Lokale Wirtschaft

"Wir müssen auf Marktveränderung reagieren"

Auch wenn ein Teil der Produktion nach Heroldstadt ausgelagert werden wird, versichert Hans Dietz von der gleichnamigen Wurstfabrik, dass der Standort in Schopfloch gesichert ist und fortbestehen wird.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Vor allem veränderte Marktbedingungen lassen Hans Dietz an Expansion und Produktionsveränderungen denken. "Marktforschungen haben gezeigt, dass 1999 die Verbraucher 25 Prozent der Wurstwaren an der SB-Theke gekauft haben, in diesem Jahr sind es schon 55 Prozent und Experten gehen davon aus, dass dieser Zweig in den kommenden fünf Jahren auf etwa 80 Prozent ansteigen wird", sagt Hans Dietz. Diesem veränderten Konsumverhalten will er mit einer Fertigungsanlage in Heroldstadt Rechnung tragen. Dorthin ausgelagert werden die Frischwaren, dazu gehört das komplette Schinkensortiment sowie die Brüh- und Kochwürste. "Für diese Anlage, die nach dem Reinraumprinzip konzipiert ist, brauchen wir Platz. Die Luft wird entkeimt, damit keine Bakterien auf die Ware gelangen können. Bei zwei Grad Celcius wird die Wurst oder der Schinken verarbeitet und verpackt", so der Firmenchef. "Wir haben Handelspartner. Würden wir diese Entwicklung verschlafen, wären wir nicht marktfähig und hätten keine Zukunftschancen", begründet Hans Dietz die Entscheidung.

In Schopfloch gebe es für eine derartige Fabrik mit einer großen Verpackungsanlage keinen Platz, weshalb in Heroldstadt gebaut wird. "In der Verpackungstechnologie hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Es bestehen ganz andere Anforderungen als 1995, als wir in Schopfloch gebaut haben", erläutert Hans Dietz. Geschwächt würde dadurch der Standort Schopfloch nicht. "Das Gegenteil ist der Fall", versichert er. "Wenn wir erst einmal in Heroldstadt sind, können wir neue Strukturen schaffen, da wir in Schopfloch mehr Platz haben", so der Firmenchef.

Die Verarbeitung der Konserven bleibt komplett in Schopfloch. Die von Vertragsbauern gelieferten Tiere werden in Gärtringen bei Böblingen geschlachtet. Das Fleisch wird auf die Alb geliefert, dort zu Dosenwurst verarbeitet und versandfertig gemacht.

"Die Gemeinde, allen voran Bürgermeister Schlecht, haben sich um eine Lösung in Schopfloch bemüht", sagt Hans Dietz. Die Infrastruktur habe dafür aber nicht gestimmt. "Das ist in Heroldstadt anders, dort gibt es ganz andere Zugeständnisse", erklärt Hans Dietz. Dank staatlicher Fördermittel werden dort günstig Gewerbeflächen angeboten.

"Wir können in Schopfloch kein ebenes Gelände in dieser Größe anbieten", sagt Lenningens Bürgermeister Schlecht. Nichtsdestotrotz will er an der Erweiterung des Gewerbegebiets Härtwasen festhalten und entsprechende Forderungen beim Landratsamt in Esslingen stellen, auch wenn sich etwa die Hälfe der Fläche im Landschaftsschutzgebiet befindet. "Wenn wir der Firma Dietz in Schopfloch keine vernünftigen Entwicklungsmöglichkeiten anbieten können, wird der Standort immer fraglicher", befürchtet Michael Schlecht. Deshalb will die Gemeinde der Firma Dietz mittel- bis langfristig die Perspektive bieten, die sie für ihre Entwicklung braucht, um sie am Ort halten zu können.

"Unglaublich bedauerlich" sei es, dass die von der Wurstfabrik benötigten Flächen nicht beim Firmensitz bereit gestellt werden konnten und deshalb ein Teil der Produktion ausgelagert worden sei. Schlecht hofft, dass dies nicht das schleichende Aus für den Standort Schopfloch bedeutet. "Wir können nicht auf die Firma Dietz verzichten", ist sich der Schultes im Klaren. Um so ärgerlicher findet er, dass bei den Kommunen unterschiedliche Wettbewerbsbedingungen herrschen. "Das Regierungspräsidium Tübingen hat völlig andere Richtlinien als das Stuttgarter. Vieles wird dort in Sachen Industrieansiedlung tolerant gesehen", sagt Schlecht. Auch die Landkreise hätten verschiedene Auffassungen in punkto Landschafts- und Naturschutz. "In Schopfloch haben wir die gleichen Strukturprobleme wie im Alb-Donau-Kreis, nur nimmt darauf im letzten Zipfel des Kreises Esslingen und des Regierungspräsidiums Stuttgart keiner Rücksicht", kritisiert der Schultes.