hatten, lobte Hans-Ulrich Lay, Konrektor des Schlossgymnasiums, den ungewöhnlichen Gedanken, auch die Gegenfrage zu stellen: „Was kommt denn aus Kirchheim nicht in die Welt?“ Es ging dabei einerseits um den Schutz eigener Patente vor Plagiaten und andererseits um die Frage, wie sich qualifiziertes Personal halten lässt.

Gleich zwei Arbeiten brachten der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule (JFS) Preise ein: „Sinnbildlich für das Thema“ seien die blauen Autotransporter der Firma Mosolf, befand Jesingens Schulleiter Thorsten Bröckel als Laudator der ersten Arbeit. Diese Lastwagen würden wirklich „aus Kirchheim in die Welt“ fahren. Zugleich lobte er aber auch den Ansatz, Geert Hofstedes Theorien zur interkulturellen Zusammenarbeit mit einzubeziehen.

Die zweite JFS-Arbeit befasste sich mit Rico und dem Weg der GmbH in den internationalen Markt. Exemplarisch fasste Jochen Schade, Schulleiter der Max-Eyth-Schule, das Selbstverständnis baden-württembergischer Unternehmen zusammen, das diesen Weg vorgibt: „Wir produzieren Qualität, zunächst für den heimischen Markt, und durch diese Qualität können wir auch ausländische Märkte erobern.“

Ebenfalls erfolgreich auf dem Markt ist die Sommer Antriebs- und Funktechnik GmbH: In diesem Fall stand bei der Preisverleihung aber eher das „innere“ Erfolgsgeheimnis im Mittelpunkt, nachdem Laudator Jens Kaiser, stellvertretender Schulleiter der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule, gefragt hatte: Es geht hier um das „Sommer-Feeling“, bei dem es sich nicht nur um ein perfektes Wortspiel mit dem Firmennamen handelt. Es steckt eben tatsächlich ein besonderer Zusammenhalt der Mitarbeiter dahinter. In der Arbeit wird die familiäre Atmosphäre innerhalb des Unternehmens betont.

Familiär ging es anschließend auch im gemütlichen Teil des Abends in der Jesinger Schule zu, die – als künftige Grundschule – wahrscheinlich letztmals Gastgeber der Preisverleihung war. Mit dem Preis als solchem wird es aber trotzdem weitergehen. Zumindest griff Karl-Albrecht Einselen am Ende eine Anregung der Oberbürgermeisterin auf: „Gerne können wir in zwei Jahren die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Kommunen zum Thema machen.“
Anzeige