Lokale Kultur

Weihnachten hat viele verschiedene Stimmen

KIRCHHEIM Weihnachten hat viele Stimmen und viele verschiedene Stimmen waren dann auch am 3. Advent bei einem Konzert in der Kreuzkirche in Kirchheim zu hören. Die dortige Kantorin , Organistin und Sopranistin Shu-Lin Chen-Habermann hatte für diesen Abend ein

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WALTER SCHIMPF

musikalisches und theologisches Advents- und Weihnachtsprogramm zusammengestellt, das sie mit allen ihren musikalischen Stimmen aus der Gemeinde auch mit den Stimmen der singenden Gemeindeglieder und Besucher und mit weiteren Instrumentalisten zu einem bewegenden und äußerst aussagekräftigen Advents- und Weihnachtsereignis werden ließ.

Die musikalischen Stimmen waren aber nur die eine Seite der Medaille. Der Mädchenchor intonierte beim Einzug in die dunkle da nur kerzenbeleuchtete Kirche das Wochenlied zum 3. Advent. Mit dem Vortrag von "Mit Ernst o Menschenkinder" stellten sie gleich zu Beginn den Bezug zum Kirchenjahr her. Sie sangen zunächst unbegleitet und schon das war eine beachtliche Leistung. Immer wieder erfreuten die Mädchen, sei es als Ansingechor, oder im musikalischen Verbund mit dem Vokalensemble.

Dieser von Shu-Lin Chen-Habermann aus der Taufe gehobene Chor, der in diesem Jahr sein fünfjähriges Bestehen feiert, war eine musikalische Hauptsäule des Abends. Schon bei "Barmherzig führtest du dein Volk" aus "Israel in Ägypten" von Georg Friedrich Händel überzeugte die stimmliche Präsenz und die große Intonationssicherheit. Dazu gesellte sich bei "O come! Emmanuel" von J. M. Martin eine beachtliche dynamische Bandbreite. Auch alle folgenden Beiträge des Chores bestätigten diesen Eindruck immer wieder aufs Neue.

Zu den vokalen Stimmen gesellten sich auch instrumentale: Die Pianistin Hsiao-Jen Chen agierte am Klavier absolut professionell. Sie verstand es meisterhaft, sich bei ihren vielfältigen Begleitaufgaben immer adäquat anzupassen. Nur das Beste kann auch von dem Oboisten Fabian Bolkenius berichtet werden, der mit edler und gleichzeitig raumfüllender Tongebung seine Beiträge zu einem besonderen Erlebnis werden ließ, so bei der Echo-Arie (Weihnachtsoratorium) sowie dem Allegretto von C. Saint-San.

Vor, über und hinter all dem stand die Hauptakteurin des Abends, Shu-Lin Chen-Habermann, als Chorleiterin, Sopranistin, Theologin und Spiritus Rector. Wusste die Dirigentin zu überzeugen durch ihre von den Finger- bis in die Zehenspitzen musikalisch impulsive und inspirierende Art, so die Sopranistin ebenso bei der Echo-Arie, die sie sehr souverän, gekonnt und feinsinnig zu Gehör brachte und gleichzeitig die Echo-Soprane (Stimmen aus dem Mädchenchor) animierte, die ihren schweren Part in beachtlicher Weise meisterten. Zu erwähnen ist hier auch die Ersatzdirigentin Julia Schwarz, die mit angemessener Gestik das Ganze im metrischen Gleichgewicht zu halten vermochte.

Der Bericht von der musikalischen Seite dieser Feier wäre nur die halbe Seite. Unverkennbar war das Anliegen von Shu-Lin Chen-Habermann, mit und durch viele Stimmen eine tief greifende Advents- und Weihnachtsbotschaft zum Ausdruck zu bringen. So ließ sie neben den musikalischen Stimmen viele Sprecherinnen und Sprecher zu Wort kommen: Die Stimme Israels, die Stimme Marias, die Stimme des Schäfers, die Stimme des Sterns, die Stimme Gabriels und die Stimme Josephs.

Auf dem Fuße folgte eine aktuelle, zeitgenössische Botschaft. So kamen bei der Stimme Israels auch die Gefangenen, die auf Befreiung warten, zu Wort, sowie die Unterdrückten, die Kranken und die Klagenden, die auf Trost warten. Die Stimme Marias schloss zugleich alle ein, die vom Wunder erfüllt sind, die junge Mutter, die ihrem Erstgeborenen ein Schlaflied singt, die Stimme des Kindes, das im ersten Schnee lacht und spielt, die Stimme der Erde, wie sie zu Beginn des Frühlings aus ihrem Winterschlaf erwacht, die Stimme derer, die mit jeder Träne und jeder Freude Gott preisen.

Die vielen Stimmen, die Pfarrer Bernd Küster bei seiner Begrüßung als die menschliche Antwort auf die Weihnachtsbotschaft bezeichnete, mündeten in den Kern der Botschaft, die der Erzengel Gabriel verkündete: "Fürchtet euch nicht, denn der Herr ist mit Euch." Diese Botschaft wurde nicht nur musikalisch und verbal erlebbar. Hatten sich die Zuhörer während der Feier dankenswerterweise mit Beifall zurückgehalten, so war es am Schluss um sie geschehen. Dieser Dank der Zuhörer möge den Ausführenden die Gewissheit geben, dass sie mit ihrer vielstimmigen Weihnachtsbotschaft die Herzen und Gemüter bewegen und erfreuen konnten.

Zum Abschluss des Konzerts erklang noch in einer Vertonung von J. Kirk "Ye shall be Witnesses Ihr werdet aber die Kraft des Heiligen Geistes empfangen . . ." Die Zuhörer wurden mit der Aussage entlassen, dass Weihnachten auch mit Pfingsten zusammenhängt. Der Heilige Geist umwehte gewissermaßen schon die Krippe im Stall von Bethlehem und es konnte sicherlich auch bei anderen Besuchern das Gefühl aufkommen, selten eine solch universale Weihnachtspredigt gehört zu haben.