Kirchheim

Wie ein Schiff auf stillem Gewässer

Jahrestag Franz und Margarete Luise Hohner aus Kirchheim sind seit 60 Jahren verheiratet.

Franz und Margarete Hohner erscheinen wie ein Traumpaar aus dem Bilderbuch. Foto: Carsten Riedl
Franz und Margarete Hohner erscheinen wie ein Traumpaar aus dem Bilderbuch. Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. Am 29. August 1958 schworen sich Franz und Margarete Luise Hohner ewige Verbundenheit in Liebe. Seit sechs Jahrzehnten meistern sie gemeinsam die Höhen und die Tiefen des Ehelebens.

Morgen feiert das Paar diamantene Hochzeit. Die ganze Familie ist eingeladen, darunter Tochter Friedlinde, Sohn Samuel und der achtzehnjährige Enkel Philipp. Die Tochter organisiert die Feier. Geplant ist ein leckeres Essen auswärts und anschließend eine Familienrunde daheim.

Margarete und Franz Hohner erinnern sich an den Tag ihrer Hochzeit, als wär‘s erst gestern gewesen. Am Samstag heiratete das junge Pärchen standesamtlich, und am Sonntag wurden sie kirchlich getraut im engsten Kreise.

Wie sieht das Geheimnis einer solch langen Ehe aus? „Liebe“, entgegnet Franz Hohner mit dem Blick auf seine Frau gerichtet, „wahre Liebe.“ Dass die beiden ein eingespieltes Team sind, zeigt sich schnell. Gemeinsam übernehmen sie die Haus- und Gartenarbeit, sorgen und kümmern sich umeinander. Das Reisen und die Arbeit im Garten sind die große Leidenschaft der beiden. So verbergen sie auch nicht ihren Stolz über die eigens angebauten Tomaten. „Meine Frau ist die perfekte Hausfrau“, stellt Franz Hohner mit Tränen in den Augen fest, „Sie sehen ja selbst, wie ordentlich und sauber es hier ist.“

Sein Rat für frisch Vermählte: „Man sollte nie vergessen, was man sich einst versprochen hat und einander immer treu bleiben.“ Deshalb versteht er auch die Ehepaare nicht, die sich im späten Alter noch scheiden lassen. „Das Kennenlernen geht schnell, das Heiraten geschieht schnell, aber die Zeit danach, die ist die alles entscheidende Phase“, erklärt der 88-Jährige. „Die Liebe muss sich nach der Heirat erstmal bewähren, und sobald man diese Eingewöhnungsphase überstanden hat, folgt der glückselige Frieden - wie ein Schiff auf stillem Gewässer.“ Klar gebe es auch mal stürmische Gezeiten, aber das bringe eine Ehe so mit sich. „Wir sind schließlich auch zwei individuelle Wesen.“

Franz Hohner kommt ursprünglich aus Ungarn und wurde in Vaskut, einem kleinen Dorf im Süden des Landes, geboren. 1944 flüchtete er aus seinem Heimatort, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen. Die Reise mit dem Zug führte von Budapest über Salzburg und Tirol bis ins Schwabenland, wo seine Fahrt zunächst in Reichenbach an der Fils endete. Mit sechzehn begann er eine Ausbildung als Elektromechaniker und bildete sich als Maschineneinrichter weiter. Nach dem zweiten Weltkrieg 1945 wandte er sich dem evangelischen Glauben zu und lernte im Chor der Kirchheimer Pfingstgemeinschaft seine Frau kennen. Margarete Hohner bezeichnet sich selbst als waschechte Donauschwäbin, wurde aber in Stuttgart geboren. Sie war als Kettlerin bei Battenschlag tätig.

Das harmonische Duo lernte sich schnell kennen und lieben. Schon 1955 bauten sie ihr eigenes Haus in Kirchheim, in dem sie seither glücklich leben.Maik Treder

Anzeige