Lokale Wirtschaft

"Wir müssen die Betriebe langfristig sichern"

Bei ihrer Delegiertenversammlung forderten die Vertreter der IG Metall Esslingen eine regionale Industriepolitik, um die Betriebe langfristig zu sichern.

DENKENDORF Die größte Arbeitnehmerorganisation im Landkreis diskutierte bei ihrer Versammlung in Denkendorf über die in den nächsten Monaten anstehenden Aufgaben. Neben der betrieblichen Umsetzung des ERA-Tarifvertrags sowie der Vorbereitung der Betriebsratswahlen im nächsten Frühjahr wird die Anfang 2006 anstehende Tarifrunde über Löhne und Gehälter ein Schwerpunkt sein.

Anzeige

Die Tarifverhandlungen seien von der Arbeitgeberseite bereits lange vor ihrem offiziellen Beginn mit der Nicht-Verlängerung des Tarifvertrags über vermögenswirksame Leistungen und durch Angriffe auf die Akkordpause stark vorbelastet worden, beklagten die Gewerkschaftsvertreter. Zwei weitere zentrale Aufgaben für die Gewerkschaft ist der Erhalt der Flächentarifverträge sowie die langfristige Sicherung der Industriearbeitsplätze in der Region.

Der Flächentarifvertrag, der mit seinen Mindestnormen die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer absichert und auch den Unternehmen ein großes Maß an Planungssicherheit gibt, werde von immer mehr Arbeitgebern angegriffen. "Sie meinen, durch Belegschaftsopfer wettbewerbsfähig bleiben zu können, oder wollen einfach nur ihren Profit erhöhen." Hier will die IG Metall zukünftig verstärkt in die Offensive gehen und durch die Einbindung ihrer Mitglieder und die Bildung betrieblicher Tarifkommissionen den Konflikt in die Betriebe tragen und eigene Forderungen entwickeln. "Die Arbeitnehmer in diesem Land haben viel geleistet und es gibt keinen Grund, dass sie vor den Forderungen von einigen Arbeitgebern oder Banken resignieren," so Sieghard Bender, neu gewählter Geschäftsführer der Esslinger IG Metall. Vielmehr gelte es mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln, denn "wer nicht aufrecht geht, sieht die Sterne nur in der Pfütze", so Bender weiter.

Einen weiteren Schwerpunkt ihrer Arbeit sehen die Esslinger Metaller in der Entwicklung industriepolitischer Konzepte für die Region, die einhergehen müssen mit dem Angebot von genügend Ausbildungsplätzen. Dies sei nicht nur notwendig, um Jugendlichen eine Perspektive zu geben, sondern auch unverzichtbare Voraussetzung, damit die Industriebetriebe in der Region auch langfristig bestehen können. Deshalb macht sich die IG Metall stark für zusätzliche Ausbildungsplätze und wird sich zudem aktiv in die Wirtschafts- und Strukturpolitik in der Region einmischen. Den Auftakt hierzu macht eine Diskussionsveranstaltung mit dem baden-württembergischen Ministerpräsident Günther Öttinger, bei der es um die Möglichkeiten und Anforderungen an die Politik sowie die Haltung von Banken speziell gegenüber mittelständischen Unternehmen geht. Die Veranstaltung soll noch in diesem Jahr in Nürtingen stattfinden.

Eine personelle Veränderung gab es im Ortsvorstand, dem Leitungsgremium der IG Metall Esslingen. Durch den beruflichen Wechsel des langjährigen Betriebsratsvorsitzenden der Firma Delmag in Esslingen, Thomas Maier, war eine Nachwahl notwendig geworden. Ohne Gegenkandidat wurde Helmut Frick, Vorsitzender des Betriebsrats beim Esslinger Kfz-Zulieferer Eberspächer, in den Ortsvorstand gewählt.

pm