Lokale Wirtschaft

Wettbewerbsfähigkeit beginnt bereits im Klassenzimmer

Bei der Suche nach einer Lehrstelle stehen viele Schüler vor einer schier unüberwindbaren Hürde. Ein neues Projekt, das der Bund der Selbstständigen Kirchheim ins Leben gerufen hat, soll Schule und Wirtschaft stärker verzahnen und Jugendlichen damit den Eintritt ins Berufsleben erleichtern.

BIANCA LÜTZ

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KIRCHHEIM "Viele Schulabgänger haben in den vergangenen Jahren erhebliche Probleme gehabt, einen Ausbildungsplatz zu finden", sagte Wolf-Rainer Bosch, Vorsitzender des Bunds der Selbstständigen Kirchheim (BDS), bei der Auftaktveranstaltung zu "Schule und Wirtschaft als Partner" (Swap). Ziel des Projekts ist es, Schulen und Betriebe stärker zu verzahnen und dadurch vor allem Schülern, aber auch der Wirtschaft, neue Chancen zu eröffnen. "Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt nicht in den Fabrikhallen oder im Forschungslabor. Sie beginnt im Klassenzimmer", zitierte Wolf-Rainer Bosch den amerikanischen Automobilmanager Lee Iacocca. Für Innovation und Fortschritt im Land sei es unerlässlich, Kinder und Jugendliche frühzeitig an die Berufswelt heranzuführen, betonte der BDS-Vorsitzende.

Ins Leben gerufen wurde "Swap" bei einem gemeinsamen Treffen der Kirchheimer Schulleiter und eines Projekt-Teams des BDS im März vergangenen Jahres. Beteiligt sind die zwölf Kirchheimer Schulen, an denen Jugendliche ab Klasse fünf aufwärts unterrichtet werden. Zudem haben bis zum jetzigen Zeitpunkt 60 Mitglieder des BDS ihre Bereitschaft erklärt mitzuwirken ein weiterer Zuwachs ist durchaus erwünscht. Beim offiziellen Auftaktabend im Henninger-Saal der Kirchheimer Kreissparkasse saßen die neu formierten Schulteams im Idealfall bestehend aus den Rektoren und jeweils zwei Vertretern von BDS und Schulen nun zum ersten Mal gemeinsam an einem Tisch.

"Ein derartiges Projekt kann die aktuellen Angebote für unsere Schüler beim Übergang von der Schule in den Beruf nachhaltig unterstützen", lobte Eberhard Schweizer, Rektor der Freihof-Realschule und geschäftsführender Schulleiter in Kirchheim. Bereits jetzt bestehen in der Teckstadt gute Kontakte zwischen den Bildungseinrichtungen und ortsansässigen Betrieben. Diesen vorhandenen Angeboten möchte "Swap" keinesfalls Konkurrenz machen, sondern sie vielmehr sinnvoll ergänzen.

Was das Besondere an "Schule und Wirtschaft als Partner" ist, erläuterte Steffen Kernstock , Mitglied der BDS-Projektgruppe und technischer Koordinator. Zum einen wird es eine Datenbank geben, die die Beteiligten über alle Angebote informiert: Darin ist beispielsweise festgehalten, welcher Betrieb Ausbildungs- und Praktikumsplätze zur Verfügung stellt, wo Betriebsbesichtigungen möglich sind, welche Firmen Bewerbertrainings, Expertengespräche oder Infoveranstaltungen anbieten. Ermittelt hat der BDS die Basisdaten über eine Umfrage unter seinen 250 Mitgliedsbetrieben. "Die Schüler stehen im Vordergrund", berief sich Steffen Kernstock auf das oberste Ziel des Projekts. Es ist parteilich und politisch unabhängig und darf nicht kommerziell genutzt werden.

Eine Besonderheit besteht zudem darin, dass "Swap" stark schulspezifisch ausgerichtet ist und jeder einzelnen Bildungseinrichtung individuelle Ansprechpartner aus der Wirtschaft zur Seite stellt. "Hauptschulen haben ganz andere Ansprüche als Gymnasien", erläuterte Waltraud Ziegler, Mitinitiatorin der BDS-Projektgruppe, einen der Hintergründe.

Dies bestätigten auch die Ergebnisse des Workshops beim ersten Treffen der Partner. So haben insbesondere die Hauptschulen mit einem massiven Verdrängungswettbewerb zu kämpfen. Nur in wenigen Berufszweigen gibt es für Absolventen noch realistische Chancen. Stärker noch sind Abgänger der Förderschule betroffen. Für sie kommen nur Berufe mit besonders praktischer Ausrichtung in Frage, etwa Werker- oder Fachwerkerausbildungen. Von Vertretern fast aller Schularten kam der Ruf, engere Kontakte zwischen Schülern und Auszubildenen herzustellen. Auch längerfristige Nachmittagspraktika, Einblicke in Berufsfelder für angehende Studenten und Evaluationen der Berufsinformationsangebote von Seiten der Schüler sind angedacht.

"In einer strategischen Allianz von Schülern, Eltern, Lehrern und Betrieben wird es sehr darauf ankommen, Brücken zwischen den Beteiligten zu bauen, die uns letztlich gemeinsam voranbringen", sagte Wolf-Rainer Bosch. Vor Augen haben die Teilnehmer von "Swap" ein Ideal, das Eberhard Schweizer treffend in Worte fasste: "Kein Abschluss ohne Anschluss."