Lokale Kultur

"Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen . . ."

KIRCHHEIM Das Goethezitat "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen . . ." aus dem Prolog des "Faust" hätte dem abwechslungsreichen und vielseitigen Programm als Motto dienen können,

ERNST KEMMNER

mit dem sich das Sinfonische Orchester der Kirchheimer Musikschule unter der Leitung von Johannes Stortz im amphitheatralischen Saal der Waldorfschule in Ötlingen vorstellte.

Das stark zwanzigköpfige Streichorchester mit den erfahrenen Musikschullehrern Regina und Takashi Otsuka quasi als "Korsettstangen" in ihren Reihen und Musikschulleiter Thomas Arnold am Cembalo boten zum Konzertauftakt das Konzert d-Moll für Oboe, Violine, Streicher und Basso continuo von Johann Sebastian Bach (1685 1750) dar, wobei die beiden Soloparts von Annkathrin Sonder (Oboe) und Bernhard Sigel (Violine) gestaltet wurden.

Dieses im Konzertsaal nicht sehr häufig zu hörende Werk ist im Hinblick auf das Wechselspiel zwischen Solisten und Tutti und den Solisten untereinander eine nicht zu unterschätzende kammermusikalische Aufgabe, auch deshalb, weil seine kompositorische Form von höchster Klarheit und Transparenz ist, die Fehler kaum verzeiht. So war von Anfang an klar, dass an ein so junges Orchester nicht allerstrengste Maßstäbe angelegt werden durften.

Den ansprechend musizierten Einstieg bildete ein Allegro, das beschwingt drängend aber nicht verhetzt gestaltet wurde, wobei die beiden Solisten geschmeidig aufeinander reagierten. Kleine Wackler wurden dabei durch sehr gelungene Abschnitte mehr als kompensiert. Im ruhig und tonschön schwingenden Adagio mit einleitendem Oboenmotiv, das von der Solovioline aufgenommen und dann vom Tutti verarbeitet wird, brachte das Ensemble vor allem den einschmeichelnd melodiösen Charakter zur Wirkung. Die Begleitung war dabei merklich zurückgenommen, um die Solisten Annkathrin Sonder mit sonor tragendem Oboenklang und Bernhard Sigel mit zierlichem Geigenton besonders hervortreten zu lassen.

Im abschließenden mit forsch temperamentvollem Drive musizierten Allegro waren sich Solisten und Tutti in punkto Tempovorstellung anfänglich nicht ganz einig, bevor noch eine mitreißende Vorstellung gelang. Was das Streichorchester wirklich zu leisten imstande ist, kam in der sehr bekannten Serenade op. 20 für Streichorchester des Briten Edward Elgar (1857 1934) zum Vorschein. Waren bei Bach noch Trübungen der Intonation und kleinere rhythmische Unabgestimmtheiten hörbar gewesen, so wurde hier sensibel und auf hohem gestalterischem Niveau musiziert.

Im Allegro piacevole mit teils diffizilen Harmonien wurde auf schöne Tonentfaltung und bei aufsteigender und abfallender Melodieführung auf ausgefeilt expressive Dynamik geachtet. Ein sicheres rhythmisches Bratschenfundament trug hier seinen Teil zum Gelingen bei. Höchst eindrucksvoll auch das Larghetto: seine durchsichtigen Melodienbögen, aufblühend, dann zart verklingend musiziert, glänzten geradezu vor Klangschönheit. Das abschließende Andantino, mit wirkungsvoll gesetzten dynamischen Akzenten und volltönender Klangfülle, über raunend pulsierendem Motiv der tiefen Streicher, musiziert, konnte ebenfalls voll überzeugen.

Nach der Pause gab es dann die musikalische Zäsur, indem das Streichorchester um einen stattlichen Blech- und Holzbläserapparat erweitert wurde, zu dem sich noch Klavier, Schlagwerk und E-Gitarre gesellten. In den gebotenen drei Stücken von Peter Tchaikovsky (1840 1893) sollte sich zunächst als größtes Problem erweisen, Bläser- und Streicherintonation zusammenzubringen. Nachdem dies besser gelang, konnte der Tanz der Schwäne (Allegro moderato) mit seinem grazil musizierten Tanzrhythmus mit eingestreuten synkopierten Sequenzen und dem fulminant abrupten Schluss durchaus gefallen.

Auch das ohrwurmartige Motiv der Valse (Tempo di Valse) mit dem wirkungsvoll schmetternden Satzabschluss zog die Hörer in seinen Bann, ebenso wie die reißerisch hörerwirksame Farandole von Georges Bizet (1838 1875). Hier kamen der jugendliche Elan und die überschießende Power des Orchesters, befeuert durch das temperamentvolle Dirigat von Johannes Stortz, voll zur Geltung. Vor allem der mit fast martialischem Touch daherkommende Schluss mit vollem Blech und hämmernden Paukenwirbeln hinterließ beim Auditorium Wirkung.

Mit Ronan Hardimans "Lord of the Dance" von 1996 erfolgte dann noch der nicht ganz unerwartete "Crossover" zur U-Musik. Vor dem geistigen Auge der Hörer erstand bei der Darbietung des evergreenhaften Hauptmotivs das Bild eines wild und mit atemberaubender Geschwindigkeit steppenden Michael Flatley, der diesen Hit ja erst zum Welterfolg machte. Ein wahrhaft fulminanter Kehraus, am Schluss mit scharf angezogener Stretta, der zum echten "Rausschmeißer" geriet und vom begeisterten Publikum anhaltend beklatscht wurde. In Fortführung des Goethezitats aus dem Titel hätte man hier resümierend feststellen können: " . . . und jeder geht zufrieden aus dem Haus."

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