Kirchheim

„Wir müssen in der Mobilität neu denken“

Ortskern Die Verkehrsbehinderungen in Ötlingen dauern noch rund 18 Monate. Fußwege bekommen eine neue Aufenthaltsqualität. Von Thomas Krytzner

Start für den Bau des Kreisels „Am Wasen“: Der Geschäftsführer der Straßenbaufirma, Mathias Waggershauser, Kirchheims Bürgermeis
Start für den Bau des Kreisels „Am Wasen“: Der Geschäftsführer der Straßenbaufirma, Mathias Waggershauser, Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer und Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik (von links) greifen parallel zum Baggerbiss durch Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker zum Spaten. Foto: Thomas Krytzner

Den Tag der Städtebauförderung hat Kirchheims Oberbürgermeisterin, Angelika Matt-Heidecker, am Samstag genutzt, um die Bevölkerung ins Boot zu holen. In Ötlingen konnten sich Interessierte über die verschiedenen Arbeiten im Sanierungsgebiet Ortsmitte informieren. Knapp 100 Bürger folgten der Einladung ins dortige Rathaus und erfuhren aus erster Hand wichtige Neuigkeiten über die rund vier Millionen Euro teuren Bauarbeiten auf den Straßen. Die Oberbürgermeisterin erinnerte an die erste Befragung der Bürger anlässlich eines Freiraumkonzepts: 2007 fanden Interviews mit der Bevölkerung statt. Zwei Jahre später fiel der Beschluss im Gemeinderat zur Ortskernsanierung in Ötlingen.

Angelika Matt-Heidecker zeigt Verständnis für den Ärger der Pendler, die durch Ötlingen durchfahren müssen: „Die Bauarbeiten beeinträchtigen zwar die Verkehrsteilnehmer, aber das Ergebnis wird für vieles entschädigen.“ Sie brachte das zur Verfügung gestellte Lastenfahrrad aufs Tapet, das Angebote in Ötlingen zu den Bewohnern bringen soll. Die Rathauschefin ist überzeugt: „In der Mobilität müssen wir neu denken. Die Bürger sollen sich in Ötlingen wohlfühlen.“ Sie ist froh, dass Bund und Land rund 60 Prozent der Baukosten tragen.

Wolfgang Mieliz von der Landsiedlung Baden-Württemberg beschäftigt sich seit den 90er Jahren mit städtebaulichen Erneuerungen. Er freut sich: „Die Kommunen kriegen viel Geld von Bund und Land und können eigenverantwortlich vernünftige Lösungen realisieren.“ Städte und Dörfer ließen sich so gestalten. Er wies darauf hin, dass nicht nur Geld für die Kommunen locker gemacht wird,

Radfahrer auf die Straße

sondern auch für private Sanierungen. „Mit den Fördermitteln können Gebäude erneuert und modernisiert oder abgerissen und neu gebaut werden.“ In Ötlingen, so Mieliz, werden derzeit sechs private Projekte mit durchschnittlich je 33 000 Euro bezuschusst.

Joachim Sehlke, bei der Stadt für größere Straßenbauprojekte zuständig, brachte die Bürger auf den neuesten Stand: Die Bauarbeiten in der Metzinger Straße ziehen sich noch 14 Tage hin, weil dort alte beziehungsweise marode Gasleitungen entdeckt wurden, die erneuert werden müssen. Die Bauarbeiten dauern gemäß Sehlke noch rund 18 Monate. Der gesamte Ort wird 30er Zone bleiben, und die Radfahrer bekommen einen Fahrradschutzstreifen auf der Straße. Dafür haben die Fußgänger mehr Platz, und die Gehwege werden gepflastert. „Sie bekommen eine neue Aufenthaltsqualität“, betonte Joachim Sehlke. Weitere Änderungen gibt es entlang der Hauptverbindungen. Die Busse werden nach der Sanierung nicht mehr zum Anhalten in eine Bucht fahren, sondern direkt am Straßenrand anhalten. Damit lasse es sich bequemer aussteigen. Der Bus stehe rund 20 Sekunden. Joachim Sehlke hält das für Autofahrer für eine erträgliche Wartezeit.

Anschließend unternahm die Runde einen kurzen Spaziergang zur Straße „Am Wasen“. Dort soll in den kommenden Monaten ein Kreisverkehr entstehen. Den Baggerbiss übernahm Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker persönlich. Geschickt lenkte sie die große Schaufel des Baggers und gab damit den Startschuss für den Bau des Kreisels. Mathias Waggershauser, technischer Geschäftsführer des gleichnamigen Straßenbauunternehmens, Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer und Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik vollzogen parallel dazu den symbolischen ersten Spatenstich.

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