Kirchheim

Wenig Zeit, um sich auf die zukünftigen Nachbarn vorzubereiten

Die Bewohner des Kirchheimer Schafhofs stellten Fragen zum Bauvorhaben, aber auch zum Zusammenleben

Auf reges Interesse der Anwohnerschaft ist die Bürgerinformation auf dem Schafhof gestoßen. Ganz unterschiedliche Sorgen, Nöte u
Auf reges Interesse der Anwohnerschaft ist die Bürgerinformation auf dem Schafhof gestoßen. Ganz unterschiedliche Sorgen, Nöte und Anregungen kamen dabei zur Sprache.Foto: Carsten Riedl

Die Anwohner haben bei der Bürgerinformation alle möglichen Fragen gestellt. Das reichte vom eigenen Engagement bis zur Angst vor Übergriffen.

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Andreas Volz

Kirchheim. Eine zentrale Frage war gleich zu Beginn, ob sich die Stadtverwaltung nicht besser gegen die Pflicht „wehren“ könne, bleibeberechtigte Flüchtlinge unterbringen zu müssen. Klare Antwort der Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker: „Nein. Wenn wir uns verweigern, ordnet die Rechtsaufsicht die Unterbringung einfach an.“

Die Stadt hat mittlerweile für den geplanten Neubau von Wohnungen ihre Strategie geändert. Auch das dürfte letztlich auf Anregungen von außen zurückzuführen sein, in erster Linie auf das Bürgerbegehren zur dezentralen Unterbringung: Jetzt sollen an jedem Standort zunächst nicht mehr als zwei Gebäude entstehen, und aus ursprünglich sechs Standorten sind neun geworden. Als erstes dürfte im Hafenkäs gebaut werden. In Lindorf gebe es Verzögerungen aus artenschutzrechtlichen Gründen: In den Bäumen am Dreschplatz hausen Fledermäuse. Weitere Standorte sind die Kitteneshalde (dort nur ein Gebäude), der alte Sportplatz in Jesingen, die Klosterwiese, der Ginsterweg in Ötlingen, die Alte Kirchheimer Straße in Nabern sowie der südliche Rand des Parkplatzes am Schlossgymnasium und eben der „Schafhof IV“.

Ein zusätzliches Problem sind die Standorte für die Erstunterbringung. Auch wenn der Landkreis dafür zuständig ist, sind diese Standorte trotzdem in den Kommunen zu finden. In Kirchheim gibt es derzeit drei: Charlottenstraße (rund 300 Menschen), Kreissporthalle (270) und die Container in der Dettinger Straße (etwas mehr als 100). Die beiden letztgenannten stehen nicht mehr lange zur Verfügung. Ersatzstandorte sind in der Tannenbergstraße sowie am Naberner Sportplatz vorgesehen.

Diese Erstunterbringen hat aber nichts mit der Anschlussunterbringung zu tun: Für die Anschlussunterbringung können ganz andere Menschen nach Kirchheim zugewiesen werden. Deshalb sei es auch sehr schwierig, sich jetzt schon „auf die zukünftigen Nachbarn vorzubereiten“. Letzteres war die Frage eines Bürgers auf dem Schafhof, was man denn selbst schon tun könne, wenn man mitarbeiten will. „Eine lange Vorbereitung haben wir hier nicht“, sagte Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker. Wie schon bei der Erstunterbringung, kann die Zuweisung innerhalb weniger Stunden erfolgen.

Weitere Fragen betrafen ebenfalls das konkrete Zusammenleben vor Ort, aber unter kritischeren Gesichtspunkten. So fragte eine Anwohnerin nach der eigenen Sicherheit, angesichts von vielen Fällen sexueller Übergriffe. Die Oberbürgermeisterin verwies auf die Kirchheimer Polizeistatistik, die bei Flüchtlingen bislang keine höhere Kriminalitätsrate festgestellt habe als bei anderen Bevölkerungsgruppen.

Ein anderer Anwohner machte sich Gedanken um die Parkplätze. Bürgermeister Günter Riemer erklärte, dass die Stadt mit der erforderlichen Zahl von einem Stellplatz pro Wohnung plane: „Ich glaube nicht, dass dort ein erhöhter Parkdruck entstehen wird.“ Die Frage nach der Heizung, die ebenfalls aufkam, stelle sich beim Schaffen von Baurecht nicht. Darüber werde bei der konkreten Bauplanung nachgedacht.

Zu den Gesamtkosten und zur Haushaltsplanung sagte Angelika Matt-Heidecker: „Wir haben dafür jedes Jahr zwei Millionen Euro eingestellt. Das reicht zwar nicht, ist aber schon mal eine Grundlage.“