Kirchheim

Was passiert, wenn‘s im Krankenhaus brennt?

Sicherheit Bei Feuer in Kliniken und Pflegeeinrichtungen verringert ein Schutzkonzept die Gefahr. Denn: Viele können nicht aus eigener Kraft fliehen. Von Daniela Haußmann

Wenn es brennt, ist die Feuerwehr vor Ort. Doch in Krankenhäusern ist die Situation besonders brisant. Foto: Daniela Haußmann
Wenn es brennt, ist die Feuerwehr vor Ort. Doch in Krankenhäusern ist die Situation besonders brisant. Foto: Daniela Haußmann

Einen Brand in Krankenhaus, Pflegeheim oder Hospiz wünscht sich niemand. Trotzdem kann dieser Fall eintreten. Komplexe Gebäudestrukturen, viele Besucher, eine hohe Zahl an fluchtunfähigen Personen machen den Einsatz zu einem schwierigen Unterfangen. „Umso wichtiger ist es, dass die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Einrichtungspersonal reibungslos funktioniert“, sagt der Kirchheimer Stadtbrandmeister Roland Schultheiß. Zuständigkeiten und Aufgabenbereiche seien deshalb in einem Notfallplan geregelt, der regelmäßig weiterentwickelt wird.

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Evakuierung nur im Notfall

Fakt ist: Im Brandfall muss für alle Personen im Gebäude eine Rettung möglich sein - auch wenn sie nicht aus eigener Kraft fliehen können. Eine Evakuierung in eine intakte Sicherheitszone, in der eine gleichwertige Versorgung sichergestellt ist, wird Roland Schultheiß zufolge nur dann eingeleitet, wenn andere Strategien keinen Erfolg versprechen. „Bricht in einem Krankenhaus oder Pflegeheim ein Feuer aus, lässt sich nicht ausschließen, dass es in den Gängen zu Panik kommt“, erklärt der Fachmann. „In großen Gebäuden, in denen viele Menschen unterwegs sind, ist das für einen Rettungseinsatz kontraproduktiv.“

Dementsprechend wird ein sogenanntes „Aufenthalts- und Verzögerungskonzept“ umgesetzt. „Im Brandfall bleiben Patienten und Besucher so lange wie möglich auf den Zimmern“, erläutert Roland Schultheiß. Das mache auch deshalb Sinn, weil die Gefahr nicht so sehr vom Feuer, sondern vom Rauch ausgeht. „Wird er eingeatmet, kann es zu Vergiftungen kommen.“ Das soll möglichst verhindert werden.

Verschärft sich die Gefahr, kommt es zur Räumung. Das heißt, dass Personen aus einem akut gefährdeten Bereich gerettet werden. Sie findet zunächst auf demselben Stockwerk statt - gemäß baurechtlicher Vorgaben verfügt jede Krankenhaus-Etage über einen zweiten Brand- und Rauchabschnitt. Der muss 30 Prozent der Betten des ersten Abschnitts aufnehmen können.

Außerdem müssen beide Brand- und Rauchabschnitte durch feuerbeständige Wände voneinander getrennt sein. Vorgeschrieben ist laut Roland Schultheiß auch, dass alle tragenden Konstruktionen 90 Minuten lang Feuerwiderstand leisten können. „Die Ansprüche an die Widerstandsdauer steigen von Geschoss zu Geschoss“, sagt der Kirchheimer Feuerwehrchef und betont: „Sollte sich die Lage weiter verschärfen, wird in einem dritten Schritt etagenweise evakuiert.“ Da im Ernstfall alles schnell gehen muss, öffnen sich die Türen entlang der Fluchtwege in Laufrichtung. Der Einbau von Schiebe-, Dreh- oder Pendeltüren entlang von Rettungswegen ist verboten. „Im Ernstfall, wenn alle auf den Beinen sind, wären sie nicht nur ein Hindernis, sondern sogar eine Gefahrenquelle“, sagt Schultheiß. Denn bei Räumungen und Evakuierungen begünstigen solche Türen die Staubildung und könnten so Panik auslösen. Aus diesem Grund müssen auch die Fluchtwege so breit sein, dass sich zwei Betten problemlos aneinander vorbeischieben lassen.

Thorsten Lukaschewski, stellvertretender ärztlicher Direktor der Medius-Klinik Kirchheim, betont, dass Sicherheitseinrichtungen in Krankenhäusern den höchsten Standards entsprechen. Sauerstoff gibt es in Krankenhäusern reichlich - nicht nur in Flaschen. Nach Aussage von Lukaschewski wird der Sauerstoff beispielsweise auch in Leitungen, die sich in den Wänden befinden, bereitgestellt. „Im Brandfall lässt sich die Leitungsversorgung über einen Hauptschalter sofort unterbrechen. Außerdem sind Bereiche, in denen sich das Gas befindet, extrem gut gesichert“, so der Mediziner.

In der Geschichte des Kirchheimer Klinikums und der elf Pflegeheime in der Stadt ist es laut Roland Schultheiß noch nie zu einem Großbrand gekommen. Im Ernstfall, davon ist er überzeugt, hätten die rund 80 bis 100 Feuerwehrleute, die in Kirchheim bereitstehen, zusammen mit den umliegenden Wehren den Brand schnell unter Kontrolle.

Sonderfall Intensivstation

Ein Sonderfall ist die Intensivstation. Wegen des Gesundheitszustandes der dort untergebrachten Patienten kommt es nur in absolut kritischen Einzelfällen zur Evakuierung. Zum einen kostet das Trennen der Patienten von lebenserhaltenden Maschinen viel Zeit, zum anderen ist es für die Betroffenen gesundheitlich vorteilhafter, kurze Zeit im Rauch zu bleiben, da sie ohnehin beatmet werden.

Operationssäle müssen nur verlassen werden, wenn darin selbst ein Feuer ausbricht. Das liegt an den baurechtlich extrem hohen Sicherheitsbestimmungen. Sollte dieser Fall eintreten, wird der Patient stabilisiert und in den zweiten Brand- und Rauchabschnitt gebracht. dh