Lokale Kultur

"Wir müssen wertschätzen, was wir haben"

KIRCHHEIM In der Buchhandlung Schieferle in Kirchheim war ein besonderer Mensch zu Gast: Lama

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CHRISTIANE BRENNER

Yeshe Losal, tibetischer Meditationsmeister und Abt des größten tibetischen Klosters Europas in Schottland sprach über sein Buch "Der Weg zum inneren Frieden".

Die Freude über ihren Besuch und das volle Haus ist Margot Schieferle anzusehen, die in einleitenden Worten auch Petra Sanders, die Leiterin des buddhistischen Zentrums in Kirchheim, vorstellt. Dann gehört die Aufmerksamkeit Lama Yeshe Losal und seiner aus Notzingen stammenden deutschen Begleiterin Ani Semchi, die den Anwesenden in authentischer Weise die englischen Worte des Lamas übersetzt.

Gleich zu Anfang betont LamaYeshe Losal, dass er immer bestrebt war, den Buddhismus den Menschen auf einfache Weise nahe zu bringen. Er lacht wie ein Lausbub, als er sagt, dass man ein guter Buddhist sein müsse, um viele der hierzu existierenden schwierigen Bücher überhaupt verstehen zu können. Überhaupt begleitet dieses spitzbübische Lachen viele seiner Worte; man ist versucht, etwas davon abhaben zu wollen, denn es wirkt echt und frei.

"Nichts bleibt für immer. Wir müssen lernen, das zu akzeptieren", sagt er. Dann ist beispielsweise auch das Altwerden als etwas Schönes anzusehen. Als er sich in Bezug auf die beständige Veränderung der Dinge auf Buddha beruft, der ebenfalls feststellt, dass die Menschen vergeblich immer an etwas festhalten, redet er voller Überzeugung und lacht einmal mehr in der ihm eigenen Art, als er merkt, dass er ganz vergessen hat, eine Pause für die Übersetzerin Ani Semchi zu machen.

Seine Kernaussage ist die bedeutungsschwere Frage, wie jeder Einzelne es schaffen kann, das wertzuschätzen, was er hat, denn je mehr man hat, desto mehr wolle man. Diese Gier mache aber den Körper und den Geist krank. "Es ist wichtig, dem Ego nicht nachzugeben, denn es ist ein Monster, das dich versklavt", sagt Lama Yeshe Losal.

Der Referent hat in seinem Leben schon viel Leid erfahren. Im Alter von fünfzehn Jahren floh er vor der chinesischen Besatzungsmacht zusammen mit 300 Personen aus Tibet. Nur 13 aus der Gruppe überlebten die Flucht. Doch es ist ihm nicht anzusehen, dass er an Entbehrung und Krankheit litt; mit seinen 63 Jahren wirkt er tatsächlich so, wie er von sich selbst sagt: "I am very joyful" sozusagen voller Freude. Die Tatsache, dass er die Hippie-Zeit in Großbritannien erlebt und viele Menschen in den USA kennen gelernt hat, die zwar im materiellen Sinn reich, innerlich jedoch arm gewesen seien, machte den Zuhörern deutlich, dass er weiß, wovon er spricht und wer ihn sah, glaubt daran, dass der "Buddhismus viel zu geben hat".