Lokale Wirtschaft

Weiterhin geringe Nachfrage nach Personal

Im Dezember ist die Zahl der arbeitslosen Frauen und Männer im Bezirk der Agentur für Arbeit Göppingen um genau 600 auf 21 202 angestiegen. Bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen hat sich die Arbeitslosenquote zum Jahresende um 0,1 Punkte auf 5,3 Prozent erhöht.

GÖPPINGEN Der Personalbedarf der Unternehmen ist auf den geringsten Stand in diesem Jahr gesunken. Im Laufe des Dezembers sind lediglich rund 1 100 freie Arbeitsplätze gemeldet worden. Die Kurzarbeit ist gegenüber dem November geringfügig zurückgegangen. In knapp 200 Betrieben waren etwas weniger als 1 800 Kurzarbeiter gemeldet.

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Die ungünstige Entwicklung des Arbeitsmarktes im Dezember ist ein Spiegelbild des gesamten Jahres 2004. Bernd Hofmann, der Leiter der Agentur für Arbeit Göppingen, macht keinen Hehl daraus, dass seine Hoffnungen für 2004 enttäuscht wurden. "Niemand hat zu Beginn des Jahres 2004 an Wunder auf dem Arbeitsmarkt geglaubt. Aber ich hatte, zusammen mit den meisten Wirtschaftsinstituten, schon eine Trendwende zum Guten erhofft. Die ist ausgeblieben. Zum Jahresende sind etwa 750 Menschen mehr in der Arbeitslosigkeit als vor einem Jahr. Mit über 21 200 erwerbslosen Frauen und Männern liegt die höchste Dezemberarbeitslosigkeit seit acht Jahren vor. Das Jahr 2004 war für den Arbeitsmarkt schlecht. Der Dezember setzt dazu einen schwachen Schlusspunkt."

Der Abstand zum Vorjahr wäre noch deutlich größer, wenn Hofmann die aktive Arbeitsförderung nicht forciert hätte. Knapp 600 Menschen waren Ende Dezember über die neu geschaffene "Initiative für die zusätzliche Beschäftigung von Arbeitslosenhilfebeziehern" in so genannte Ein-Euro-Jobs tätig oder in Sprachkurse eingemündet. Dazu kommen etwa 1 100 Personen, die Trainingsmaßnahmen oder Kurse der beruflichen Weiterbildung besuchten. Diesen insgesamt 1 700 geförderten Personen, die während der Teilnahme nicht arbeitslos gemeldet sind, standen im Dezember 2003 lediglich etwa 1 200 Personen gegenüber, die wegen aktiver Arbeitsförderung nicht als Arbeitslose zählten.

Das "schlechte Jahr" für den Arbeitsmarkt gilt vor allem für den Landkreis Göppingen. Im Agenturbezirk hat die Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres um 3,7 Prozent, im Landkreis Göppingen gleich um 9,3 Prozent zugenommen. Der Landkreis Esslingen, der ebenfalls zum Bezirk der Agentur gehört, lag mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um 0,4 Prozent vergleichsweise günstig, sogar besser als der Landesdurchschnitt. In Baden-Württemberg lag die Zunahme bei 2,7 Prozent.

Die Geschäftsstelle Kirchheim meldet 2 798 Arbeitslose, im Vorjahr waren es 46 weniger. Die Arbeitslosenquote beträgt hier 5,4 Prozent. Immer problematischer entwickelt sich der Arbeitsmarkt im Bezirk der Geschäftsstelle Geislingen. Binnen Jahresfrist hat die Arbeitslosigkeit um 13,9 Prozent zugenommen. Geislingen hat mit 7,5 Prozent auch die höchste Arbeitslosenquote innerhalb des Bezirks, Leinfelden-Echterdingen mit 4,1 Prozent mit Abstand die niedrigste.

Der Blick auf die Entwicklung bei den einzelnen Personengruppen legt ein schwieriges Problem offen: Die Entwicklung bei der Zahl langzeitarbeitsloser Menschen. Von Dezember 2003 bis Dezember 2004 hat ihre Zahl um 31,6 Prozent zugenommen. Fast 6 000 Personen waren zum Jahresende seit mindestens einem Jahr ohne Arbeit. Vor einem Jahr waren es nur etwa 4 550. Die Langzeitarbeitslosigkeit ist deswegen so problematisch, weil die Erfolgsaussichten auf eine berufliche Wiedereingliederung sich mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit gravierend verschlechtern.

Ansonsten stehen trotz des schwachen Arbeitsmarktes die Chancen auf einen Arbeitsplatz gar nicht so schlecht. Immerhin haben auch im Dezember etwa 1 150 arbeitslose Menschen wieder eine Arbeit aufgenommen. Seit Jahresbeginn waren es fast 18 000 Frauen und Männer, etwa 700 mehr als im Jahr 2003. Auf der anderen Seite reißt der Strom der Arbeitslosmeldungen nicht ab. Im Dezember haben sich fast 1 900 aus einer Erwerbstätigkeit heraus arbeitslos melden müssen, im Jahr 2004 insgesamt mehr als 25 500 Menschen. Sie wetteifern alle um das knappe Gut Arbeit. Dabei haben diejenigen eindeutige Vorteile, die erst seit kurzem arbeitslos sind. Noch besser sind die Chancen derjenigen, die zwar schon gekündigt sind, aber noch im Beschäftigungsverhältnis stehen.

Auch im Dezember waren die freien Stellen knapp. Mit weniger als 1100 Offerten brachte der Dezember den niedrigsten Stellenzugang des vergangenen Jahres. Insgesamt wurden 2004 nur etwa 17 600 Arbeitskräfte über die Agentur für Arbeit gesucht. Das waren noch einmal weniger als im schwachen Arbeitsmarktjahr 2003 und deutlich weniger als in den Jahren davor. 2002 wurden noch fast 20 800 Stellen angeboten. Ende Dezember waren bei etwa 2 400 Stellen die Besetzungsverfahren noch nicht abgeschlossen. Damit lag auch der Stellenbestand auf dem niedrigsten Niveau im Jahr 2004.

Die Kurzarbeit hat sich zum Jahresende hin kaum verändert. Mit genau fünfzig betroffenen Betrieben hat die Baubranche immer noch die größten Auftragsprobleme. Mit jeweils etwa 20 Firmen folgen die unternehmensnahen Dienstleistungsbetriebe und der Maschinenbau. Die meisten Kurzarbeiter kommen aus der Rundfunk-, Fernseh- und Nachrichtentechnik (453), dem Maschinenbau (334), der Baubranche (230) und den Herstellern von Möbeln (198).

pm