Lokale Kultur

„ . . . wie jeder woiß, dui Spur isch hoiß . . .“

Beuren. Wer von Mundartstücken mit Laiendarstellern schon grundsätzlich nicht allzu viel hält und vom Premierenabend daher vielleicht auch nicht sofort uneingeschränkt

Anzeige

wolf-dieter truppat

überzeugt war, dürfte spätestens nach der Pause sämtliche Vorurteile über Bord geworfen haben, um sich nicht länger der vorherrschenden Begeisterung zu verweigern.

Spätestens als das zunächst tatsächlich etwas behäbig daherkommende Stück im Schnelldurchlauf durch originellsten „Schwaben-Rap“ auf den Punkt gebracht wurde, lösten sich sicher auch die letzten Ressentiments spurlos auf.

In ihrer muffigen Ermittler-Amtsstube erinnerten Kommissar Köberle und sein übereifrigen „Kollege“ Schwertle in ihrer „mentalen Übereinstimmung“ und „kollegial-freundschaftlichen“ kooperativen Zusammenarbeit stark an „Hannes“ und seinen „Bürgermeister“. Nach der Pause standen die Ermittler gemeinsam mit den üblichen Verdächtigen in Trenchcoats mit hochgestellten Krägen „cool“ swingend auf der in Blaulicht getauchten Bühne und wurden vom schwäbisch rappenden „Aushilfssheriff“ richtiggehend aufgepeitscht.

Nachdem die Besucher zuvor schon Gelegenheit hatten, sich da­rauf festzulegen, wer denn nun für das Verschwinden der wohlproportionierten Marienbüste verantwortlich war, wurde der Fall schließlich im Beisein aller Verdächtigen endgültig aufgeklärt. Kommissar Karl Köberle hat nach diesem überzeugenden Finale keineswegs Grund, sich hinter legendären Kollegen wie Hercule Poirot oder Sherlock Holmes zu verstecken. Wenn überhaupt vor jemand, dann vielleicht nur hinter seiner Frau Sieglinde, die wiederum der etwas schrulligen und daher stets unterschätzten Miss Marple durchaus gewachsen wäre . . .

Das vor Beginn der Pause von einer grell bebrillten Sprecherin noch einmal zusammengefasste Geschehen hätte gerade so gut mit der Floskel „Für mich ist der Fall klar – und für Sie?“ ans rätselnde Publikum weitergegeben werden können, wie in Jürgen Rolands früher Kult-Krimiserie „Dem Täter auf der Spur“. Vier Milcheimer mit den Konterfeis der Hauptverdächtigen standen für das auch hier mitermittelnde Publikum bereit. Der „Pegelstand“ in den Abstimmungseimern ließ dabei schon klar erkennen, dass die meisten Besucher sehr gut aufgepasst hatten. Beim verspäteten Gang zum Wahltisch war nicht zu übersehen, in welche Richtung der verlässliche „Publikumsjoker“ ausschlägt, der damit auch hier die eindeutig richtige Lösung mehrheitsfähig gemacht hatte.

Nach der nicht unbedingt überraschenden Auflösung und dem dann kaum mehr zu verhindernden Ende des gelungenen Premierenstücks wurde dann einfach noch einmal gerappt wie wenn es das letzte und gesungen, gelacht und mitgeklatsch wie wenn es das erste Mal wäre.

Wenn es stimmt, dass Applaus das Brot der Künstler ist, wären die Mitglieder der Theatertruppe „Lammfromm“ im Schafstall des Neuffener Freilichtmuseums in der Lage gewesen, selbst den größten Hunger zu stillen und dabei auch an die vielen Mitstreiter vor und hinter der Bühne zu denken, die in einer eindrucksvollen Ensemble-Leistung das ehrgeizige Projekt zu einem nicht zu übersehenden Erfolg gemacht hatten. Da machte es auch gar nichts aus, dass Landwirtschaftsminister Rudolf Köberle der Einladung zum Premierenabend im „Schafstall“ nicht hatte folgen können . . .