Lokale Wirtschaft

"Wir legen Wert auf tierart- und umweltgerechte Forschung"

Professor Dr. Dr. h.c. Rainer Mosenthin aus Weilheim ist um eine Auszeichnung reicher: Die Veterinärmedizinische Akademie in Litauen hat dem Experten für Futtermittelwissenschaften die Ehrendoktorwürde verliehen. Das internationale Renommee des an der Uni Hohenheim lehrenden Dozenten beweist auch das aktuelle Angebot der kanadischen University of Alberta, dort einen Lehrstuhl zu besetzen.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Korea, China, Holland, USA, Australien, Indien, Pakistan, Ägypten zu Lehrveranstaltungen, Seminaren und Fachkonferenzen ist Professor Dr. Rainer Mosenthin um den ganzen Globus gereist. "Das Internet ist gut, um Kontakt aufzunehmen persönliche Begegnungen kann es aber auch in der Forschung nicht ersetzen", meint der 56-Jährige. "Da muss die Chemie stimmen." Die stimmte offenkundig auch mit Lehrenden der Veterinärmedizinischen Akademie in Litauen. Nach der Öffnung der Staaten im Osten hatte Mosenthin Kontakte zu der litauischen Hochschule geknüpft und Veranstaltungen organisiert. Inzwischen betreut er zwei Doktoranden und mehrere Masterstudenten der Akademie.

Im schleswig-holsteinischen Neumünster als Sohn eines Landwirts geboren, lag es für Mosenthin nahe, in Kiel Agrarwissenschaften zu studieren. Eine besondere Verbindung unterhält der Träger nationaler und internationaler Wissenschaftspreise zur University of Alberta in Edmonton: Als Stipendiat und später auch als Gastprofessor verbrachte er insgesamt fünf Jahre an der kanadischen Universität und begann dort auch seine Habilitationsschrift zu verfassen, die er in Kiel abschloss. Nach dem Zwischenspiel einer einjährigen Professur an der Veterinärmedizinischen Hochschule in Hannover wechselte der Agrarwissenschaftler 1995 an die Uni Hohenheim. Damit verknüpft war der Umzug der fünfköpfigen Familie auf den Weilheimer Egelsberg.

Eine Zielsetzung von Mosenthins Grundlagenforschung ist, das Tier modellhaft für die menschliche Ernährung zu betrachten. So können beispielsweise probiotisch wirksame Mikroorganismen auch beim Schwein überprüft werden. Dabei handelt es sich um lebende Bakterien, die helfen, die Abwehrkräfte zu stärken. Der Einsatz von Antibiotika kann damit überflüssig werden.

In seinem Forschungszweig hat Mosenthin in den vergangenen Jahrzehnten einen Wandel ausgemacht: "Früher wurde mehr leistungsorientiert geforscht es ging beispielsweise darum, das Wachstum von Schweinen zu beschleunigen. Bei aller Effizienz und Ökonomie, die wir nicht außer Acht lassen dürfen: Heute legen wir mehr Wert auf tierart- und umweltgerechte Forschung." Als klassisches Beispiel für nicht tierartgerechte Ernährung führt der Experte den BSE-Skandal an. Die Erkrankung hatte ihren Grund darin, dass Rinder Tiermehl gefüttert bekamen. "Ein Wiederkäuer will aber keine Kadaver fressen", macht der Wissenschaftler klar.

Ein Forschungsschwerpunkt Mosenthins ist ein neues Konzept zur Proteinbewertung von Futtermitteln. Von Interesse ist dabei unter anderem die Proteinqualität. "Unsere Erkenntnisse haben dazu geführt, dass Schweine mit einer optimalen Ration an Proteinen und Aminosäuren versorgt werden können", sagt der Dozent. Denn jeder Überschuss müsse ja auch wieder ausgeschieden werden. Weil dieser Überschuss unter anderem Stickstoff enthält, könne die Überdüngung der Felder durch Gülle mit der optimalen Menge an Protein und Aminosäuren im Futter vermieden werden. Nicht nur mit diesem Forschungsergebnis leistet der Wahl-Weilheimer einen Beitrag für die landwirtschaftliche Praxis und nicht zuletzt auch für die Umwelt.