Lokale Wirtschaft

"Wir wollen unseren Mitgliedern einen Mehrwert bieten"

Trotz anhaltender Wirtschaftsflaute konnte die Volksbank Kirchheim-Nürtingen bei der Vertreterversammlung in der Kirchheimer Stadthalle durchweg zufriedenstellende Zahlen präsentieren: Die genossenschaftliche Bank legte im vergangenen Jahr bei den Krediten und den Einlagen zu und verbesserte das Betriebsergebnis vor Bewertung auf 13,2 Millionen Euro.

FRANK HOFFMANN

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KIRCHHEIM Es war die erste Vertreterversammlung der Volksbank nach der Reform des Wahlverfahrens. Um auch in diesem Bereich den genossenschaftlichen Gedanken zu stärken, hatte sich die mit ihren über 46 000 Mitgliedern drittgrößte Genossenschaftsbank in Württemberg im vergangenen Jahr von der bislang üblichen Gesamtliste verabschiedet und war zu einer ortsbezogenen Persönlichkeitswahl übergegangen. "Dieser Modus", so der Voba-Vorstandsvorsitzende Ulrich Weiß, "hat den Vorteil, dass die Mitglieder ihre Vertreter meist persönlich kennen" und die einzelnen Geschäftsbezirke ein stärkeres Gewicht bekommen.

Nach der Begrüßung durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Konrad Weber und einem Grußwort der Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ging Weiß in der voll besetzten Stadthalle auf die Entwicklung der Bank und die allgemeine wirtschaftliche Lage ein. Hart ging der Bankchef mit der rot-grünen Regierung ins Gericht, der er schwere Versäumnisse und Fehler ankreidete. "Während die Weltwirtschaft im fünften Jahr in Folge deutlich wächst, geht bei uns die Flaute ins fünfte Jahr." Weltweit werde für das laufende Jahr ein Wachstum von 4,3 Prozent prognostiziert, in Deutschland seien es nur noch 0,7 Prozent, veranschaulichte Weiß die Diskrepanz: "Damit bleibt Deutschland die Wachstumsbremse in der Europäischen Union und landet auf dem letzten Platz unter den 25 EU-Staaten."

Das Grundproblem der deutschen Wirtschaft ist für Ulrich Weiß die lahmende Binnennachfrage. Die "vor allem von der Politik verursachte wirtschaftliche Unsicherheit" sorge für Ängste, "und Menschen, die Angst vor der Zukunft haben, kaufen nur das Notwendigste." Die Bundesregierung verschließe davor die Augen. Notwendig sei eine Steuerpolitik, die den Standort Deutschland für Unternehmen attraktiv macht und eine Arbeitsmarkt- und Lohnpolitik, die die Schaffung neuer Arbeitsplätze erleichtert. "Von beidem ist wenig zu sehen", vermisst Ulrich Weiß Impulse der Regierung. Stattdessen ersticke der "rot-grüne Regulierungswille und der ausufernde Bürokratismus" die wirtschaftliche Dynamik.

Im Gegensatz zur konjunkturellen Lage in Deutschland sind Vorstand und Aufsichtsrat der Volksbank Kirchheim-Nürtingen mit der Geschäftsentwicklung ihres Hauses "insgesamt sehr zufrieden". Vor allem, wenn man die Geschäfte mit den Verbundpartnern bei der Betrachtung berücksichtigt. Bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall, der Union Investment, der VR-Leasing und den Versicherungen zählt die Voba bundesweit zu den umsatzstärksten Partnern. Das in der Verbundbilanz ausgewiesene Gesamtkundenvolumen stieg dadurch um 2,3 Prozent auf fast 2,8 Milliarden Euro an.

Die Bilanzdetails stellte Vorstandsmitglied Harald Kuhn den über 300 zur Versammlung erschienenen Vertretern vor. Das betreute Kundenkreditvolumen, so Kuhn, sei einschließlich der vermittelten Darlehen um 14,6 Millionen auf 1,08 Milliarden Euro angestiegen. Steigern konnte die Volksbank auch die Kundeneinlagen. Diese kletterten um 1,3 Prozent auf 932 Millionen Euro in die Höhe. "Zählen wir die im Finanz-Verbund angelegten Gelder hinzu, erhöht sich der Betrag auf 1,7 Milliarden Euro", verkündete Kuhn. Nicht zuletzt der auf Grund der guten Vermittlungsergebnisse um 1,1 Millionen Euro angestiegene Provisionsüberschuss trug zu einer Verbesserung des Betriebsergebnisses vor Bewertung um 0,3 Millionen auf 13,2 Millionen Euro bei. Ein großes Sorgenkind bleiben für Harald Kuhn die "nach wie vor viel zu hohen Risikoaufwendungen im Kreditgeschäft" auf Grund der vielen Firmen- und Privatinsolvenzen. Am Ende der Gewinn- und Verlustrechnung ergibt sich nach Abzug der Steuern ein Jahresüberschuss in Höhe von 3,2 Millionen Euro, was in etwa dem Vorjahresergebnis entspricht.

Auch für die Zukunft hat sich das genossenschaftliche Kreditinstitut einiges vorgenommen: "Unser Schwerpunkt liegt dabei nicht im Kostenabbau wie von vielen anderen Banken zu hören, sondern in der Ertragssteigerung", sagte Kuhn. "Wir wollen bei gleich bleibenden Kosten unsere Marktanteile ausbauen." Ein wesentlicher Punkt ist in diesem Zusammenhang die Stärkung des genossenschaftlichen Profils. "Wir wollen unseren Mitgliedern einen Mehrwert bieten", betonte Ulrich Weiß, und sein Vorstandskollege Dieter Helber erläuterte einige "Schmankerln", mit denen die Mitglieder- und Kundenzahl weiter in die Höhe getrieben werden soll. Steigender Beliebtheit, so Helber, erfreut sich das Kundenservicecenter, "inzwischen die bestbesuchte Filiale der Bank". Die zwölf Mitarbeiterinnen sind von 8 bis 20 Uhr zu erreichen und bearbeiten täglich rund 700 Anrufe. "In Kürze erwarten wir 1 000 Anrufe pro Tag." Auch der mobile Vertrieb mit derzeit drei Mitarbeiteren kommt sehr gut an und soll ebenfalls ausgebaut werden.

Hervorragend gestartet ist das gebührenfreie Girokonto "VR-Giro-Plus". Voraussetzung für die Gebührenfreiheit ist die Mitgliedschaft bei der Volksbank. Zudem müssen die Bankgeschäfte per PC oder Selbstbedienungsgeräte abgewickelt werden.

Im kommenden Jahr will die Volksbank Kirchheim-Nürtingen ein "Mitglieder-Mehrwertprogramm" starten. Firmenkunden, so die Idee, gewähren den Volksbank-Mitgliedern Vorteile in Form von Zusatzleistungen. "Dies ist gleichzeitig ein Beitrag, um Kaufkraft in der Region zu binden", betonte Helber bei der Vorstellung.

Im Anschluss an den Bericht des Verbandsprüfers Joachim Helber genehmigte die Vertreterversammlung einstimmig den Jahresabschluss. Die von Vorstand und Aufsichtsrat vorgeschlagene Gewinnverwendung mit einer Dividendenausschüttung in Höhe von 5,5 Prozent fand ebenfalls die einmütige Zustimmung. Zügig gingen auch die Wahlen zum Aufsichtsrat über die Bühne: Turnusgemäß schieden Hans-Peter Becker aus Schlierbach, Werner Kotz aus Reudern, Frank Mack aus Weilheim und Konrad Weber aus Reudern aus. Alle vier stellten sich erneut zur Wahl und wurden einstimmig wiedergewählt.