Lokale Kultur

Weder Dreck noch Flecken, sondern Materie am falschen Ort

KIRCHHEIM Irren auch Sie in Ihrem Fun-Shopping-Center umher und können sich nicht entscheiden zwischen Pulver, Gel, Perls und Tabs? Wundern auch Sie sich über verschiedene Reinigungs-, Putz-, Wasch- und andere Mittel, mit und ohne Powerball? Dann befinden Sie

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USCHI NEROLADAKIS

sich in bester Gesellschaft, denn der Kabarettist Frank Sauer mit seiner ausgefallenen Frisur übrigens einem gewissen Putz-Sauber-Meister nicht ganz unähnlich kann mit solchen Themen einen ganzen Abend bestreiten.

Sauereien gab es im club bastion ja früher schon öfter, stellte Andreas Kenner in seiner Begrüßung ironisch fest, doch "Sauerei" als Thema eines satirischen Abends hatte es in sich, schon allein die Anzahl der Bezeichnungen für die verschiedenen Putzarten war so gewaltig, dass das Publikum nur noch staunen konnte. Sauerei lauert heutzutage ja hinter jeder Ecke und die Achse des Bösen im Leben einer Hausfrau befindet sich zwischen Bratentröpfchen, Brotkrümeln und Wollflusen.

Eigentlich gibt es laut Frank Sauer weder Dreck noch Flecken, sondern nur falsche Materie am falschen Ort. So ist zum Beispiel Blut im Beutel beim Roten Kreuz ein besonders begehrter Artikel, aber Blut am Hemd lässt sich kaum an den Mann bringen. Mit Bolognese-Soße verhält es sich übrigens ebenso . . . Deshalb müssten auch im entschlossenen Kampf gegen die Fleckenzwerge verschiedene waschaktive Substanzen eingesetzt werden, die als Terrorismus-Bekämpfer auf textiler Ebene sogar über genügend Intelligenz verfügen, um klar zwischen Schmutz- und Farbpartikeln unterscheiden zu können.

Frank Sauer sparte auch nicht mit schrägen Tipps für die tägliche Praxis der Fleckenvernichtung: So sei Duschgel mit Himbeergeschmack ideal gegen Eisflecken, aber kein Vergleich zu dem Erfolg, den man früher, als der Teppichschaum noch Chlor enthielt, bei der Grillreinigung erzielen konnte. Mit der Wortanalyse von "Essigreiniger" verbunden war das Thema "Gemüse- und Obsthygiene", dem sich ein kleiner Vortrag über Verdauungskunde und WC-Reinigung anschloss, verbunden mit einem Exkurs zu griechischen Philosophen, die sich mit dem menschlichen Körper als "Saftladen" befasst hatten.

Als "Müllforscher" kostümiert, entführte Frank Sauer das Publikum in ein absurdes Szenarium, denn dieser etwas seltsame Mensch hatte sich eigens einen "Schmutzraum" eingerichtet, in dem er Käse nach dem Stadium ihrer Schimmelkulturen sortierte, Schweißsammlungen anlegte, Zeitrafferaufnahmen von Verwesungsprozessen machte und sich und dem Publikum die Frage stellte: "Was passiert, wenn man in einen frischen Fischkopf Waschmittel einfüllt?"

Schlecht synchronisierte amerikanische Fernseh-Verkaufssendungen, die uns allerlei "High-Performance-Produkte" andrehen, bieten sich für Parodien geradezu an, und so versuchte Frank Sauer Putztücher mit sagenhaftem Vier-Ecken-Design in verschiedenen Farben anzupreisen. Mit der These, dass Putzen eine moralische Tätigkeit sei, nahm Kabarettist Frank Sauer auch Politiker und den damit verbundenen Parteiensumpf aufs Korn, denn "politische Sauberkeit kann wohl nur jemand vertreten, der auch die Gegenseite kennt."

Da werden zwar schmutzige Geschäfte gemacht, die Westen aber weiß- und das Geld an sich gewaschen mit Ausnahme der Summen, die in dunkle Kanäle oder schwarze Kassen fließen, was manchen Politikern oder auch Managern sehr entgegen kommt. Komplizierte Fragen wie etwa: "Was passiert, wenn sich eine Mikrobe einen Virus einfängt", führten zum "Virus-Rap", der sich mit Resistenz und gentechnischen Veränderungen beschäftigte.

Mit dem Sketch des Putzmittelverkäufers, der in die Haushaltswarenabteilung wechselt und dort Schnellkochtöpfe verkauft, schloss sich der Kreis der Umweltprobleme und Haushaltsfragen und beendete einen überaus amüsanten Abend zwischen optisch aufhellender Politikerschimpfe und philosophischem Frühjahrsputz.