Lokale Wirtschaft

"Wettbewerbe geben mir den absoluten Kick"

KIRCHHEIM Der süßliche Duft von Shampoo und Haarspray durchströmt den von Trockenhauben und Föhnen erwärmten Raum. Hie und da klappert eine Schere, Kunden un-

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ANJA WEISSINGER

terhalten sich, manche lesen Zeitschriften oder trinken Kaffee. Hier ist Mike Hoffmann in seinem Element: Haare schneiden, föhnen, bürsten, färben, waschen, legen, tönen oder hochstecken, all das bereitet ihm Freude.

Seinen Traumberuf hat der 33-Jährige im elterlichen Betrieb in Reutlingen erlernt. Seit 1990 arbeitet er in Kirchheim und ist seit fünf Jahren Teilhaber im Friseursalon "intercoiffeur Rabel". Sein Interesse an Haaren, Schnitten und Frisuren geht jedoch weit über die Arbeitszeit hinaus. Auch die gesamte Freizeit opfert er seiner Passion dem Frisieren. "Ich hab eigentlich fast kein Privatleben", gesteht er sich ein. Regelmäßig nimmt er an nationalen und internationalen Wettkämpfen teil und das mit Erfolg. Auf Grund seiner Teilnahme an zahlreichen Wettbewerben in den vergangenen zwei Jahren, wurde er vom Zentralverband der Friseure für das deutsche Nationalteam nominiert. Gemeinsam mit fünf anderen Haarprofis durfte er an der Hair-World-Meisterschaft 2004 der "Organisation Mondiale Coiffeur" der Weltmeisterschaft der Friseure teilnehmen.

Im Vorfeld müssen dazu Schnitte und Frisuren entworfen werden. Inspirieren lässt der "Künstler" sich dabei von internationalen Modezeitschriften. Auch der Haarschmuck, der beim Wettbewerb dann in die Frisur integriert wird, muss selbst hergestellt werden. Mit Strasssteinen, Swarowskikristallen, Draht und Heißklebepistole werden die eigenen Kreationen gefertigt: "Mein Wohnzimmer sah aus wie eine Bastelstube", erinnert er sich im Nachhinein.

Wie Leistungssportler für Olympia trainieren, musste auch er sich auf die Weltmeisterschaft vorbereiten. Zum Trainingslager reiste er vor der anstehenden Meisterschaft gemeinsam mit Nationalteam, verschiedenen Modellen und Bundestrainer an den Gardasee. Sechs Tage lang wurde von morgens bis abends geschnitten, geföhnt, gefärbt und vor allem hochgesteckt, denn beim Wettkampf gilt es, die Frisur in kürzester Zeit so perfekt wie möglich zu kreieren. Zwischen 20 und 25 Minuten haben die Teilnehmer, um den Haarschopf ihres Modells in ein Kunstwerk zu verwandeln. "Vor allem Hochsteckfrisuren und das Föhnen der verschiedenen Schnitte muss man trainieren das muss auf die Minute passen!", berichtet Hoffmann mit leuchtenden Augen. Doch bei den Modellen muss nicht nur die Frisur sitzen, auch Make-up und Outfit harmonieren mit der Frisur, denn das Gesamtbild des Modells muss stimmen. Dabei werden auch besondere Ansprüche an Körpergröße und Haarbeschaffenheit gestellt.

Mit seinem Debüt als Teilnehmer der Weltmeisterschaft in Mailand ist Mike Hoffmann äußerst zufrieden: Das deutsche Team belegte den vierten Rang und konnte damit 56 andere Nationen hinter sich lassen. Der deutsche Vizemeister nimmt aber auch außerhalb des Nationalteams an Wettkämpfen teil. Beim Grand-Prix der Friseure in Paris gewann er vor kurzem die Goldmedaille. Paris hat er speziell zur Vorbereitung für die Weltmeisterschaft genutzt, um noch einmal die Wettbewerbsatmosphäre aufzusaugen. Außerdem war es wichtig, seine Kreationen und seine gesamte "Linie" im internationalen Vergleich zu sehen.

"Mein Herz gehört den Wettkämpfen", gesteht er sich ein. Sie geben ihm die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung und zur kreativen Arbeit: "Wettbewerbe geben mir den absoluten Kick!"

Neben der vielen Zeit, die er mit Wettbewerben und deren Vorbeitung verbringt, gibt der Landesmeister noch Haarschneideseminare. In großen Hallen und auf Messen schult er andere Kollegen. Doch auch die alltägliche Arbeit im Friseursalon macht ihm Spaß. Auch dort kommt seine "Linie" zum Einsatz: Er setzt auf Natürlichkeit, versucht den Haaren ihre Form zu lassen und sie nicht künstlich in Schnitte zu zwängen. Auch wenn er im Berufsalltag nicht so kreativ sein kann wie bei Wettbewerben, ist er gerne Friseur: "Ich kann mir keinen interessanteren Beruf vorstellen."