Lokale Wirtschaft

Wertemanagement als Zukunftsaufgabe

Der Kirchheimer Bund der Selbstständigen (BDS) gab seinen Herbstempfang in der Naberner Zehntscheuer. Musikalisch umrahmten Streicher der Musikschule Kirchheim die Veranstaltung. Den Festvortrag hielt Professor Dr. Josef Wieland zum Thema "Wertemanagement Zukunftsaufgabe der Unternehmen".

PETER SCHUSTER

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KIRCHHEIM Vor dem Festvortrag beschrieb Wolf-Rainer Bosch die aktuelle Situation der deutschen Wirtschaft, die sich "mit einer Zuwachsrate von 2,4 Prozent überraschend gut entwickelt". Als besonders erfreulich wertete der BDS-Vorsitzende den "Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 470 000".

Bezogen auf die Situation vor Ort ist aus der Sicht von Wolf-Rainer Bosch die um 15 Prozent gestiegene Zahl der Ausbildungsplätze im Bereich Esslingen-Nürtingen erfreulich. In absoluten Zahlen bedeute das "einen Zuwachs von über 300 Vertragsabschlüssen". "Der beste Ausbildungspakt ist eben immer noch eine gut funktionierende Wirtschaft", resümierte der Kirchheimer BDS-Chef.

Dass die Stadt Kirchheim, die in diesem Jahr zwei Millionen Euro mehr an Gewerbesteuer einnimmt, daran denkt, den Gewerbesteuersatz von 360 auf 380 Prozentpunkte zu erhöhen, sieht der Wirtschaftsmann kritisch. Er stellte die Frage, ob die Schwierigkeiten der kommunalen Finanzierung auf dem Rücken der Kirchheimer Betriebe ausgetragen werden. "Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Probleme vieler Unternehmen sollte diesen die Gelegenheit gegeben werden, Rücklagen für die Zukunft zu bilden. Gerade die Stabilität des Hebesatzes wird von der Industrie- und Handelskammer als eine der wesentlichen Stärken des Wirtschaftsstandortes Kirchheim gesehen", begründete Wolf-Rainer Bosch seine Kritik an der geplanten Anhebung der Gewerbesteuer.

Bosch lobte die gute Kommunikation der Stadtverwaltung mit den Selbstständigen. Verschiedene Projekte stellte der Vorsitzende vor, die der BDS in Kirchheim in Gang brachte, wie zum Beispiel das Projekt Tandem-Ausbildung, die erfolgreiche BDS-Messe High-Teck, die im Herbst kommenden Jahres stattfindet, sowie das in der Realisierungsphase befindliche Projekt Schule und Wirtschaft als Partner ("SWaP").

In seinem Festvortrag beleuchtete Professor Dr. Josef Wieland, Direktor des Konstanzer Instituts für Wertemanagement, die Herausforderung, die durch die Globalisierung entsteht. Ganze Unternehmen verändern ihren Charakter. "Wer der Daimler war, war klar, aber wer Daimler-Chrysler ist, weiß man bis heute nicht", führte der Festredner als Beispiel für ein deutsches Unternehmen an, das die Globalisierung veränderte. Er stellte die These in den Raum, dass "eine Wirtschaft ohne moralische Werte nicht existieren kann". Der Wissenschaftler begründete dies mit den Regeln der Wirtschaft, die darauf basieren, dass wirtschaftliche Verpflichtungen eingehalten werden.

Gerade in der globalen Welt haben die Unternehmen mit Ländern und Kulturen zu tun, die sich um die westlichen Werte nicht kümmern. China, Indien und Osteuropa haben andere Wertesysteme. Für deutsche und westlich orientierte Unternehmer sind Verträge ein verbindliches juristisches Regelwerk, das einklagbar ist. "Für einen Chinesen ist es eine Grundlage, über die man in Zukunft reden kann." In China sei zudem der Klau von Know-how kein Problem und werde von dortigen staatlichen Stellen praktisch nicht sanktioniert.

Als ethisches Problem der Globalisierung benannte der Wissenschaftler, dass große Firmen Bestandteil von Auswirkungen werden, die "wir hier ablehnen, wie zum Beispiel niedrige soziale Standards, Umweltzerstörung, Ausbeutung von Menschen". Einzelne Unternehmen haben deshalb ein Wertemanagement entwickelt, mit dem sie sich zum Einhalt gewisser ethischer Standards verpflichten. Das Unternehmen Otto-Versand, das weltweit produziert, habe sich zur Einhaltung von ethischen Standards verpflichtet wie dem Ausschluss von Kinderarbeit oder der Einhaltung von Wochenarbeitszeiten. Ein Unternehmen, das sich um Wertemanagement bemüht, werde damit zur Sicherung des Unternehmenserfolgs beitragen, indem es profitabler ist, vor Wirtschaftskriminalität geschützt ist, bessere Markteintrittschancen hat und aufgrund seiner ethischen Standards bei Aufträgen bevorzugt wird. So lautete die abschließende These des Referenten.