Lokale Kultur

"Wenn ich zwei Vöglein wär und auch vier Flügel hätt"

LENNINGEN Noch regiert der Winter. Trotz der Schneeberge kommen Erhard Dietl und sein Gitarrenkompagnon Philipp Stauber aus Bayern ins Oberlenninger Schlössle. In den warmen Stuben der Bücherei

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ERIKA HILLEGAART

machen jetzt die Bilder von Erhard Dietl Lust zu fabulieren über Morgenwonne und Bienengesumm. Die ausgestellten Farbradierungen illustrieren Ringelnatzgedichte oder sie treiben Scherze mit Wortspielen. Mit feiner Nadel setzt der bekannte Künstler die humoresken Dichterverse in Szene: "Kleines Gedichtchen ziehe denn hinaus! Mach ein lustiges Gesichtchen. Merk dir aber mein Haus". Schlössle-Freunde und Dietl- Fans drehen dem grimmigen Burschen Februar eine lange Nase und finden am Freitagabend den Weg zur Eröffnung der Ausstellung "Der Nasenkönig". Das gleichnamige Buch ist jüngst erschienen und gehört zu der langen Bücherliste, die Erhard Dietl illustriert oder verfasst hat. Diese Liste reicht bis in das Jahr 1976 zurück.

Der 1953 in Regensburg geborene Künstler hat schon als Kind Geschichten geschrieben und dazu gezeichnet. Sein Lieblingsbuch war das Wilhelm-Busch-Album. Die Quelle seiner Fantasie scheint unerschöpflich: In Dietls Bilder- und Bücherwelt tummeln sich Olchis, Hexen, Mäuse und Gespenster, Bären und Vampire. Kinderbücher von anderen bekannten Autoren wie Christine Nöstlinger, Elfie Donnelly, Rudyard Kipling hat er illustriert. Zahlreiche Preise würdigen das Werk von Erhard Dietl.

Die Reihe der Auszeichnungen reichen vom österreichischen Kinder-und Jugendbuchpreis bis zum "Bilderbuch des Monats", April 2005 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.

Auch als Liedermacher ist er erfolgreich. "Hab koi Angst, des Glück liegt ganz woanders", lässt er die Vernissage-Gäste singen. Die Geschichten seiner Lieder, mit spitzer und leichter Feder geschrieben, treffen ins pralle Leben. Dietl spießt die Alltagssorgen auf und lässt das Sonntagsglück leuchten: "Schau, da drübn geht der Mond auf und olles wega dir", singt er mit bayrischem Charme. Mit Satire, Schalk und Schnurren in und zwischen den Zeilen entlarvt er Pseudoweisheiten: "Diese Esoterik tut dem Erik gut, weil sie ihm nicht schaden tut". Leise sind seine Töne bei den echten Gefühlen: "Südwind von gestern, Sonne von morgen".

Der Gitarrist Philipp Stauber begleitet ihn genial improvisierend und lässt transparent die Liedtexte nachklingen. Der Musiker vom Chiemsee gilt als klassischer Jazzgitarrist und ist seit Jahren als Live- und Studiomusiker gefragt. Ev Dörsam zitiert bei ihren Dankesworten: "Dieser Liederabend ist kein Kabarett, kein Klamauk. Mit berückender Einfachheit besingt er die Illusionen und die notwendigen Enttäuschungen. Dietl ist fast so wie gutes Starkbier".

Sie lädt im Namen der Gemeindebücherei und des Förderkreises Schlössle ein, das Panoptikum der skurrilen Bilderwelt zu betrachten, zu schmunzeln, zu lächeln und auf den Flügeln der Fantasie ins Kinderreich aller Möglichkeiten zu reisen. "Wenn ich zwei Vöglein wär und auch vier Flügel hätt".

Die Besucher genießen das Bilderglück. Die Radierungen zeigen Drahtseilakte, bei denen sich die Gedichte und die zeichnerischen Einfälle die Balance halten. Tierisches wird da allzu menschlich. Da gibt es Fabeln von Ameisen, Seepferdchen, Giraffen und sechsbeinigen Elefanten. Denn "Überall ist Wunderland. Überall ist Leben". Selbst im Sand, denn "Kinderfinger fühlen, wenn sie in ihm wühlen, nichts und das Himmelreich". Nie verletzen Erhard Dietls Bilder. Schwächen macht er zu Stärken. Hans mit der langen Nase hört, dass man über ihn lacht. Der Ulk folgt ihm auf Schritt und Tritt Hans lacht mit und wird so zum "Nasenkönig".

Der Abend in der Lenninger Gemeindebücherei war vergnüglich mit hintersinnigen Liedern, Texten und Bildern. Wer jetzt naseweis geworden ist, kann sich die Ausstellung bis 2. März anschauen, jeweils dienstags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs von 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 15 bis 19.30 Uhr, freitags von14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr. Kinder ab fünf Jahren sind am Mittwoch, 15. Februar von 14 bis 15 Uhr zu einer Märchenstunde mit den Bildern von Erhard Dietl in die Bücherei eingeladen. Ev Dörsam verspricht, dass es eine Menge lustiger Gedichte und Geschichten zu hören gibt.