Lokale Wirtschaft

"Wir müssen innovativer, kreativer und schneller sein"

Bei seiner Mitgliederversammlung konnte der Kirchheimer Bund der Selbstständigen neben der lokalen politischen Prominenz auch die Bestsellerautorin Anne Koark begrüßen. Sie hielt einen Vortrag zum Thema "Insolvent und trotzdem erfolgreich".

MARIA GLOTZBACH

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KIRCHHEIM Der BDS-Vorsitzende Wolf-Rainer Bosch eröffnete die Mitgliederversammlung im Lindorfer Bürgerhaus und begrüßte besonders den Vorsitzenden der FDP-Landtagsfraktion, Dr. Ulrich Noll, die Landtagsabgeordneten Carla Bregenzer (SPD) und Karl Zimmermann (CDU) sowie Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker.

In Zeiten mit 5,2 Millionen Arbeitslosen, rekordverdächtigen Insolvenzraten, Qualitätsproblemen, geringem Wirtschaftswachstum und den steten Preisdruck forderte Bosch "wenn wir schon nicht billiger sein können als andere, dann müssen wir innovativer, kreativer, qualitätsbewusster und schneller sein als andere". Dies könne nur durch eine Rückbesinnung auf den Mittelstand gelingen, durch steuerliche Entlastungen und den Abbau von bürokratischen Hemmnissen, so die Vereinfachung der Verträge zwischen Kunden und Lieferanten. Allerdings, erinnerte Bosch, sei es dabei die Aufgabe des BDS, die strukturelle und wirtschaftliche Entwicklung auf kommunaler Ebene zu fördern und zu unterstützen. Dabei spiele die Kommunikation zwischen Oberbürgermeisterin, Gemeinderat und BDS einen ausschlaggebenden Faktor. Mit Freude konstatierte Bosch die kooperative Zusammenarbeit dieser Entscheidungsträger, "dies gibt Anlass zu Optimismus".

Schließlich trug Bosch die Hauptanliegen der BDS zur Wirtschaftsförderung in Kirchheim vor. Ziel sei es, die Projekte in die Öffentlichkeit zu tragen, um den Bürger mit einzubeziehen, ein Mitspracherecht bei der Zusammenarbeit zwischen City Ring und BDS und eine Zusammenarbeit zwischen Kirchheimer Unternehmen und Betrieben zur Verbesserung des Standortes Kirchheim. So erwähnte Bosch das erfolgreiche Wirtschaftsförderungsprojekt KIA (Kirchheimer Initiative zur Ausbildungsförderung), welches zwei zusätzliche Arbeitsplätze schaffen konnte, und die sehr erfolgreiche BDS-Messe "High Teck" im Oktober 2004.

Ferner berichtete Bosch über den Zukunftsdialog zwischen Stadt, City Ring, Frauen-Unternehmen und BDS. Themen waren die Landesmesse, die S-Bahn und der Einzelhandelsstandort Kirchheim. Dabei seien die Messe in Stuttgart und die S-Bahn Hoffnungsträger für die Wirtschaftsförderung Kirchheims, allerdings unterstrich Bosch: "Die Bauarbeiten für die Messe sind bereits in vollem Gange, wann die erste S-Bahn in Kirchheim einfährt, ist nach wie vor offen."

Andere Zielrichtungen des BDS sind die Bebauung des Kolb-und-Schüle-Areals und die bauliche Erneuerung des Bereiches Schweinemarkt. Anhand einer vorausgegangenen Mitgliederumfrage konnte schließlich noch festgestellt werden, dass nach Ansicht der BDS-Mitgliedsbetriebe die Verkehrsinfrastruktur, die Immobilienpreise und die Ansiedlung neuer Unternehmer in Kirchheim zu wünschen übrig lassen. Es sei aber erfreulich, erklärt Bosch, "dass fast 100 Prozent der Befragten dem Standort Kirchheim treu bleiben wollen".

Schließlich ergänzte und bestätigte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Rede des Vorsitzenden der BDS. Sie unterstrich ebenfalls die Bedeutung der Messe für Kirchheim "davon profitieren Tourismus und Hotellerie". Jedoch musste sie mit Bedauern erklären, dass durch die Kürzung im Land das S-Bahn Projekt von 2006 auf 2008 vorschoben wird. Allerdings sollen weiterhin Gespräche mit der Region und den umliegenden Gemeinden geführt werden zur Vorfinanzierung. Ein weiteres Anliegen der Oberbürgermeisterin ist es, den Dialog und die Transparenz des Wirtschaftbeirates weiterhin zu fördern, "es soll kein Geheimbund werden", sowie die Verhinderung einer Erhöhung der Gewerbesteuer, die Sanierung von Hochbauten, Brücken und Straßen.

Dr. Ulrich Noll versuchte in seiner Rede den Grund der Verzögerung des S-Bahn-Projekts zu erklären, Grund war "im Land zerren alle an den Töpfen". Er schlug vor, dass die Kommunen einen Teil der Verantwortung des Landes übernehmen sollen. Dabei lobte er im Anschluss das bürgerliche Engagement der BDS zur Verbesserung der Lebensqualität in Kirchheim.

Nach den Grußworten stellte Ewald Metzger, Stellvertretender Vorsitzender der BDS, die wichtigsten Resultate der Umfrage der BDS-Mitglieder vor. Es stellte sich heraus, dass fast 90 Prozent der Mitglieder unzufrieden sind über die Art und Weise, wie die Anliegen der BDS von der Stadt behandelt werden, lobte aber sofort die Bemühungen Matt-Heideckers zur Verbesserung der Zusammenarbeit.

Es folgten darauf der Finanzbericht, die Kassenprüfung, Entlastung des Vorstandes, Verabschiedungen und Wahlen.

Schließlich konnte Anne Koark das Wort ergreifen und einen einstündigen Bericht über das Thema "Insolvent und trotzdem erfolgreich" halten. Die gebürtige Engländerin und allein erziehende Mutter von zwei Kindern berichtet über ihren Lebensweg von der Gründung ihrer Firma "Trust in Business" 1999, den Weg zum Insolvenzanwalt bis zur Gründung des Vereines "B.I.G. Bleib im Geschäft". Und nun ist es ihr Ziel, Mut zu machen nach dem Scheitern und wieder aufzustehen. Nachdem ihre Firma 2003 scheiterte, hatte sie alles verloren Eigentumswohnung, Auto, Lebens- und Rentenversicherung. Durch den bahnbrechenden Erfolg ihres Buches ist sie nun eine innovative, erfolgreiche Unternehmerin und bekannt aus Funk, Fernsehen und Presse. So erhielt sie zum Beispiel den "Lady Business Award 2004".

Koark geht es nicht nur um Fehlentscheidungen in Wirtschaftsfragen, sondern auch um den Umgang mit der Niederlage nach einer Insolvenz. "Ich möchte dieses Thema enttabuisieren", erklärt Koark. Trotz rund 40 000 angemeldeten Insolvenzen in 2004 reden Einzelunternehmer nicht über ihre Misserfolge. Daher soll der auf ihre Initiative gegründete Verein "B.I.G. - Bleib im Geschäft" als eine Anlaufstelle für alle von Insolvenz bedrohten Unternehmern dienen. Rechtsanwälte, Steuerberater, Unternehmensberater und Psychologen bieten dabei ihren Rat und ihre Hilfe an. Auch der BDS war Koark dabei eine große Hilfe, und so wurde bei der Mitgliederversammlung das Thema Insolvenz zum Brennpunktthema gemacht.