Lokale Kultur

Weite Repertoirespanne Folklore, Messesätze und Musica

NEIDLINGEN Seit zehn Jahren existiert der Neidlinger Frauenchor "anima musica", und anlässlich dieses Jubiläums feierte er zusammen

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PATRICK TRÖSTER

mit befreundeten Chören. Bürgermeister Rolf Kammerlander freute sich, dass das knapp dreißig Köpfe zählende Gesangsensemble mit großem Erfolg Tradition und Moderne zu verbinden weiß und ob seines abwechslungsreichen Repertoires vor allem auch junge Sängerinnen anzieht.

Der Präsident des Karl-Pfaff-Gaus, Udo Goldmann, fand für den Chor poetisches Lob: "anima musica" sei wie ein geprägtes Goldstück, das in Neidlingen funkle, weit in die Region hinaus ausstrahle und im Strauß der Chöre des Gaus wie eine duftende Rose erscheine. Und die Erfolgsbilanz nicht ohne Stolz vom Chorvorstand Martina Saida vorgetragen dieses jungen Klangkörpers kann sich sehen lassen: 2001 gewinnt er in einem Prager Wettbewerb einen Bronzepreis, 2003 nimmt er seine erste CD auf, und jüngst haben sie in Talheim beim Regionalwettbewerb mit "hervorragend" und Weiterleitung zum Landeswettbewerb abgeschlossen.

Der Startschuss dieses Chors erfolgte 1995, als die Dirigentin des Liederkranzes Neidlingen, Elisabeth Geißelhardt, für die Gaujugendchortage ein besonderes Ensemble zusammenstellte, das im Anschluss daran so erfolgreich weitermusizierte, dass sie 1999 nach einem anspruchsvollen Nachfolger Ausschau hielt. Christian Vogt aus Ulm übernahm den Stab und sucht seither mit dem Frauenchor neue Herausforderungen.

Doch außer viel Probenarbeit, Engagement und einer Schar von Fans und Sponsoren, bedarf es für Erfolge auch Weitsicht. Vor zwei Jahren gründete der Dirigent daher den Vorbereitungschor, in dem elf jugendliche Sängerinnen auf den "großen" Chor vorbereitet werden. Mit drei witzigen, einstimmigen Liedern demonstrierten sie hohe Musikalität, klare Textverständlichkeit und eine lupenreine Intonation.

Doch durfte bei diesem Jubiläum ein Beitrag des Gemischten Chors des Neidlinger Liederkranzes unter dem fein gezeichneten Dirigat Elisabeth Geißelhardts nicht fehlen. Die unterschiedlichen Stimmungen der mehr-stimmigen Weisen wurden weich und einfühlsam herausgearbeitet, die sanft geschwungenen Melodien ließen beim Hören innerlich Bilder und Landschaften entstehen. Ganz anders präsentierte sich der Gemischte Chor Suppingen ein Chor, der mit anima musica manches Projekt zusammen sang und ebenfalls unter der Leidung Christian Vogts steht. Frech, übermütig und in bester Geburtstagsgratulationsstimmung trat er auf und gab unter anderem einige "Suppinger Schnitz" humorvoll und echt schwäbisch-dialektische Sprüche wie "Hitza häb se" in halsbrecherischem Tempo zum Besten.

Mit eigenen Darbietungen umriss "anima musica" seine weite Repertoirespanne. Dabei griff Martin Straub unterstützend in die Tasten und verlieh so manchem Werk zusätzlich eine stimmungsvolle Note. Der erste Block war internationaler Folklore gewidmet. Frisch, spritzig und selbst in fremdländischen Zungen singend war der Text durchweg klar verständlich und die Harmonien ausgesprochen klar ausgestaltet. Mit Messesätzen aus Werken von Antonio Vivaldi, Sherri Porterfield und Arwel Hughes besann sich der Chor auf geistliche Musik, die mit großer Klangpracht und harmonischem Reichtum zelebriert wurde. Weltliche Balladen von Schumann schlossen sich an; im "Zigeunerleben" beispielsweise sah man tatsächlich das Lagerfeuer musikalisch aufflackern, und die unbändige Reiselust des Wandervolks inmitten ungewisser Landschaften übertrug sich beim Zuhörer schaurig anziehend.

Mit amerikanischen Stücken aus Musicals und der Folkszene setzte Dirigent Christian Vogt einen großartigen Schlusspunkt. Engagiert, aus-drucksvoll und mit treffenden Gesten führte er seine von der Musica Animierten von einem Höhepunkt zum nächsten. Mit dem groß angelegten Crescendo in "Don't cry out loud" forderte er von seinen Sängerinnen die ganze Spannkraft, um den Kern des Songs herauszuschälen, entspannt mit einem temperamentvollen "Step by Step", um schließlich die volle Festhalle mit dem Klassiker "Bridge over troubled water" versöhnlich ins Folkromantische entrückt zu entlassen.