Lokale Wirtschaft

Weitsichtige Planung und der "Rohstoff des 21. Jahrhunderts"

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM "Wir haben es bei gleicher Agrarproduktion mit einer deutlich geringeren Zahl von Landwirten zu tun", warf Wilhelm Neyer einen Blick in die Zukunft der Landwirtschaft. Der Vorsitzende der Fachgruppe Landtechnischer Handel innerhalb des Verbands der Agrargewerblichen Wirtschaft (VdAW) verwies darauf, dass die Zahl von derzeit rund 50 000 landwirtschaftlichen Betrieben in Baden-Württemberg innerhalb der nächsten zehn Jahre auf "deutlich unter 40 000" zurückgehen werde. Für ihn und seine Handwerkskollegen bedeutet das, dass sich die Zahl der Kunden entsprechend reduziert.

"Das heißt jedoch nicht, dass der Landtechnikbedarf im gleichen Verhältnis zurückgeht wie die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe", führte Neyer in der Kirchheimer Deula weiter aus. Er zeigte sich deshalb optimistisch, dass die Landtechnikbetriebe sich den Herausforderungen erfolgreich stellen werden. Die künftigen Aufgaben umriss er folgendermaßen: "Wir sind Unternehmer und müssen entsprechend der Entwicklungsmöglichkeit, jeder an seinem Standort, die notwendigen Entscheidungen für eine gesunde Fortentwicklung des Betriebs treffen. Das Anforderungsprofil für den Landmaschinen-Fachbetrieb ist groß, und er wird sich den Bedürfnissen der Kunden ständig anpassen müssen."

Damit hatte der Vorsitzende der Fachgruppe übergeleitet zu den beiden Vorträgen, die weit über die Branche hinaus unternehmerisches Planen und Handeln zum Thema hatten. Die Bedürfnisse der Kunden waren ein zentraler Punkt in Jose Flumes Ausführungen über Management. Der Schlüssel zum dauerhaften Erfolg liege im Umgang mit den Menschen, sagte die Unternehmensberaterin mit langjähriger Erfahrung im Landmaschinenhandel, die ihre Aussagen häufig mit schlagkräftigen Sätzen untermauert.

"Aufmerksamkeit ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts", war einer dieser Sätze. Anwendbar ist er auf eine Untersuchung, die Jose Flume vorstellte, wonach Unternehmen ihre Kunden nur in vier Prozent aller Fälle durch Tod oder Umzug verlieren, aber immerhin zu 68 Prozent, "weil sich die Kunden missachtet fühlen". Kunden seien Menschen, genau wie die Mitarbeiter. Und die Erwartungshaltung der Menschen sei heutzutage nicht nur zu erfüllen, sondern sogar zu übertreffen: "Alle wollen eine Topleistung, und das möglichst günstig."

Jose Flumes Zukunftsprognose lautet folglich: "Es werden nur zwei Unternehmensformen überleben die besonders Preisgünstigen und die absoluten Spezialisten." Auf die Handwerker und die anwesenden Landmaschinentechniker bezogen, bedeute das: "Es gibt überhaupt keine andere Möglichkeit als die Spezialisierung."

Besonders angetan zeigte sich die Unternehmensberaterin und Motivationstrainerin von einem chinesischen Schriftzeichen, das sowohl für "Krise" als auch für "Chance" stehe. Insofern forderte sie die Unternehmer auf, die Chance zu nutzen, ihre "Alleinstellungsmerkmale" herauszuarbeiten, Visionen zu entwickeln und Ziele zu formulieren: "Planung ist die halbe Miete. Wer nicht vorausschaut, verschwindet vom Markt. Schriftlich fixierte Ziele machen 80 Prozent des Erfolgs aus."

Zur vorausschauenden Planung riet auch der zweite Gastreferent der Versammlung, Rechtsanwalt Friedrich Acker von der Stuttgarter Niederlassung einer bundesweit tätigen Kanzlei: "Eine der wichtigsten Aufgaben besteht darin, in die strategische Ausrichtung des Unternehmens eine mögliche Handlungsunfähigkeit einzubeziehen und auch für den Todesfall Personen zu bestimmen, die in der Lage sind, das Unternehmen fortzuführen."

Von der gesetzlichen Erbschaft ohne eigene testamentarische Verfügungen riet Acker grundsätzlich ab: "Das ist gefährlich für das Unternehmen." Wenn beispielsweise die Ehefrau ein Leben lang aus der Haftung herausgehalten worden sei, wäre es unsinnig, sie als Erbin einzusetzen, weil sie dann mit ihrem eigenen Vermögen für die Firma haften müsse. Der überlebende Ehepartner sei in diesem Fall wie auch diejenigen Kinder, die nicht die Nachfolge im Unternehmen antreten besser gestellt als "Vermächtnisnehmer". Sie erhalten dann Wirtschaftsgüter zur Altersversorgung, oder eine Rente.

Wer das Betriebsvermögen im Rahmen der Gesamtrechtsnachfolge als Erbe erhalte, bekomme vermögensmäßig natürlich mehr als die anderen. "Er braucht das auch, um das Unternehmen weiterzuführen. Wenn er dann aber nach fünf Jahren die Firma dicht macht und beispielsweise Grundstücke verkauft, ohne Re-Investition, dann muss er einen bestimmten Teil des Gewinns an die anderen abgeben." Für solche und viele weitere Fälle etwa auch für den vorzeitigen Tod des Nachfolgers seien die entsprechenden Vorbereitungen frühzeitig zu treffen, denn "es gibt zu wenig Verfügungen, jeder hält sich für unsterblich".