Lokale Kultur

Wenn der Schwab sein "Blüsle" kriegt

KIRCHHEIM Lyrik trifft Blues und das mit zwei waschechten Schwaben. Das ungewöhnliche Bühnenexperiment wagten am Freitagabend sehr zum Vergnügen des Publikums erstmals zwei Könner ihres Fachs: Der Autor Hans Riek und der Musiker Günther Wölfle. Bei ihrer Premiere in der Naberner Zehntscheuer schauten sie ihrer Spezies

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dabei liebevoll spöttelnd aufs Maul und spielten lustvoll mit Klischees. "Ein so volles Haus, das ist der Wahnsinn", freute sich Erich Albrecht vom Bürgerverein Bürgerhaus Zehntscheuer Nabern über einen ausverkauften Abend mit den zwei heimischen Künstlern. Den Weilheimer Hans Riek kennt er selbst noch von dessen Zeit als Lehrer an der Freihof-Realschule in Kirchheim. Als Verfasser schwäbischer Balladen aber hat er ihn damals nicht erlebt. Sein Gegenpart für den Abend, Günther Wölfle, musste Albrecht im Saal kaum jemanden vorstellen. Der Kirchheimer ist ein echtes musikalisches Urgestein und durch viele Konzerte und Abende in der Region bestens bekannt.

Beide zusammen auf einer Bühne das allerdings war sehr wohl etwas Neues. Das Wechselspiel zwischen den Riekschen urschwäbischen Balladen und dem Mundart-Blues des Kirchheimers funktionierte allerdings bestens. Mal musikalisch, mal wortgewandt, packten die zwei dem "Homo Schwabiensis" an seinen Marotten und Eigenarten.

Mit spitzer Feder sind die Mundart-Balladen von Hans Riek geschrieben. Ob er sich über die fragwürdigen Ölmalkünste der Bauerstochter auslässt oder den Besuch am Totenbett ("Da sehn wir uns das nächste Mal bei deiner Leich") seine Beobachtungsgabe zeichnen das Urbild vom ewig bruddelnden, polternden Schwaben, der immer geradeaus sagt, was er denkt und stets ans Sparen denkt, bis ins kleinste Detail und treibt es auf die Spitze. Liebevoll spöttelnd und mit treffsicheren Pointen erzählt Riek Geschichten und Geschichtchen, wie sie in jedem Dorf zwischen Weilheim und Kirchheim geschehen oder zumindest geschehen könnten. Und lässt die Schwaben im Publikum immer wieder begeistert über sich selbst lachen. "I sollt en Häusle han" jammert dazu passend Günther Wölfle nach den eigenen vier Wänden. Ein echt schwäbisches "Blüsle" eben, wie er augenzwinkernd sagt. Klar, wenn's härter ist, wär's ein "Röckle". Seine "Route 66" ist der Fahrradweg von Dettingen nach Oberlenningen, und ist "der Treppler hi", kann er nicht zu seiner Liebsten, klagt er unterstützt vom Publikum zur Melodie von John Lennons "Yesterday". Überhaupt: Der Kirchheimer bedient sich gerne bei den Pilzköpfen, wenn er bekannte Melodien für seine schwäbischen Texte sucht. "Penny Lane" besangen einst die Beatles ihre Straße, bei Wölfle wird daraus ein Abgesang auf die Kirchheimer Großbaustelle "Saumarkt" und das Planungswirrwarr.

"Lyrik trifft Blues" das waren zwei Stunden beste schwäbische Unterhaltung. Der wahrlich unterhaltsame Schwaben-Exkurs diente zudem einem guten Zweck: Der Erlös kam voll und ganz der historischen Zehntscheuer zu Gute Riek und Wölfle verzichteten ganz unschwäbisch auf ihre Gage.